Historische Fußballstätten Lebendige Geschichte von Altona bis Aachen

Nur wenige Vereine spielen noch in alten, traditionsreichen Stadien. Viele dieser Sportstätten müssen immer moderneren Arenen weichen. Das Spiel wird zur Nebensache, der Besuch zum Event. Dabei haben gerade alte Stadien ihren eigenen Charme - so wie die Adolf-Jäger-Kampfbahn in Hamburg.
Von Daniel Wiemann

Regenüberströmt und klitschnass verlassen Tausende Menschen die Griegstraße in Hamburg-Altona. Es ist ein Spätsommertag, dennoch wirken sie hochzufrieden. Gerade haben sie die Eröffnung des neuen Stadions des Altonaer FC 93 - die heutige Adolf-Jäger-Kampfbahn – und den 7:1-Sieg über den Lübecker BC miterlebt.

Auch das vorerst letzte Punktspiel im diesem Stadion, fast einhundert Jahre danach, Ende Mai 2008, gewinnt Altona vor knapp 1000 Besuchern überlegen. Gegen den ASV Bergedorf 85 gibt es einen 9:0-Erfolg. Dazwischen liegen viele Spiele und Geschichten, die dieses Stadion zu einem bedeutenden und faszinierenden Ort machen.

Besonders ist auch, dass neben Altona 93 nur Alemannia Aachen auf dem Tivoli, der 2009 allerdings abgerissen wird, und die Stuttgarter Kickers im ehemaligen Waldau-Stadion über hundert Jahre lang in demselben Stadion gespielt haben.

Das im September erschienene Buch "Faszination Adolf-Jäger-Kampfbahn - Altona 93 und sein 100-jähriges Kultstadion" dokumentiert die Einzigartigkeit der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Über Jahre hinweg gaben sich hier die Großen des deutschen Fußballs wie Josef "Jupp" Posipal, Uwe Seeler, Günther Netzer, Gerd Müller oder Franz Beckenbauer die Ehre. Auch ausländische Stars, unter anderem Kevin Keegan mit Newcastle United, gastierten hier.

Die Geschichte des Stadions beginnt 1908. Damals pachtet Altona 93 eine Weide und fängt mit dem Bau eines neuen Stadions an. Am 30. August 1908 ist es soweit und die heutige Adolf-Jäger-Kampfbahn wird eröffnet. Was in der AFC-Historie 100 Jahre lang folgt, ist ein ständiger Wechsel zwischen großen Triumphen und enttäuschenden Niederlagen. Doch eines ist seitdem immer gleich geblieben: das Stadion. Dabei ist es vor allem die Haupttribüne, die trotz mehrerer Umbaumaßnahmen seit einem Jahrhundert unverändert steht. Zurzeit passen noch etwa 8000 Zuschauer hinein, vor über 50 Jahren waren es gegen den HSV einmal 27.000 Besucher.

Am 27. August 1944 wird das Stadion im Beisein von Adolf Jäger in "Adolf-Jäger-Kampfbahn" umbenannt. Jäger war der bis dato beste Spieler des Vereins, der sogar für die Nationalmannschaft auflief. Ununterbrochen spielt Altona 93 seitdem in diesem Stadion - bis zum Ende der vergangenen Saison. Um die strengen Auflagen des DFB für die neue Regionalliga Nord zu erfüllen, musste der Club für Heimspiele in das Stadion "Hoheluft" des SC Victoria Hamburg umziehen. Auch der Abriss der Adolf-Jäger-Kampfbahn steht nun zur Diskussion.

Tradition statt Moderne

Die Sportstätten älteren Typs, wie dieses Beispiel beweist, verschwinden und weichen moderneren Stadien und Multifunktionsarenen. Diese bieten zwar ein höheres Maß an Komfort und kommen gerade deswegen beim Publikum gut an, doch für viele Fans geht damit oft ein wichtiger Teil des Vereins verloren. Stadien gehören für sie genauso zum Fußball wie die Spiele; und die Erlebnisse und Erinnerungen sind es, die die Identifikation der Fans mit dem eigenen Club prägen.

Beim Spiel zwischen dem TSV 1860 München II und Jahn Regensburg im Mai dieses Jahres im Stadion an der Grünwalder Straße skandierten die Fans der Sechziger beispielsweise "raus aus der Arena!". Damit forderten sie den Auszug aus der Allianz-Arena und die Rückkehr ins alte Stadion.

Auch Uli Hoeneß, Manager des FC Bayern München, bekam auf der Jahreshauptversammlung im November des vergangenen Jahres den Unmut der Fans zu spüren. "Die Stimmung ist beschissen, Note 6, ein totales Trauerspiel", beschwerte sich Felix Redetzki vom Bayern-Fanclub "Red Sharks". Auf die Vorwürfe der Fans, in der Arena sei die Stimmung schlecht und es gäbe zu viele Logen, reagierte Hoeneß lautstark. "Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir", warf er ihnen damals vor.

In den immer moderneren Stadien gibt es luxuriösere Sitzplätze, Kapellen und sogar Einkaufszentren. So wird für viele das Spiel zur Nebensache und der Stadionbesuch zum Event. Die Veltins-Arena auf Schalke gilt als Musterbeispiel. Im Gegensatz zum klassischen Fußballstadion stellt sie eine reine Multifunktionsarena da. Mittlerweile finden dort genauso viele Konzerte und Veranstaltungen statt wie Fußballspiele des FC Schalke 04.

Dennoch oder gerade deswegen sind Stätten wie die Adolf-Jäger-Kampfbahn, auch ohne Millionen von Euro erbaut, faszinierend, denn hier lebt ein Stück Fußballgeschichte - und nur die.

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