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23. Mai 2012, 14:29 Uhr

Skandalspiel gegen Düsseldorf

Hertha-Präsident widerspricht eigenem Anwalt 

Verwirrung in Berlin: Sollte der Einspruch von Hertha BSC gegen die Wertung des Relegationsspiels erneut abgewehrt werden, will Hertha-Präsident Werner Gegenbauer sich alle Optionen offenhalten. Zuvor hatte der Clubanwalt hingegen mitgeteilt, Hertha wolle das Urteil auf jeden Fall akzeptieren.

Hamburg - Bei Hertha BSC herrscht Uneinigkeit darüber, wie der Verein reagieren wird, wenn dem Einspruch gegen die Wertung des Relegationsspiels bei Fortuna Düsseldorf (2:2) am Freitag nicht stattgegeben werden sollte. Clubanwalt Christoph Schickhardt hatte zunächst angekündigt, dass Hertha die Entscheidung des Bundesgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf jeden Fall anerkennen möchte. "Wir akzeptieren die Autorität der Sportgerichtsbarkeit. Damit ist der Instanzenzug innerhalb des DFB endgültig abgeschlossen", hatte Schickhardt gesagt.

Diese Aussage hat Vereinspräsident Werner Gegenbauer wenige Stunden später relativiert: "Egal wie das Urteil lautet, wir werden uns die Begründung genau ansehen", sagte der 61-Jährige. Schickhardt habe das "etwas weniger differenziert dargestellt". Laut Gegenbauer sei es bei einer längeren Einspruchsfrist sogar denkbar, dass im Falle eines negativen Ausgangs bei der Mitgliederversammlung am 29. Mai über das weitere Vorgehen des Vereins abgestimmt wird.

Der Vereins-Anwalt ist sich seiner Sache offenbar sicherer als der Vereinsvorstand - er geht davon aus, dass der Urteilseinspruch Herthas diesmal akzeptiert werde: "Ich sitze an der Berufungsbegründung, und wir haben dort gute, intakte Chancen. Dieses Urteil kann so keinen Bestand haben", sagte Schickhardt. Der Verein habe stichhaltige Gründe, gegen die Entscheidung vorzugehen.

Das DFB-Sportgericht hatte am Montag in erster Instanz den Einspruch der Berliner gegen die Spielwertung abgewiesen. In der Verhandlung vor dem Bundesgericht am Freitag ab 12.30 Uhr will Hertha nun Verfahrensfehler mit Hilfe von Videoaufzeichnungen nachweisen. Die Sequenzen waren vom Sportgericht nicht als Beweismittel zugelassen worden.

Fortuna-Ordnungsdienst weist Anschuldigungen zurück

Unterdessen ist der Ordnungsdienst von Fortuna Düsseldorf überzeugt, beim skandalösen Relegationsspiel am 15. Mai keine konkreten Fehler gemacht zu haben. "Ich kann keine erkennen", sagte Michael Lindemann, Chef des Sicherheitsdienstes im Düsseldorfer Stadion. Es sei allerdings "völlig normal", dass man sich jetzt überlege, welche Lehren man für die Zukunft aus diesem Vorfall ziehen könne.

Der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Hans Lorenz, hatte für die Ausschreitungen auf dem Platz ein "totales Versagen" des Düsseldorfer Sicherheitskonzepts verantwortlich gemacht. Lindemann versuchte, die Situation zu erklären: "Nach dem 2:1 für Fortuna war mindestens die Hälfte unserer Ordner mit den Hertha-Fans beschäftigt. Aus deren Block flog bis zu einem Dutzend Bengalos gleichzeitig auf den Platz. Deshalb war vor den anderen Blöcken weniger Personal."

Es seien laut Sicherheitschef Lindemann rund 900 Einsatzkräfte im Stadion gewesen - 200 mehr als bei normalen Spielen. Aus Sicherheitsgründen seien die Fans nicht in ihre Blöcke zurückgedrängt worden. "Die Gefahr ist dann zu groß, dass Menschen wie bei der Loveparade eingequetscht und schwer verletzt werden", sagte Lindemann.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Fortuna-Fans

Nach den jüngsten Ausschreitungen bei Fußballspielen haben verschiedene Politiker und Funktionäre höhere Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien gefordert. Auf Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC werden aller Wahrscheinlichkeit nach hohe Geldstrafen zukommen.

In der Nachspielzeit des Relegationsspiels waren rund 1500 Zuschauer vorzeitig auf den Platz gestürmt, weil sie das Spiel bereits für beendet hielten. Die Partie war für rund 20 Minuten unterbrochen worden, bevor Schiedsrichter Wolfgang Stark sie wieder abpfiff.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft weitere Verfahren gegen Zuschauer wegen der Verwendung von Leuchtkörpern und Beschädigungen im Stadion eingeleitet worden. In dem Zusammenhang werde auch gegen zwei Spieler von Fortuna ermittelt, hieß es in einer Mitteilung. Ein Sonderdezernat ist mit sämtlichen Ermittlungen befasst. "Das ist völlig in unserem Sinne. Schließlich geht es auch darum, die Täter regresspflichtig zu machen und mögliche Stadionverbote auszusprechen", sagte Fortunas Geschäftsführer Paul Jäger.

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