Hoffenheim spielt trotz Vukcevic-Unfall "Boris hätte gewollt, dass wir spielen"

Es war ein emotionaler Ausnahmezustand, unter dem die Partie der Hoffenheimer gegen Augsburg stattfand. Die 1899-Profis waren mit ihren Gedanken bei ihrem verunglückten Mitspieler Boris Vukcevic, der im Krankenhaus um sein Leben kämpft. Das torlose Remis geriet zur Nebensache.

Hoffenheimer Spieler, Fans: "Kämpfen, Boris"
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Hoffenheimer Spieler, Fans: "Kämpfen, Boris"


Hamburg - Trainer Markus Babbel sagte vor dem Bundesliga-Spiel gegen Augsburg nur zwei Worte zu den Spielern von 1899 Hoffenheim: "Für Boris!" Der 1899-Mittelfeldspieler Boris Vukcevic kämpft nach einem Autounfall im Krankenhaus um sein Leben. Das 0:0 der beiden Teams geriet deshalb nur zur Nebensache.

"Es war sehr schwer. Man versucht natürlich, sich auf das Spiel zu konzentrieren, aber letztendlich war es natürlich im Hinterkopf", sagte 1899-Kapitän Marvin Compper nach der Partie und Coach Babbel fügte hinzu: "Für uns war es kein normales Spiel. Es war heute nicht einfach für die Mannschaft bei diesem Ballast, den sie mitschleppte."

Nach dem Abpfiff streiften die Hoffenheimer Spieler Trikots mit der Nummer sieben über - der Rückennummer von Vukcevic. Minutenlang riefen die Fans seinen Namen. Die Augsburger Spieler hatten sich in weißen T-Shirts mit der Aufschrift "Gute Besserung, Boris" warmgelaufen, im Hoffenheimer Fanblock hingen Plakate auf denen "Alles für Boris", "Halte durch!!!" und "Kämpfen, Boris" stand. Auch ein großes Foto des Offensivspielers war zu sehen.

Dreieinhalb Stunden vor dem Anpfiff hatten Manager Andreas Müller und Clubsprecher Holger Tromp mitgeteilt, das Spiel werde auch auf Wunsch von Vukcevics Eltern und der Kollegen nicht abgesagt. Der Zustand des 22-Jährigen nach seinem Autounfall ist "unverändert kritisch. Stabil kann man nicht wirklich sagen", sagte Tromp. Teampsychologe Jan Mayer war vor der Begegnung bei der Mannschaft.

Diabetes-Erkrankung als Unfall-Ursache?

Nach der Notoperation von Vukcevic am Freitagabend sei "wohl eine gewisse Stabilität eingetreten", sagte Tromp, betonte aber auch: "Es gibt keine Prognose." Vukcevic war auf dem Weg zum Training mit seinem Auto frontal mit einem Lastwagen zusammengeprallt. Der Offensivspieler wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen, wo ihn die Ärzte nach einer Notoperation in ein künstliches Koma versetzten.

"Bei der Mannschaft ist eine Einstellung entstanden, in der wir in den Mittelpunkt die Hoffnung gestellt haben: dass wir heute hier spielen, für Boris spielen, für ihn kämpfen", sagte Manager Müller. Auch die Eltern von Vukcevic hätten gesagt: "Ja, spielt, kämpft für ihn." Müller sagte weiter: "Der Boris hätte gewollt, dass wir spielen. Das ist die schwerste Situation, die die Mannschaft jemals hatte."

Die Polizei sucht indes nach den Ursachen des schweren Autounfalls. "Der Unfallhergang ist nach wie vor unklar", sagte Norbert Schätzle, Sprecher der Heidelberger Polizei. Nach seinen Angaben wurden beide Fahrzeuge beschlagnahmt, die Sachverständigen-Untersuchungen könnten jedoch "ein paar Wochen" dauern. Vukcevic sei auf nahezu gerader Strecke auf die Gegenfahrbahn gekommen. Der 22-Jährige ist Diabetes-Patient, auch in diese Richtung werde ermittelt.

Die Hoffenheim-Profis haben nun eine zweitägige Auszeit. Das nächste Training ist erst für Dienstag angesetzt. Am Sonntagvormittag wird die Teamleitung mit dem Mannschaftspsychologen Mayer besprechen, wie der weitere Umgang mit den Spielern geregelt werden soll.

bka/dpa

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