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Berlin vs. Bayern: Bayern ganz locker, Hertha chaotisch

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Bayern-Gala in Berlin Schnick-Schnack-Schnuck mit Rehhagels Elf

Es war eine Demütigung: Bayern München hat Hertha BSC eine Lehrstunde erteilt und damit eine perfekte Woche abgeschlossen. Die Mannschaft von Otto Rehhagel dagegen wird sich mit solchen Leistungen bald aus der Bundesliga verabschieden.

Otto Rehhagel ist diesmal sogar noch glimpflich davongekommen. Es gab mal ein Duell mit seinem heutigen Bayern-Kollegen Jupp Heynckes, das für den Trainer-Altmeister noch weit furchtbarer ausgegangen ist als dieser Abend im Olympiastadion. 1978 war das, Rehhagel damals ein junger Coach in Dortmund, Heynckes ein gefürchteter Stürmer in Mönchengladbach. Dortmund verlor 0:12 - insofern war die 0:6-Klatsche, die Heynckes' Bayern der von Rehhagel trainierten Berliner Hertha verpassten, geradezu gnädig.

Dennoch war es natürlich ein Fußballabend, für den Begriffe wie Debakel, Lehrstunde, Demütigung erfunden wurden. Man kann auch noch das Wort Klassenunterschied hinzufügen. In der Verfassung vom Samstag gehört Hertha BSC nicht in die 1. Bundesliga.

Rehhagel hatte in den vergangenen Tagen mehrere Geheimtrainings ansetzen lassen, um die Bayern zu überraschen. Nach dem Spiel bleibt allein noch ein Geheimnis, wie der 73-Jährige diese Mannschaft in der Bundesliga halten will. "So bitter das ist, wir müssen das abhaken", sagt Rehhagel. Ein solches Spiel kann man nicht einfach abhaken.

Für den FC Bayern war es die perfekte Woche

Der FC Bayern dagegen hat eine perfekte Woche abgeschlossen. Die liest sich nach Zahlen so: Drei Spiele, drei Siege, ein Torverhältnis von 20:1. Nach dem 7:1 über 1899 Hoffenheim und dem 7:0 in der Champions League über den FC Basel hätte ein 7:0-Auswärtserfolg bei der Hertha sicherlich gut in die Reihe gepasst. Defensivspezialist Luiz Gustavo hatte es kurz vor dem Abpfiff auf dem Fuß, für dieses symmetrische Resultat zu sorgen. Aber der ansonsten bedauernswerte Hertha-Keeper Sascha Burchert, der zur Pause den ebenso bedauernswerten Thomas Kraft ersetzen musste, rettete mit einem Reflex - so blieb es "nur" bei einem Sechs-Tore-Sieg des Rekordmeisters.

Das war allerdings das einzige, was den Bayern in den 90 Minuten im Olympiastadion misslang. Die Offensivstars Franck Ribéry und Arjen Robben waren möglicherweise selbst erstaunt, dass es noch Bundesligastadien gibt, in denen ihnen so viele Freiheiten gewährt werden. Im Moment dürfte Berlin allerdings der einzige Ort in Erstliga-Deutschland sein, wo Stürmer von ihren Gegenspielern so in Ruhe gelassen werden.

Die jungen Außenverteidiger Fanol Perdedaj und Alfredo Morales, die sich nacheinander an der Bewachung Ribérys versuchten, weil Rehhagel ihnen diese Aufgabe zugewiesen hatte, waren damit vollständig überfordert. Der Franzose machte sich in der zweiten Halbzeit beinahe einen Spaß daraus, Morales im Strafraum so in Zweikämpfe zu verwickeln, dass am Ende einen Elfmeter für die Bayern dabei heraussprang. Der junge Hertha-Spieler tat ihm zweimal den Gefallen.

Bayern machte den Gegner lächerlich

Schon in der ersten Hälfte hatten Ribéry und Nebenmann Toni Kroos vor einem Freistoß im Gefühl des sicheren Sieges per Schnick-Schnack-Schnuck ausgeknobelt, wer von beiden schießen solle. Lächerlicher kann man einen Gegner kaum machen. Bayern führte die Hertha vor, über die Grenze zur Arroganz hinaus.

Die Bayern haben sich in dieser Woche frei gespielt. Nichtsdestotrotz gibt es auch für 7:1- und 6:0-Erfolge nicht mehr als drei Punkte. Und solange der Hauptrivale Borussia Dortmund seine Partien gewinnt, und sei es nur 1:0 wie am Samstag gegen Bremen, kommen die Bayern nicht näher heran an den BVB. Der Rückstand bleibt bei fünf Punkten. Da kann das Torguthaben noch so gut gefüllt sein wie sonst nur das Festgeldkonto der Bayern.

Dennoch: Dem Selbstvertrauen haben die drei Kantersiege gut getan, das Krisengerede hat sich erst einmal verflüchtigt. Vor den nun folgenden entscheidenden Wochen in Liga, Pokal und Champions League ist vorerst Ruhe eingekehrt. Die könnte allerdings schon am Mittwoch wieder nachhaltig gestört werden. dann geht es zum DFB-Pokalhalbfinale nach Mönchengladbach (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Zweimal sind die Münchner von den Gladbachern in der Liga geschlagen worden. Normalerweise sollte das ausreichen, um die Bayern an der Ehre zu fassen.

An die Ehre appellieren - das ist möglicherweise das einzig verbliebene Mittel, das den Verantwortlichen von Hertha noch bleibt. Bayern-Verteidiger Jérome Boateng, gebürtiger Berliner und ehemaliger Hertha-Profi, sagte nach dem Spiel: "Ich wünsche der Hertha, dass sie ab jetzt jedes Spiel gewinnen." So viel Humor hätte man dem Nationalspieler gar nicht zugetraut.

Otto Rehhagel wählt am Sonntag den Bundespräsidenten. Er hat bereits kundgetan, dass er Joachim Gauck seine Stimme geben werde. Irgendwann möchte schließlich auch ein Hertha-Trainer mal bei den Siegern sein.

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