Holland - Tschechien "Oranje" duselt sich zum Sieg

Mit Ach und Krach ist die holländische Nationalmannschaft in die EM gestartet. Gegen eine grandios aufspielende tschechische Mannschaft reichte es nur zu einem schmeichelhaften 1:0-Sieg.


Wenn der Tscheche abhebt: Hollands Patrick Kluivert wundert sich über die Flugkünste seines Gegenspielers Tomas Repka
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Wenn der Tscheche abhebt: Hollands Patrick Kluivert wundert sich über die Flugkünste seines Gegenspielers Tomas Repka

Amsterdam - Topfavorit Niederlande hat bei der Euro 2000 im eigenen Land quasi in letzter Minute eine Pleite gegen Tschechien verhindert. Durch einen verwandelten Foulelfmeter von Kapitän Frank de Boer in der 89. Minute - Jiri Nemec hatte dessen Bruder Ronald im Strafraum am Trikot gezogen - gewannen die Gastgeber äußerst glücklich mit 1:0 (0:0). Zum allem Überfluss kassierte Nemecs Schalker Klubkollege Radoslav Latal, der sich bereits auf der Auswechselbank befand, offenbar wegen Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte durch den italienischen Referee Pierluigi Collina.

Die Mannschaft von Bondscoach Frank Rijkaard kam mit der Last, das nur der Titel im eigenen Land zählt, vor allem in der zweiten Halbzeit in kaum einer Phase zurecht, so dass 50.000 Zuschauer trotz des Sieges keineswegs euphorisch die AmsterdamArena verließen.

Auf Grund des starken Auftritts in der zweiten Halbzeit hatten die Tschechen in der "Höhle des Löwen" sogar den Sieg verdient. Denn Pavel Nedved in 58. und der 2,02-m-Riese Jan Koller in der 64. Minute trafen jeweils nur das Aluminium des holländischen Tores. Überragenden Mann auf dem Platz in einem Spiel mit hohem Unterhaltungswert war der für Lazio Rom spielende Nedved.

Die mit elf Legionären angetretenen Holländer - davon fünf vom FC Barcelona - hatten in der ersten Halbzeit ein optisches Übergewicht und waren laut Statistik zu 64 Prozent in Ballbesitz. Doch das Team spielte ohne Dynamik, übertrieb das Kurzpass-Spiel und setzte keinerlei Impulse im Mittelfeld. So waren Chancen gegen die zunächst defensiv eingestellten Tschechen Mangelware.

Doch das änderte sich nach dem Wechsel. Denn die Mannschaft von Trainer Jozef Chovanec wurde von Minute zu Minute frecher, übernahm das Kommando und die 5.000 mitgereisten Schlachtenbummler feuerten ihre Mannschaft an. Sie steigerte sich und war plötzlich dominierend gegen die Holländer, die mehr und mehr ihre Linie verloren und allen Mannschaftsteilen Schwächen aufwiesen.

Der kleine Edgar Davids war zumindest vor der Pause ein Lichtblick, auch Boudewijn Zenden hatte gute Szenen. Aber von Superstars wie Dennis Bergkamp oder Clarence Seedorf war nicht viel zu sehen. Torjäger Patrick Kluivert hatte in der 13. und 17. Minute gute Chancen, aber er konnte sich kaum in Szene setzen, weil nicht in Schussposition gebracht werden konnte.



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