Hertha - Cottbus Brasilianer aus der Lausitz

Energie Cottbus ist eine der Überraschungen der gerade begonnenen Saison. Nach dem vierten Spieltag steht der vermeintliche Abstiegskandidat auf dem dritten Tabellenplatz.


Lufthoheit im Derby: Bart Goor (l.) und Laurentiu Reghecampf beim Abheben
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Lufthoheit im Derby: Bart Goor (l.) und Laurentiu Reghecampf beim Abheben

Berlin - Der FC Energie Cottbus hat den selbst erklärten Titelfavoriten Hertha BSC in eine große Krise gestürzt. Die Lausitzer besiegten im brisanten Ost-Duell am Sonntag die Berliner mit 3:2 (0:1) und liegen damit nach dem vierten Spieltag mit neun Punkten erstmals in ihrer Vereinsgeschichte auf dem dritten Tabellenplatz. Vragel da Silva (56. Minute), Andrzej Kobylanski (64.) und Brasilia (80.) sorgten mit ihren Toren für den Überraschungscoup. Der Brasilianer Marcelinho (26.) hatte mit seinem ersten Punktspiel-Treffer die Berliner vor 42.701 Zuschauer im Olympiastadion in Führung gebracht. Michael Preetz konnte in der 90. Minute nur noch verkürzen.

"Wir spielen kein Fußball mehr"


"Wir haben zunächst sehr verhalten, fast ängstlich gespielt, obwohl das gar nicht nötig war. Hinterher war es besser. Ich wäre mit einem Punkt zufrieden gewesen. Aber so ist es besser", sagte Energie-Trainer Eduard Geyer, der in der Schlussphase von Schiedsrichter Wolfgang Stark auf die Tribüne geschickt worden war. Schonungslos fasste Berlins Marco Rehmer den Auftritt zusammen: "Wir spielen kein Fußball mehr", sagte der Nationalspieler. Die Fans machten ihrem Unmut Luft und forderten mit "Röber raus" rufen die Entlassung von Hertha-Coach Jürgen Röber.

Mit dem Berliner Sebastian Deisler (Muskelprobleme) und Energie-Motor Vasile Miriuta (Grippe) fehlte beiden Mannschaften der Spielgestalter. Nach dem 0:3 in der Vorsaison in Cottbus, als die Herthaner als "Spreewaldgurken" verhöhnt wurden, war die Partie von den Berlinern zur "großen Revanche" erkoren worden. Die offene Rechnung wurde aber nicht beglichen. Im Gegenteil: Cottbus stellte die vermeintliche Hackordnung im Osten wieder auf den Kopf, und die mit große Ambitionen gestartete Hertha liegt mit vier Punkten weiter nur im Mittelfeld der Bundesliga. Energie konterte im zweiten Abschnitt clever und legte die Schwächen der im zweiten Heimspiel zum zweiten Mal besiegten Berliner schonungslos offen.

Die ersten 20 Minuten spielten beide Mannschaften sehr behäbig. In der 22. Minute prüfte Hertha-Kapitän Preetz erstmals Cottbus-Schlussmann Tomislav Piplica. Vier Minuten später hatte Marcelinho mehr Erfolg. Nach feiner Vorarbeit des Belgiers Bart Goor war der 26-Jährige zur Stelle. Auf der Deisler-Position glänzte der Brasilianer aber nur eine Halbzeit. Die beste Chance für Cottbus in der ersten Halbzeit beschwor Hertha-Torwart Gabor Kiraly herauf, der einen Freistoß von Andre Kobylanski (32.) fast ins eigene Tor lenkte.

Turbulente Tage für Röber


Im zweiten Abschnitt wurde deutlich, wie sehr das Hertha-Spiel von den Ideen Deislers abhängig ist. Drei Mittelfeldspieler wechselte Röber aus, dem nach der erneuten Pleite turbulente Tage bevorstehen dürften. Energie übernahm mehr und mehr das Kommando. Zunächst rettete Kiraly artistisch bei einer Rückgabe von van Burik (47.). Da Silva, Kobylanski und Brasilia nutzten ihre Freiräume clever und sorgten mit ihren Toren für die faustdicke Überraschung.

Hertha BSC Berlin - Energie Cottbus 2:3 (1:0)
1:0 Marcelinho (26.)
1:1 da Silva (56.)
1:2 Kobylanski (64.)
1:3 Brasilia (80.)
2:3 Preetz (90.)
Berlin: Kiraly - Rehmer, van Burik, Kontsantinidis - Hartmann (60. Pinto), Maas (72. Neuendorf), Beinlich (68. Dardai), Goor - Marcelinho - Alves, Preetz
Cottbus: Piplica - Sebök - da Silva, Kaluzny - Reghecampf, Thielemann, Akrapovic, Kobylanski - Termina (83. Scherbe) - Labak (76. Brasilia), Topic (76. Helbig)
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 42.791
Gelbe Karten: Rehmer (2) - Thielemann (2), Labak, Scherbe



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