Hoeneß bricht sein Schweigen "Matthäus wird bei uns nicht mal Greenkeeper"

Zwei Wochen lang hatte sich Uli Hoeneß eisern jedes öffentliche Wort verkniffen. Im Anschluss an die Partie gegen Dortmund brach der Bayern-Manager sein Schweigen und redete Klartext.

Hamburg - Am Sonntag war Bayern-Manager Uli Hoeneß zu Gast beim DSF-Fußballstammtisch "Doppelpass" und redete sich den Frust von der Seele. Nach den turbulenten Tagen in München gab es einiges zu erzählen.


Uli Hoeneß über
...Trainer Ottmar Hitzfeld:

Es hat viele Gespräche mit ihm gegeben, aber nicht über ihn. Er hat genau gewusst, wo er steht, und das ist für ihn wichtiger, als lapidare Sätze in der Öffentlichkeit.


... einen angeblich drohenden Rauswurf von Trainer Ottmar Hitzfeld nach einer Niederlage gegen Dortmund:
Das ist der größte Schwachsinn aller Zeiten. Wir wären ruhig geblieben. Wir hätten erst mal versucht, in die Winterpause zu kommen. Schnellschüsse wird es beim FC Bayern nicht geben. Wenn wir fünf, sechs Spiele verlören und in der Meisterschaft keine Chance mehr hätten, dann hätten wir uns natürlich Gedanken machen müssen.


... Themen bei internen Gesprächen mit Trainer Ottmar Hitzfeld:
Es kann nicht sein, dass ein Robert Kovac sechs Monate lang Weltklasse ist und jetzt ein Nervenbündel. Darüber reden wir.


... das Ausscheiden in der Champions League und verbleibende Saisonziele:
Wir haben ein Saisonziel nicht erreicht. In der Meisterschaft sind wir da, wo wir uns wohl fühlen. Es ist ganz klar, dass wir einen Titel brauchen, am besten die Meisterschaft, um die Saison erfolgreich abzuschließen.

... die Bedeutung des Meistertitels in dieser Saison:
Wir haben hohe Ansprüche, wir bauen ein Stadion, da müssen wir schon schauen, dass auch finanziell alles stimmt. Wenn wir nicht in die Champions League kommen, hätten wir sicher ein Problem. Dann würde sich auch die Trainerfrage stellen.


... Kritiker, in diesem Fall Lothar Matthäus:
Was der losgelassen hat, da hat man den Eindruck, der hat alles gewonnen und nie ein Spiel verloren. Der will ja, der wollte beim FC Bayern was werden. Aber so lange ich und der Kalle Rummenigge etwas zu sagen haben, wird der nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.


... die Schlagzeilen über Oliver Kahn:
Was da gelaufen ist, ist eine Sauerei. Hat der eigentlich eine Bank ausgeraubt oder hat er jemanden umgebracht? Was da alles läuft, ist unmenschlich. Da müssen sich die Verantwortlichen in den Medien mal Gedanken machen, wie weit die Gürtellinie sinken darf. Es ist teilweise schlimm, wie weit das Niveau gesunken ist, fast kriminell.


... das angeblich schlechte Klima zwischen ihm, Karl-Heinz Rummenigge und dem polternden Franz Beckenbauer:
Tatsache ist, dass bestimmte Unebenheiten da waren. Ich gebe zu, dass sich in den letzten Wochen und Monaten eine schlechte Stimmung eingenistet hat. Wir haben jetzt vier Stunden in lockerer Atmosphäre miteinander geredet. Diese offene Flanke ist jetzt geschlossen. Innerhalb des Clubs war zwischen uns nie ein Problem. Die Beziehung ist geprägt von hoher Achtung und Respekt. Was wir verbessern müssen, ist die Außendarstellung.


... das "weiße Ballett" und eigene Fehler:
Wir alle haben uns gedacht, vielleicht ist es ja wirklich so. Der Begriff "weißes Ballet"t hat mir sogar ganz gut gefallen. Wir alle haben gedacht, dass wir einen super Kader haben, dass wir international und national Erfolg haben werden. Das, was in der Champions League auf uns zukam, haben wir so nicht kommen sehen. Da haben wir alle Fehler gemacht.


... Personalentscheidungen:
Wir werden sicher noch ein, zwei Spieler für die neue Saison holen. Wenn wir das Gefühl haben, dass wir Bedarf haben, werden wir diesen Bedarf schon in der Winterpause decken.


Aufgezeichnet vom sid


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