Hirnforschung Abseitsregel überfordert Schiris

Wenn ein Linienrichter nach Meinung der Fußballfans zu Unrecht auf Abseits entscheidet, sind Pfiffe eigentlich nicht angebracht. Laut einer neuen Studie sind menschliches Hirn und Auge überhaupt nicht dazu geschaffen, eine Abseitssituation vernünftig analysieren zu können. Anhänger des Videobeweises haben nun neue Argumente.

London - "Um die Abseitsregel richtig anzuwenden, muss der Schiedsrichter fähig sein, mindestens fünf Objekte zur selben Zeit in seinem Blickfeld zu verfolgen: Zwei Spieler der angreifenden Mannschaft, die hintersten beiden Spieler der verteidigenden Mannschaft und den Ball", schrieb der spanische Arzt Francisco Belda Maruenda in der neusten Ausgabe des "British Medical Journal". Weil das menschliche Auge damit aber völlig überfordert sei, komme es immer wieder zu Fehlentscheidungen, so Maruenda.

In einem schnellen Spiel wie Fußball benötige das Auge mehrere Tausendstel Sekunden, um ein sich bewegendes Objekt zu identifizieren. In dieser Zeit könne sich ein Fußballer im Sprint etwa 70 Zentimeter bewegen und somit seine Position entscheidend verändern. Nur das Betrachten von Mitschnitten sei laut Maruenda ein zuverlässiges Mittel, umstrittene Entscheidungen objektiv zu beurteilen.

Dass die Abseitsregel, die seit 1866 besteht und die 1925 letztmalig gravierend modifiziert wurde, nach dieser Studie abgeschafft wird, darf bezweifelt werden. Doch Rufe nach dem Videobeweis werden immer lauter. Selbst bei der Uefa hat man in dieser Woche ein Komission eingesetzt, die untersuchen soll, ob technische Hilfsmittel künftig die Arbeit der Referees erleichtern könnten.

Uefa-Direktor Lars-Christer Olsson bremste im Bezug auf die Abseitsregel jedoch zu hohe Erwartungen: "Eine Kamera könnte feststellen, ob ein Ball über die Torlinie gerollt ist oder nicht. Die Technik bei jeder Abseitsentscheidung einzusetzen, würde mir allerdings Schwierigkeiten bereiten."

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