Höhere Einnahmen Streit um längere Halbzeitpause

Der Vorschlag des DFB, die Halbzeitpause auf 20 Minuten auszudehnen, stößt bei den Bundesligatrainern vornehmlich auf Ablehung. Der Münchner Meistercoach Ottmar Hitzfeld hält die Idee für Unsinn. Ende Februar wird die Fifa über den Antrag der deutschen Funktionäre beraten.


Bierselige Fußballfans: "Fünf Minuten mehr machen keinen Unterschied"
DPA

Bierselige Fußballfans: "Fünf Minuten mehr machen keinen Unterschied"

Hamburg - "Das ist aus sportlicher und medizinischer Sicht ein schlechter Vorschlag, die Verletzungsgefahr würde ansteigen", sagte Hitzfeld am Donnerstag und sprach wörtlich von "Unsinn". Auch der Leverkusener Trainer Klaus Augenthaler ("Nichts ändern") und Schalkes Coach Jupp Heynckes können sich mit der Idee nicht anfreunden. "Ich bin dafür, dass alles so bleibt, wie es ist. Je länger eine Pause dauert, desto schlechter ist das für die Spieler", sagte Heynckes. Nationaltorhüter Oliver Kahn pflichtete dem Trainer des Revierclubs bei: "Man müsste sich dann ja wieder aufwärmen."

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der DFB bei der Fifa offiziell beantragt hatte, die Halbzeitpause von derzeit 15 auf bis zu 20 Minuten zu verlängern. Die Vereinschefs der Fußball-Bundesliga hatten im Liga-Vorstand die Idee von Werder Bremens Marketingchef Manfred Müller aufgegriffen und den DFB zum Vorstoß animimiert. Durch eine längere Pause erhoffen sich die Bundesliga-Clubs pro Saison etwa sechs Millionen Euro Mehreinnahmen aus dem Verkauf von Getränken und Speisen.

Zustimmung findet die Initiative bei den TV-Anstalten, da eine längere Halbzeitpause bei Live-Übertragungen mehr Werbegelder bringen würde. "Das ist für uns auf keinen Fall von Nachteil", sagte der stellvertretende ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Im Gegensatz zu den privaten Sendern würden die öffentlich-rechtlichen allerdings nur im Vorabend-Programm von einer Neuerung profitieren. Nach 20 Uhr sind Werbespots in ARD und ZDF verboten.

"Mehr Zeit für Besprechungen"

Nach Ansicht von Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf sind die finanziellen Argumente stichhaltiger als die sportlichen Bedenken: "Die fünf Minuten mehr machen keinen Unterschied. Wenn man damit wirtschaftlich etwas bewegen kann, ist das nicht so dramatisch." Für HSV-Coach Klaus Toppmöller wäre eine längere Halbzeitpause sogar im eigenen Interesse: "Dann haben wir mehr Zeit, einiges in der Kabine zu besprechen."

Fifa-Präsident Joseph Blatter gab bislang noch keine Stellungnahme zum deutschen Gesuch ab. Die Regelkommission des Weltverbandes wird am 28. und 29. Februar in London über den DFB-Antrag beraten und möglicherweise auch schon darüber abstimmen. Für eine Regeländerung wäre eine Dreiviertel-Mehrheit nötig.



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