Hoffenheim-Sponsor Hopp "Deutscher Fußball ist ins Hintertreffen geraten"

Für Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp haben staatliche Hilfsgelder in der Fußball-Bundesliga nichts verloren. Im Interview mit dem Magazin "SPONSORS" spricht der 69-Jährige über den Einfluss ausländischer Investoren, Trikotwerbung und die Konkurrenz zum FC Bayern München.

Hoffenheim-Geldgeber Hopp: "Im Fußball verhalten wir uns innovationsfeindlich"
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Hoffenheim-Geldgeber Hopp: "Im Fußball verhalten wir uns innovationsfeindlich"


Frage: Herr Hopp, welche Auswirkungen hat die Wirtschaftskrise Ihrer Meinung nach auf die deutsche Sportbranche?

Hopp: Die Krise ist noch nicht vorüber, und es wird dauern, bis sich wieder ein nachhaltiges Wachstum einstellt. Davon sind im Sport Top-Clubs wie Bayern München aktuell sicher weniger betroffen als andere Vereine, das zeigen ja die jüngsten Millionen-Deals mit Audi und der Telekom. Aber auch bei 1899 Hoffenheim gab es keine negativen Auswirkungen, keiner unserer wichtigen Sponsoren ist so angeschlagen, dass er über einen vorzeitigen Ausstieg nachdenkt.

Frage: Sie sprechen die jüngsten Vermarktungserfolge des FC Bayern München an. Der Rekordmeister wird für hohe Investitionen in sein Team gelobt, Hoffenheim wird dafür kritisiert.

Hopp: Es gibt Leute, die der Meinung sind, nur Traditionsvereine dürften Geld investieren. Das ist eine Denkweise, die überhaupt nicht in die heutige Zeit passt. Wenn in der Wirtschaft so agiert würde, könnten wir auch gleich wieder in die Steinzeit zurückgehen. Aber es ist nun einmal so, dass wir uns in Deutschland bei bestimmten Themen eher innovationsfeindlich verhalten, und dazu gehört ganz klar auch der Fußball. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass manche Vereine glauben, über andere richten zu dürfen, und in ihrem eigenen Verein nicht mal das Tagesgeschäft im Griff haben.

Frage: Schalke 04 hat aktuell große finanzielle Schwierigkeiten, Borussia Dortmund ging es vor einigen Jahren ähnlich. Ist es das Problem einiger Traditionsvereine, dass sie nicht wirtschaften können?

Hopp: Der wirtschaftliche Erfolg hängt immer von den handelnden Personen ab, ob sie nun Tradition haben oder nicht. Wenn Leute am Steuer sind, die nicht mit Geld umgehen können, geht es zwangsläufig schief. Ohne Namen zu nennen: Wenn ich sehe, dass ein Club Zuschauereinnahmen der Zukunft verkauft, ohne eine außergewöhnliche Rendite dafür zu erhalten, dann kann man sich an einer Hand abzählen, dass man früher oder später in Not gerät.

Frage: Der Rat der Stadt Gelsenkirchen hat zuletzt entschieden, dass sich die städtische Gesellschaft für Energie und Wirtschaft an der Stadiongesellschaft der Arena Auf Schalke beteiligt. Wie sehen Sie es, dass nun der Steuerzahler mithilft, Schalke 04 zu retten?

Hopp: Meine Meinung ist ganz klar: Steuergelder müssen anders verwendet werden. Der Staat hat wichtigere Aufgaben, als klammen Fußballvereinen zu helfen. Er muss sein Geld so anlegen, dass er etwas zurückbekommt: etwa durch Investitionen in die Bildung oder in die Jugend.

Frage: Der BVB war der erste börsennotierte Verein Deutschlands. Was halten Sie von diesem Schritt?

Hopp: Einen Börsengang als Finanzierungsinstrument bei einem Fußballclub sehe ich nicht als geeignet an. Der Fußball birgt so viele Emotionen, dass Leute verführt werden, Geld auszugeben für etwas, was völlig unkontrollierbar ist. Dortmund hat damals 49,9 Prozent abgegeben und zählt zu den Vorreitern fremder Beteiligungen. Die Verantwortlichen haben es aber nicht geschafft, das Kapital langfristig zu investieren. Ich denke, dass der Dortmunder Misserfolg nach dem Börsengang mögliche Nachahmer abgeschreckt hat.

Frage: Um der Liga und deren Clubs Geld von außen zuzuführen, ist die Öffnung für externe Investoren ein viel diskutiertes Thema. Zuletzt wurde aber eine Aufweichung der 50+1-Regel, wie sie Hannovers Präsident Kind will, fast einstimmig abgelehnt. Ist die Regel gut für die Bundesliga?

Hopp: Ich persönlich habe kein Problem damit, nur 49,9 Prozent am Verein zu halten. Und das nicht etwa, weil wir hier gegen geltende Regeln verstoßen, wie manche behaupten. Grund ist vielmehr meine persönliche Bindung und meine Herkunft. Kind wird allerdings irgendwann Recht bekommen, wenn er nach Brüssel vor das EU-Gericht zieht. Die bisherige Regel ist auf Dauer wohl nicht haltbar.

Frage: Muss sich denn die Bundesliga überhaupt für finanzstarke Investoren öffnen, um in Europa dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein?

Hopp: Es ist sicher kein Zufall, dass der deutsche Fußball ins sportliche Hintertreffen geraten ist. Und wenn ich Bedenken höre, dass bei einer Abschaffung von 50+1 Investoren in Korea beim Tee sitzen würden und bestimmen, wie die Bundesliga läuft, kann ich nur den Kopf schütteln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Investoren die Bundesliga überschwemmen würden. Englische Verhältnisse sehe ich nicht.

Frage: Was sagen Sie zu dem Einstieg von Audi beim FC Bayern und damit einer Mehrfachbeteiligung?

Hopp: Ich freue mich für die Bayern. Ich muss den Kritikern widersprechen, die sogar davon sprechen, dass die Bundesliga zu einer VW-Betriebsmeisterschaft werden könnte. Das ist völlig abwegig.

Frage: Warum haben Sie nicht erwogen, das Unternehmen SAP noch stärker in Ihr Fußballprojekt Hoffenheim mit einzubeziehen?

Hopp: Die SAP hat aktuell bereits eine Loge und Bandenwerbung in der Rhein-Neckar-Arena und engagiert sich schon seit 1999 als Sponsor in Hoffenheim. Darüber hinaus tritt die Firma als einer der fünf Partner der Arena in Sinsheim auf. Ein Trikotsponsoring habe ich nie gewollt. Da SAP schon als Namensgeber der Multifunktionsarena in Mannheim fungiert, will ich mir nicht vorwerfen lassen, dass ich meine Position als Großaktionär ausnutze, um wichtige Sponsoring-Deals an Land zu ziehen.

Die Fragen stellte Florian Oediger



insgesamt 97 Beiträge
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Schwabenpower 02.12.2009
1.
Zitat von sysopMit den finanziellen Möglichkeiten im englischen Fußball kann die Bundesliga nicht mithalten. Sollte die Liga sich daher fremden Investoren öffnen? Soll die 50+1-Regel fallen?
Sie muss und sie wird fallen. Sportlich wünschenswert. Die Liga braucht Investoren, ob fremd oder eigen, ist vollkommen egal.
Tail on the Donkey 02.12.2009
2.
Nein.
Polar, 02.12.2009
3.
Es sollte mich wundern, wenn die 50+1 Regel einer gerichtlichen Überprüfung stand hielte. Ich bin nur mal gespannt, wer dann als Investor bei welchem Verein (bzw. welcher angehängter Kapitalgesellschaft) auftreten will und wird, denn die Investoren (und nicht Mäzene und Sponsoren!) von denen ich bis heute gehört oder gelesen habe, wollten Rendite. Über höhere Pay-TV Einnahmen? Sky Deutschland wird über Jahre an Murdochs Tropf hängen. Höhere Eintrittspreise? Noch höhere Eintrittspreise? Die Bundesliga macht doch heute schon einen riesigen (und unglaubwürdigen) Spagath zwischen zahlendem Klatschvieh, Eventfans, "normalen" Stehplatzbesuchern und Ultragruppierungen, die ja aus ihrer Geschichte und Absicht heraus die Kommerzialiserung ablehnen. Will man die wirklich alle noch im Stadion haben (insbesondere die Ultras, die für Choreo und Folklore sorgen, sind ja nun alles andere als die Cash-Cow)? Und der Erfolg des Ganzen? Hin und wieder ein deutscher CL-Gewinner? Eine bessere N11? Naja... 50+1 wird fallen - und ich bin froh, dass ich mir dann keinen neuen Verein in den unteren Ligen angewöhnen muss. Weil es den schon gibt. Und der einen Reiz auf Investoren ausübt wie Angie auf pubertierende Jünglinge. Spochtliche Grüße Polar
Emperor_Norton, 02.12.2009
4.
Dass die englischen Klubs im finanziellen Bereich "mehr Möglichkeiten" haben, liegt weniger an den Investoren als an den höheren TV-Einnahmen. Es gibt mehr Leute auf der Insel, die für Sport im Fernsehen mehr Geld ausgeben als hierzulande. Und diese Fernseheinnahmen sind oft erst der Grund, warum ausländische Investoren einen englischen Klub übernehmen. Würde die 50+1 Regel fallen, würde sich sportlich nicht viel in der Bundesliga ändern.
Emperor_Norton, 02.12.2009
5.
"Ich bin nur mal gespannt, wer dann als Investor bei welchem Verein (bzw. welcher angehängter Kapitalgesellschaft) auftreten will und wird, denn die Investoren (und nicht Mäzene und Sponsoren!) von denen ich bis heute gehört oder gelesen habe, wollten Rendite. Über höhere Pay-TV Einnahmen? Sky Deutschland wird über Jahre an Murdochs Tropf hängen. Höhere Eintrittspreise? Noch höhere Eintrittspreise?" Polar, ich denke das ist der springende Punkt. Ich sehe bei den Bundesligisten keine Möglichkeit die Einnahmen bei den Klubs wesentlich zu erhöhen. Der Pay TV Markt sieht im Augenblick schlecht aus und die Investoren haben darauf auch keinen Einfluss. Die Sponsoreneinnahmen sind in Deutschland bereits sehr hoch und ich glaube nicht, dass die Zuschauer in den Stadien bereit wären höhere Eintrittspreise zu zahlen. In anderen Worten: es bestünde kein Anreiz groß in die Mannschaft zu investieren. Das wahrscheinlichste Szenario wären Eigentümer wie wir sie bereits in der DEL haben. Die erste Generation von Eigentümern könnte womöglich dadurch Gewinne erzielen, dass sie einen Verein unter Wert erwerben und dann später mit einem Gewinn verkaufen. Aber größere Investitionen, die sich sportlich niederschlagen halte ich wegen der oben genannten Gründe für sehr unwahrscheinlich. Das Problem ist, dass man hierzulande glaubt, dass die 50+1 Regel verhindert, dass die Scheichs und Abramowitschs dieser Welt einen Klub kaufen können. Aber für diese Leute werden auch nach Wegfall nicht nach Deutschland kommen - und sie interessieren sich ja auch nicht für spanische oder italienische Vereine...
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