Hoffenheimer Pfeifton-Affäre BVB-Trainer Klopp fordert Entschuldigung und Strafe

Die Hoffenheimer Pfeifton-Affäre geht in die nächste Runde: Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fordert Sanktionen - und eine ehrliche Entschuldigung. Bei der TSG ist die Stimmung gereizt. Dietmar Hopp ist weiter uneinsichtig und Trainer Holger Stanislawski nur noch genervt.
Dortmund-Coach Klopp: "Hoffe auf angemessene Sanktionierung"

Dortmund-Coach Klopp: "Hoffe auf angemessene Sanktionierung"

Foto: Stuart Franklin/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Dortmunds Trainer Jürgen Klopp stellt sich nach der Pfeifton-Attacke in Hoffenheim wie erwartet hinter die BVB-Anhänger. "Ich hoffe, dass die Angelegenheit angemessen sanktioniert wird. Außerdem sollte es eine Entschuldigung wert sein. Ich habe viel gelesen, aber eine klassische Entschuldigung war nicht dabei", sagte Klopp.

Am Samstag waren beim Gast-Spiel des BVB in Hoffenheim (0:1) Schmährufe der Dortmunder Fans gegen 1899-Klubboss Dietmar Hopp mit einem lauten Akustik-Signal übertönt worden. Daraufhin hatten mehrere Anhänger Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei gestellt. "Wir haben es auf der Bank gehört, wussten aber nicht, was es ist. Wenn wir es hören, muss es relativ laut gewesen sein", sagte Klopp.

Zudem kritisierte der BVB-Coach, wie die Hoffenheimer mit der Aktion umgehen, auch wenn er mit den Gesängen gegen Dietmar Hopp selbst wenig anfangen kann. "In gewissem Maße muss man das im Fußball aber akzeptieren, dass es passieren kann. Herr Hopp war nicht der erste, der darunter zu leiden hatte. Wenn aber die anderen Dinge (Beschallung gegnerischer Fans, Anm. d. Red.) Einzug halten, dann haben wir ein grundlegendes Problem", sagte Klopp.

Fotostrecke

Lärm in Hoffenheim: Der Krachmacher aus den Katakomben

Foto: dapd

Unterdessen hat BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betont, dass er sich keineswegs bei Dietmar Hopp entschuldigt habe. "Es gab Gegensätze, die ich des Öfteren auch überspitzt ausgeführt habe. Da war aber nie eine Beleidigung dabei, wofür ich mich entschuldigen müsste. Wenn sich jemand bemüßigt gefühlt hat, deshalb Herrn Hopp auf übelste Weise zu beschimpfen, kann ich nichts dafür. Aber es tut mir leid, dass es passiert ist", sagte der BVB-Boss.

Watzke bezweifelt Einzeltäter-Theorie

Er bezweilt zudem, dass lediglich ein Täter für die Aktion zuständig gewesen sei. "So klein war die Kiste ja auch nicht. Aber wenn man das so sagt, habe ich erstmal keine Veranlassung, das so nicht zu glauben. Es sei denn, man kriegt neue Erkenntnisse", sagte er weiter. Daher sei die "Sache insofern abgehakt, als dass sich der DFB-Kontrollausschuss damit befasst. Und die sind ja objektiver."

Mäzen Hopp hatte sich nach der Aktion hinter den Hoffenheimer Mitarbeiter gestellt, der diese Apparatur im gegnerischen Fanblock installiert hatte. "Diese Leute sollten mal darüber nachdenken, wie es ist, vor 30.000 im Stadion und Millionen Fernsehzuschauern als 'Sohn einer Hure' beschimpft zu werden", sagte Hopp im Interview mit der "Rhein-Neckar-Zeitung" in Richtung BVB-Fans. Sollte Hopp damit zum Ausdruck bringen wollen, dass die Dortmunder Fans selbst Schuld an der Beschallung gehabt hätten, sei das laut Klopp eine "exklusive Sichtweise".

TSG-Manager Ernst Tanner sagte: "Wir haben offensichtlich gegen Statuten verstoßen. Deshalb ist es denkbar, dass wir eine Geldstrafe kriegen. Das wäre das vernünftige Maß", sagte Tanner. Der Club bekräftigte am Donnerstag noch einmal, dass weder Geschäftsführung, Präsidium noch Hopp in der sogenannten Schall-Attacke gegen die Borussen-Anhänger involviert gewesen seien. Tanner sprach von einem "Imageschaden" und äußerte sich "irritiert" über die Diskussion in der Öffentlichkeit, die seiner Meinung nach "in die völlig falsche Richtung" gelaufen sei.

Nur noch genervt ist hingegen Hoffenheim-Coach Holger Stanislawski, der am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit seiner Mannschaft beim FC Augsburg antreten muss. "Ich finde es wirklich nicht witzig. Es zeigt ganz klar, dass die negative Schlagzeile die positive Schlagzeile schlägt. Es wurde vier Tage lang kein Wort über Fußball gesprochen", sagte Stanislawski. Der Trainer war vor der Saison vom FC St. Pauli gekommen, auch um im Kraichgau in Ruhe arbeiten zu können. Eine Vorstellung, die nur wenigen Wochen gehalten hat.

leh/dapd/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.