Neuer Bericht Polizei trägt Mitschuld an Hillsborough-Tragödie

96 Liverpooler Fans starben 1989 bei der Katastrophe im Hillsborough-Stadion. Doch mindestens 41 Opfer hätten überleben können, wenn die Einsatzkräfte schneller gehandelt hätten. Dies zeigen neue Unterlagen. Die Polizei wollte zudem ihre Fehler verschleiern.
Tragödie im Hillsborough-Stadion: 96 Fans gestorben

Tragödie im Hillsborough-Stadion: 96 Fans gestorben

Foto: David Cannon/ Getty Images

Hamburg - Fehler der Polizei haben 1989 zur Zuschauertragödie im Hillsborough-Stadion in Sheffield beigetragen, wie aus jetzt freigegebenen Unterlagen hervorgeht. Damals kamen 96 Fans des FC Liverpool ums Leben, mehrere hundert wurden verletzt. Es sei eine Schande für Großbritannien, dass es mehr als 20 Jahre gedauert habe, um die Fehler offenzulegen, die zu der Katastrophe beigetragen hätten, erklärte Premierminister David Cameron.

Den Dokumenten zufolge versuchte die Polizei, ihre Fehler zu verschleiern und den Liverpool-Fans die Schuld zu geben. Wenn die Einsatzkräfte schneller gehandelt hätten, hätten mindestens 41 der Opfer überleben können. Dies wird in dem neuen Bericht betont, der von einer unabhängigen Kommission vorgelegt wurde. Sie hatte über 18 Monate rund 450.000 Dokumente durchgesehen, die von der Regierung freigegeben worden waren. Festgestellt wurde auch, dass die Polizei aus Berichten Passagen entfernte, die sie in negativem Licht darstellten.

Viele Opfer hatten doch nicht zu viel Alkohol im Blut

Die Polizei hatte damals zu viele Menschen in den Block der Liverpool-Fans gelassen. Die meisten Todesopfer wurden in dem völligen überfüllten Stehplatzbereich der Liverpool-Fans zu Tode gedrückt oder erstickten. Das Unglück ereignete sich beim Pokalhalbfinale zwischen Liverpool und Nottingham Forest.

Cameron erklärte, die Angehörigen hätten in den vergangenen Jahren doppelt gelitten: Einmal durch den Tod geliebter Menschen, und dann dadurch, dass diesen fälschlicherweise eine Mitschuld gegeben worden sei. Jetzt könnte es eine neue gerichtliche Untersuchung geben.

Im Anschluss an das Unglück waren die Fans von der Polizei und Medien als betrunken und aggressiv hingestellt worden. Neue Untersuchungen belegen, dass ein Großteil der Opfer keinesfalls zu viel Alkohol im Blut hatte. Zu den Ursachen des schwersten Unglücks der britischen Fußball-Geschichte wird seit langem neben polizeilichen Fehlern auch die damals übliche Stadion-Architektur mit hohen Gitterzäunen gezählt.

Vertreter der Angehörigen reagierten am Mittwoch positiv auf den Bericht und die Entschuldigung des Premiers. "Wir sind der Meinung, dass ein Durchbruch geschafft wurde", sagte Trevor Hicks von der Organisation Hillsborough Justice Campaign. "Die Wahrheit ist ans Licht gekommen, morgen folgt die Gerechtigkeit."

leh/dpa
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