Hollands WM-Aus Oranje trauert und zankt

Ein Land trägt schwarz: Mit großen Ambitionen ist die niederländische Nationalelf zur WM gereist. Nach der Niederlage gegen Portugal ist die Enttäuschung groß. Der ausgebootete Torjäger van Nistelrooy kritisiert seinen Trainer, der jedoch kennt andere Gründe für das Aus.


Hamburg - Das hatten sich die Niederländer ganz anders vorgestellt. Nach der glanzvollen WM-Qualifikation ohne Niederlage galt die Elf von Bondscoach Marco van Basten als Titelaspirant. Bei der WM kamen die "Oranjes" dann allerdings nicht richtig in Tritt. Nach knappen Siegen gegen Serbien und Montenegro (1:0) sowie die Elfenbeinküste (2:1) und einem torlosen Unentschieden gegen Gruppensieger Argentinien qualifizierten sie sich wenig überzeugend für die K.o.-Runde. Doch bereits im Achtelfinale kam gestern nach einem 0:1 gegen Portugal das Aus.

Torhüter van der Sar: Tränen nach dem Rekord
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Torhüter van der Sar: Tränen nach dem Rekord

"Das ist ein unglaubliches Scheiß-Gefühl", sagte der frustrierte Angreifer Robin van Persie. Deutlich nüchternder analysierte sein Trainer das Ausscheiden. "Wir müssen versuchen, damit umzugehen. Das ist Teil dieses Sports", so der 41-Jährige, der gestern erst die zweite Niederlage als Nationalcoach hinnehmen musste. "Es mag bitter klingen, aber es muss gesagt werden: Der erste Auftrag van Bastens auf höchster Ebene hat nur ein mageres Ergebnis gebracht", war in der Zeitung "Trouw" zu lesen.

Dementsprechend enttäuscht waren die Spieler nach der hart geführten Begegnung, in der auf beiden Seiten zwei Akteure vom Platz gestellt worden waren. Viele sanken nach dem Schlusspfiff des überforderten Schiedsrichter Walentin Iwanow frustriert zu Boden. Torwart Edwin van der Sar, der gestern mit seinem 113. Länderspiel die Rekordmarke von Frank de Boer überboten hatte, brach in Tränen aus. Ob der 35-jährige Kapitän weiterhin das Tor des nach der Europameisterschaft 2004 stark verjüngten Teams hüten wird ist fraglich.

Van Nistelrooy kritisiert den Trainer

Van Basten will sich durch den Rückschlag nicht vom Kurs abbringen lassen. "Wir haben einen Weg mit vielen neuen Spielern eingeschlagen. Das Team war bereits gewachsen und wird es auch weiter tun", so der Coach, der bei der WM auf gestandene Spieler wie Clarence Seedorf, Edgar Davids oder Patrick Kluivert verzichtete. Während bei anderen ausgeschiedenen Nationen bereits über die Nachfolger der gescheiterten Trainer beraten wird, erhält der ehemalige Torjäger Rückendeckung vom niederländischen Verband. "Große Kursänderungen sind nicht zu erwarten. Wir gehen mit demselben Trainer und auf dieselbe Weise in die Qualifikation für die Europameisterschaft 2008", sagte Henk Kesler vom Königlichen Fußball-Bund.

Gegenwind bekam er allerdings von Ruud van Nistelrooy. Holland hatte nach dem Rückstand gegen Portugal mit Dirk Kuyt, van Persie, Arjen Robben und Jan Vennegor of Hesselink am Ende vier Stürmer auf dem Platz. Nur der Torjäger von Manchester United kam nicht zum Einsatz. "Wenn man 3:0 führt, dann kann man als Stürmer nicht damit rechnen, reinzukommen. Aber beim Stande von 0:1 schon. Wir haben uns schon von Mann zu Mann unterhalten, sind dabei aber auch nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen", sagte der 29-Jährige.

"Ich habe Vennegor of Hesselink eingewechselt, weil wir unser Spiel auf lange Bälle umgestellt hatten", begründete der Coach seine Entscheidung. Auch für die Niederlage hatte er eine Erklärung parat: "Portugal war einfach cleverer."

guv/dpa/sid



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