Hoeneß vs. van Gaal Theaterdonner im Bayernstadl

Mit einem Sieg in Cluj könnte der FC Bayern einen neuen Vereinsrekord aufstellen. Doch fast niemand spricht über das bevorstehende Champions-League-Spiel. Einziges Thema in München ist die Hoeneß-Kritik an Trainer van Gaal - auch wenn der Präsident nun zurückrudert. Zumindest ein bisschen.

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Hamburg - Der FC Bayern hat es wieder einmal geschafft, dass alle über ihn reden. Dass der Deutsche Rekordmeister am Mittwochabend ein Champions-League-Spiel beim rumänischen Vertreter in Cluj (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) bestreitet, ist zur Nebensache geworden. Die vermeintliche Trainerschelte von Präsident Uli Hoeneß gegen Coach Louis van Gaal ist stattdessen der Aufreger der Woche - und jede Äußerung der Beteiligten wird auf die Goldwaage gelegt. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat sich nun mit einem lapidaren Satz zu Wort gemeldet: "Wichtig ist, dass wir miteinander und nicht übereinander sprechen." Für den Sport-Informations-Dienst Anlass genug, um zu titeln: "Rummenigge rüffelt Hoeneß für Kritik an van Gaal."

Zu den Inhalten der Attacke des Präsidenten wollte sich Rummenigge nicht äußern, er bestätigte aber, dass er bereits einzeln mit Hoeneß und van Gaal gesprochen habe, und kündigte ein baldiges Schlichtungsgespräch an. "Wir wollen das nicht aussitzen, sondern Dinge ansprechen und haben uns zeitnah verabredet", sagte Rummenigge.

Hoeneß hat seine Äußerungen im TV-Sender "Sky" derweil als geplant bezeichnet und eingeräumt, dass es sich um einen Alleingang gehandelt habe. "Im Bauch war ich schon lange vorbereitet, das ist in fünf Monaten in mir entstanden", sagte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung". Weder Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge noch Sportdirektor Christian Nerlinger waren nach Hoeneß' Darstellung eingeweiht. "Das ist mir auch wurscht, ich habe eine Position im Verein, wo ich mir das erlauben kann", sagte er. Der Bayern-Präsident bezeichnete die Vorwürfe an van Gaal als "private Meinung", die er sich erlauben dürfe.

Beckenbauer befürchtet keinen Bruch

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Hoeneß-Sprüche: "Puderzucker in den Hintern"
Kein Bayern-Streit ohne ein Wort des Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer: "Uli Hoeneß will aufrütteln und ein bisschen Feuer in den Laden bringen", sagte Beckenbauer der "Bild". "So gut waren die Spiele in den letzten Wochen nicht. Bevor sich alle gegenseitig auf die Schultern klopfen vor Begeisterung, geht der Uli dazwischen." Einen Bruch zwischen van Gaal und dem FC Bayern befürchtet Beckenbauer allerdings nicht: "Uli Hoeneß ist als Präsident ohnehin nicht mehr der direkte Ansprechpartner für den Trainer, das ist jetzt Nerlinger."

Hoeneß hatte van Gaal am Sonntagabend überraschend attackiert. Der Trainer habe Spieler wie Mario Gomez, Anatolij Timoschtschuk und Martin Demichelis "permanent falsch eingeschätzt". Zudem sei es schwer, mit van Gaal zu reden, "weil er die Meinung anderer Leute nicht akzeptiert". "Ein Fußball-Verein heutzutage darf keine One-Man-Show mehr sein", kritisierte Hoeneß.

Bayern könnte Startrekord aufstellen

Van Gaal selbst hat sich bisher in der Angelegenheit überhaupt noch nicht zu Wort gemeldet. Allerdings tritt er am Nachmittag bei der obligatorischen Pressekonferenz im Zuge des Champions-League-Spiels vor Medienvertreter.

Mit einem Sieg in Cluj würde der FC Bayern seinen vierten Erfolg im vierten Vorrundenspiel klar machen. Das hat der Verein bislang noch nie geschafft. Überhaupt haben erst vier Teams alle sechs Vorrundenspiele in der Champions League gewinnen können. Eines davon war der FC Barcelona 2002 - mit dem damaligen Trainer Louis van Gaal.

aha/sid/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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patrick_0911 02.11.2010
1. Van Mal!
Wer die Geschichte von Herren van Gaal im anderen FCB (FC Barcelona) kennt, der weiss, dass Uli Hoeness nicht unbedingt falsch liegt mit seiner Meinung. Louis Van Gaal hat schon dort nach einer sehr guten Saison eine katastrophale hingelegt, weil man die Rotation übertrieben hat, und einige Staars halt auch Menschen mit Hirn sind, die sich nicht wie beim Militär nur befehlen lassen. Louis van Gaal währe gut beraten einen Mittelweg zu gehen und nicht die beleidigte Leberwurst zu spielen.
jgb 02.11.2010
2. Bekannt
Hoeneß ist doch für seine drastischen und undiplomatischen Worte bekannt. Das ist etwas was man an ihm schätzen sollte.
un-Diplomat 02.11.2010
3. undiplomatisch?
Zitat von jgbHoeneß ist doch für seine drastischen und undiplomatischen Worte bekannt. Das ist etwas was man an ihm schätzen sollte.
Man sollte ihn schon schätzen. Aber undiplomatisch war das keinesfalls - so etwas bleibt nun erst mal mir vorbehalten. In der Sache hat er dem Trainer keine Reputation abgesprochen, wohl aber sein Verhalten (Arroganz, Alleinvertretungsanspruch, Sturheit und speziell falschen Umgang mit einigen (!!) Spielern zu Recht kritisiert. Und er weiß, dass der Trainer darauf reagieren wird und muss, ohne dass gleich sein Stuhl wackelt. Jeder kann noch dazu lernen. Der Mannschaft kann das nur gut bekommen.
Mitten in Bayern, 02.11.2010
4. Hoeness hat recht
Ich bin der Meinung, dass Hoeness recht hat. Sicher, er muss ja seine Personalpolitik irgendwo auch rechtfertigen, hat doch auch er schon nicht wenige Fehleinkäufe oder Einkäufe ohne Konzept (allenfalls Konkurrenz schwächen) auf dem Gewissen. Aber es war schon so gegen Freiburg... da sind die "Versager" diejenigen, die v.Gaal das Spiel gerettet haben. Grund genug, mal in sich zu gehn, aber das ist von ihm zuviel erwartet.
Der Terrier 02.11.2010
5. Bereinigendes Gewitter
Führt man sich mal vor Augen, welche Ergebnisse in der Liga vorliegen, u. a. das 0:0 gegen Köln, und das 1:2 gegen Mainz, dazu jeweils relativ glanzlos 2:0 in Lautern und beim BVB verloren, dann wundere ich mich über zweierlei: 1. der Zeitpunkt der Vertragsverlängerung mit van Gaal 2. das Uli Hoeneß nicht eher der Kragen platzte Aber ich habe mich auch über die Verkäufe von Luzio, Elber und Ze Roberto gewundert, wie auch über den Einkauf von Gomez! Aber ich bin ja nur ein kleiner Stadionbesucher :-) Trotzdem wünsche ich der Mannschaft Glück!
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