Hertha-Sieg gegen Bayern Woronin entscheidet das Familienduell

Der neue Tabellenführer kommt aus Berlin: Ohne ihren besten Angreifer hat Hertha BSC den FC Bayern bezwungen - und damit die sportliche Fehde der Manager-Brüder Uli und Dieter Hoeneß entschieden. Mann des Spiels war ausgerechnet der Stürmer, dessen Zukunft weiter ungeklärt ist.

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Andrej Woronin konnte einem Leid tun. Gerade hatte der Stürmer von Hertha BSC Berlin das 1:0 gegen den FC Bayern erzielt, da musste er einiges einstecken. Marco Babic zerrte dem Ukrainer mit beiden Händen beim Jubeln an den Ohren, Patrick Ebert rauschte Woronin per Diver in die Seite. Ebert hatte den Führungstreffer mit einer Sonntagsflanke und damit den 2:1 (1:0)-Sieg eingeleitet, der den Berlinern nach dem 20. Spieltag die erste Tabellenführung in dieser Saison und den ersten Erfolg über Bayern seit sieben Jahren bescherte. "Die Bayern waren nicht so gut, wie wir sie erwartet haben", sagte Woronin nach dem Triumph, fügte aber hinzu, dass sein Team "vorne ein wenig Glück" gehabt habe. Bayern-Manager Uli Hoeneß trauerte derweil den verpassten Möglichkeiten hinterher: "Wir haben aus unseren vielen Chancen zu wenig gemacht."

Anders die Berliner. Den Anfang machte Ebert in der 38. Minute. Nach einem katastrophalen Fehlpass von Lell schickte er den Ball aus dem Halbfeld mit einer Mischung aus Heber und Flanke auf eine eigentlich aussichtslose Reise in den Bayern-Strafraum, doch drei Münchner sahen nur tatenlos zu, wie Woronin zum 1:0 einköpfte. Während Lucio sich immerhin noch nach dem Ball streckte, lief Lell planlos hinter dem Torschützen herum. Der Außenverteidiger hatte sich offenbar darauf verlassen, dass Torhüter Michael Rensing die Kerze aus der Luft pflückt. Hätte er sich lieber auf sich selbst verlassen.

Drei Minuten vor dem Rückstand hatte es den ersten Rückschlag für das Team von Trainer Jürgen Klinsmann gegeben. Stürmer Luca Toni musste mit einer Sprunggelenksverletzung ausgewechselt werden. US-Import Landon Donovan nahm den freien Platz im Sturm neben Miroslav Klose ein, der in der ersten Halbzeit enttäuschte, dafür aber im zweiten Durchgang eiskalt zum 1:1-Ausgleich nachsetzte. Hertha-Torhüter Jaroslav Drobny hatte einen Schuss von Lucio direkt vor die Füße von Bastian Schweinsteiger abgeklatscht, konnte dessen Dropkick noch sensationell parieren, ehe Klose per Kopf abstaubte (61.).

"Die ganze Stadt ist stolz auf uns"

Danach erhöhte Bayern den Druck, die Berliner verlegten sich aufs Kontern - mit Erfolg. In der 77. Minute bediente Raffael Woronin bei einem Gegenstoß mit einem klugen Steilpass, den der Mann des Tages zum 2:1 an Rensing vorbeischob. Zugleich trat Woronin den Beweis an, dass die Berliner auch ohne Marko Pantelic gewinnen können. Der mit sechs Treffern bis heute beste Stürmer musste wegen Knie- und Knöchelproblemen gegen Bayern auf der Tribüne Platz nehmen. Seinen Platz in der Torschützenliste teilt er sich jetzt mit Woronin.

"Die ganze Stadt ist stolz auf uns", sagte der Doppeltorschütze, dessen Verbleib in Berlin noch unklar ist. Der 29-Jährige Nationalspieler ist seit der Winterpause vom FC Liverpool ausgeliehen und soll rund fünf Millionen Euro Ablöse kosten. Gut möglich, dass Woronin sich heute zu einem Stück selbst finanziert hat: Zieht Hertha in die Champions League ein, dürfte eine Verpflichtung des ehemaligen Leverkuseners dank der hohen Einnahmen realistischer werden.

Von der Champions League will Herthas Manager Dieter Hoeneß, der sich für eine Verpflichtung Woronins "lang strecken" will, noch nichts wissen: "Andere Mannschaften sind besser besetzt als wir. Wir wollen uns da oben festbeißen, aber das Ziel heißt weiterhin Uefa Cup", sagte der knapp ein Jahr jüngere Bruder des Bayern-Managers, dem heute das gelang, wovon Uli Hoeneß seit Saisonbeginn spricht, bis heute aber darauf wartet: die Eroberung der Tabellenspitze.

"Klar sind wir enttäuscht. Aber wir holen uns den Platz früher oder später", sagte Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, während sich sein Manager zu dem Kompromissvorschlag äußerte, der Titel würde ja im Falle eines Triumphs der Hertha zumindest in der Familie bleiben. "Wenn ich es einem gönne, dann dem Dieter", sagte Uli Hoeneß, um gleich eine Kampfansage folgen zu lassen: "Unser Ausgangslage hat sich trotz der Niederlage nicht verschlechtert", so Uli Hoeneß. Schließlich hätten die anderen Spitzenmannschaften auch nicht gerade so gespielt, dass man Angst bekommen müsste, bilanzierte Hoeneß den Spieltag.

Uli gönnt Dieter den Titel

Nach diesem Erfolg kommt aber selbst Uli Hoeneß nicht drumrum, die Berliner ernsthaft zu den Meisterschaftskandidaten zu zählen. Die Zwischenbilanz der fünf besten Vorrunden-Teams nach der Winterpause spricht ebenfalls für die Hertha. Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre holte sieben Punkte aus drei Spielen, mit einem glücklichen Sieg gegen Frankfurt, einem unglücklichen Unentschieden in Bielefeld und eben dem Erfolg gegen Bayern.

Die Münchner wiederum verloren gleich gegen zwei direkte Konkurrenten. Neben der Niederlage in Berlin ließen die Bayern auch drei Punkte beim HSV und kommen durch einen Heimsieg gegen Dortmund auf nur drei Punkte aus drei Spielen seit der Winterpause. Das bedeutet den letzten Platz in diesem Vergleich. Denn Leverkusen holte im gleichen Zeitraum vier Punkte, drei davon beim gestrigen Sieg in Hoffenheim, das ebenfalls in der Rückrunde bislang nur auf vier Punkte kam.

Der HSV könnte immerhin noch als Zweiter aus dem Duell der besten Fünf der Hinrunde seit Jahreswechsel gehen. Nach dem Sieg gegen Bayern folgte eine dusselige Niederlage in Karlsruhe. Gewinnen die Hamburger am Sonntag gegen Bielefeld (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), winkt zwar nicht die Tabellenführung. Am selbsternannten Meisterschaftsfavoriten Bayern wären die Hamburger allerdings vorbei. Dank Andrej Woronin.

insgesamt 10 Beiträge
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buusami 14.02.2009
1. So ein Tag...
Mann, bin ich happy. Und es ist eben kein Zufall! Sondern eine tolle Arbeit von Verein, Management und Trainerstab! Auf Samtpfoten und als Mannschaft schleicht sich meine Hertha nach vorn. Oh, Augenblick, verweile doch, Du bist do schön!!!
ray4901 14.02.2009
2. dank Favre
Woronin oder Raffael oder Pantelic oder... Mehr fällt auf, dass der Trainer mit den wechselnden (den gewollten und den verletzungsbedingten)Besetzungen nicht nur zurecht kommt, sondern damit virtuos spielt. Die Gegner haben es nicht leicht, sich darauf einzustellen, welches Erfolgsrezept er in welcher Besetzung auf sie ansetzt. Die defensive Stabilität garantiert er natürlich ebenfalls. Wenn Spieler hervorgehoben werden sollten als absolute (Bundesliga-) Spitze sind es Drobny und Simunic. Mit den beiden wären z.B die Bayern garantiert vorne. Den Unterschied auf den entsprechenden Positionen hat man nicht nur heute im Direktduell gesehen
marco0106 15.02.2009
3. juhu
dann hoffen wir mal, dass es nachdem 34. Spieltag auch noch so ist. Man(n) darf ja mal träumen......
systemfeind 15.02.2009
4. ja und ?
Zitat von sysopDer neue Tabellenführer kommt aus Berlin: Ohne ihren besten Angreifer hat Hertha BSC den FC Bayern bezwungen - und damit das Familienduell im Hause Hoeneß entschieden. Mann des Spiels war ausgerechnet der Stürmer, dessen Zukunft weiter ungeklärt ist. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,607657,00.html
die Foren für die harten Themen ( Klima , NPD , Krieg ) sind alle geschlossen ...warum ?
Kurt Kurzweg 15.02.2009
5. Das ist die Härte!
Zitat von systemfeinddie Foren für die harten Themen ( Klima , NPD , Krieg ) sind alle geschlossen ...warum ?
Merken Sie was? Nix ist in unserer Welt so "hart" wie eine Niederlage des FC Hollywood! Erst die Selbstzerlegung der CSU und nun das! Habe Angst, dass die Bevölkerung eines ganzen "Freistaates" demnächst ihrem "Kini" folgt und ins Wasser geht...
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