Hoeneß contra Daum Der "Kaiser" besteht auf Friedensgipfel

Bei der Auseinandersetzung um den designierten Bundestrainer Christoph Daum hat sich nun auch Franz Beckenbauer eingeschaltet. Uli Hoeneß indes bleibt trotz Klage bei seinen Vorhaltungen und soll sogar in Daums Privatleben herumgeschnüffelt haben.


Versucht zu schlichten: Franz Beckenbauer
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Versucht zu schlichten: Franz Beckenbauer

Bad Hersfeld - Franz Beckenbauer hat ein schnelles Ende der Diskussion um Christoph Daum gefordert. Als ersten Schritt dazu plädiert der Vizepräsident des DFB und Präsident von Bayern München für einen "Friedensgipfel", um den Schaden für den deutschen Fußball zu begrenzen. "Die Beteiligten sollten sich aussprechen", sagte Beckenbauer bei einem Treffen der Ehrenspielführer und Ex-Nationalspieler in Bad Hersfeld. "Man sollte die Diskussion um Christoph Daum so schnell wie möglich einstellen", zitierte die Zeitung "Die Welt" Beckenbauer.

Der künftige Bundestrainer Christoph Daum machte deutlich, dass er trotz der Image zerstörenden Attacken von Bayern-Manager Uli Hoeneß, der den Trainer des Bundesligisten Bayer Leverkusen in den Dunstkreis von Drogenmissbrauch und dunklem Lebenswandel gestellt hatte, nicht zurückweichen will. "Leverkusen verlassen, den DFB-Job hinschmeißen, Deutschland den Rücken kehren - nicht eine Sekunde habe ich daran gedacht. Warum auch, die Vorwürfe sind unbegründet. Ich werde Bundestrainer", betonte der 46-Jährige in der "Bild"-Zeitung.

Uli Hoeneß, der derzeit im spanischen Marbella einen Golfurlaub eingelegt hat, beharrt indes auf seinem Standpunkt. "Ich falle keinen Millimeter um. Es geht hier um Zivilcourage oder Scheinheiligkeit. Im Fall Ribbeck habe ich die Scheinheiligkeit mitgemacht. Diesmal nicht. Für das, was ich da gesagt habe, sehe ich keinen Anlass für eine Verleumdungsklage", erklärte Hoeneß gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Trotz der Strafanzeige von Daum bleibt der Manager bei seiner Aussage, wonach ein Bundestrainer Gerüchte um Drogenmissbrauch nicht unwidersprochen stehen lassen dürfe. "Das würde ich auch vor Gericht aussagen: Ein Trainer, über den so was verbreitet wird, und der das nicht widerruft, kann keinen Vertrag beim DFB erhalten", so Hoeneß.

Warum der Auslöser der Schlammschlacht so um sich schlägt, ist für Außenstehende schwer nachzuvollziehen. Der Kölner "Express" berichtet sogar von einem Detektiv, den Hoeneß an die Fersen Daums geheftet haben soll. Auch zu einem bekannten und befreundeten Leibwächter aus der Promi-Szene soll der Manager von Bayern München Kontakt aufgenommen haben. Dazu erklärte Bayern-Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge in "Bild": "Stimmt nicht. Mit solchen Methoden wird bei uns nicht gearbeitet."

Christoph Daum: Wembley-Reise abgesagt
REUTERS

Christoph Daum: Wembley-Reise abgesagt

Unterdessen fliegt Daum wegen der diffamierenden Äußerungen von Hoeneß nicht wie geplant am Samstag zum Klassiker England-Deutschland im Rahmen der WM-Qualifikation nach London. "Das habe ich jetzt abgesagt, leider. Dabei hätte ich so gerne Abschied von Wembley genommen. Aber wenn ich da auftauche, dann gibt es noch mehr Unruhe", erklärte Daum. Das altehrwürdige Wembley-Stadion wird nach dem Schlager zwischen den beiden Ex-Weltmeistern abgerissen.



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