Hillsborough-Katastrophe Richter ordnet Neuauflage des Prozesses an

Bei der Katastrophe im Hillsborough-Stadion 1989 waren insgesamt 96 Menschen gestorben. Beim Prozess im April kam der damalige Polizei-Einsatzleiter straflos davon. Doch nun wird der Fall erneut aufgerollt.

Bei einer Gedenkveranstaltung 2016 in Liverpool für die 96 Todesopfer der Hillsborough-Katastrophe
Christopher Furlong / Getty Images

Bei einer Gedenkveranstaltung 2016 in Liverpool für die 96 Todesopfer der Hillsborough-Katastrophe


Ein britisches Gericht hat eine Neuauflage des Prozesses um die Massenpanik im britischen Hillsborough-Stadion angeordnet, bei der 1989 insgesamt 96 Fußballfans ums Leben gekommen waren. Der damalige Einsatzleiter der Polizei, David Duckenfield, war im April straflos davongekommen, weil sich ein Gericht nach zehnwöchigem Prozess nicht auf ein Urteil einigen konnte.

Richter Peter Openshaw ordnete am Dienstag an, dass Duckenfield sich ab Oktober erneut vor Gericht in Preston nahe Liverpool verantworten muss. Ihm wird grob fahrlässiger Totschlag in 95 Fällen vorgeworfen. Ein weiteres Opfer, Tony Bland, war erst vier Jahre nach dem Unglück gestorben, sein Fall kann deshalb nicht strafrechtlich verfolgt werden.

Beim FA-Cup-Spiel zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest war es 1989 auf einer überfüllten Zuschauertribüne zu einem Gedränge gekommen. 95 Menschen, die meisten Fans des FC Liverpool, starben noch vor Ort.

Im Vorfeld der Katastrophe hatte Einsatzleiter Duckenfield unter anderem einen Notausgang öffnen lassen, durch den Hunderte Liverpool-Fans über einen schmalen Tunnel auf die bereits überfüllte Stehtribüne strömten. Zäune hinderten die Menschen daran, auf das Spielfeld oder angrenzende Tribünen auszuweichen. Sie wurden von den nachkommenden Fans zu Tode gequetscht.

Im ersten Prozess hatte die Staatsanwaltschaft die Überzeugung vertreten, Duckenfield sei letztlich dafür verantwortlich, dass es zu der tödlichen Panik kommen konnte. Der mittlerweile 74-Jährige beteuerte dagegen seine Unschuld.

In Zusammenhang mit dem Hillsborough-Unglück wurde bislang nur ein einziger Angeklagter verurteilt: Wegen Verletzung der Sicherheitsregeln muss der damalige Sicherheitsbeauftragte des Gastgebers Sheffield laut Urteil vom Mai 6500 Pfund (7300 Euro) Strafe zahlen.

mey/afp



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fin2010 25.06.2019
1. 30 Jahre später? Verjährung?
wündert micht, dass das damalige Geschehen nicht längst verjährt ist. Wann wurde der Beschuldigte denn erstmals angeklagt bzw. seit wann läuft die Anlage?
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