Hooliganschlacht Milde Strafe für Randalierer von Leipzig

Abschreckung sieht anders aus: Am ersten Tag im Prozess um eine Massenhetzjagd von Hooligans auf Polizisten im Anschluss an ein Fußballspiel wurde einer der Täter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zeitgleich bewilligte DFB-Boss Zwanziger Geld für einen Sicherheitsbeauftragten in Sachsen.


Leipzig - Das Amtsgericht Leipzig hat heute den Angeklagten Andre N. nach den schweren Krawallen von Leipzig am 10. Februar mit 39 verletzten Polizisten zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Richterin Irmgard Seitz folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Dem 22 Jahre alten Zeitsoldaten der Bundeswehr, der außerdem 2400 Euro Geldstrafe zahlen muss, wurde schwerer Landfriedensbruch in Tateinheit mit versuchter schwerer Körperverletzung zur Last gelegt.

Verurteilter Andre N.: Ein Jahr auf Bewährung
DPA

Verurteilter Andre N.: Ein Jahr auf Bewährung

Insgesamt liegen elf Anklagen der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Krawallen vom Februar vor, die außerdem am 26. Juni, 23., und 27. Juli sowie 3. August verhandelt werden. Nach einem Landespokalspiel des in die Bezirksliga abgestürzten Ex-Europacupfinalisten Lok Leipzig hatten am 10. Februar 800 Randalierer eine Straßenschlacht gegen etwa 300 Polizisten begonnen. Sportrechtlich konnten die Krawalle vom sächsischen Verband nur mit einem Pokalspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und 2000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Sicherheitsbeauftragter für Sachsen

Bei einem Gespräch zwischen DFB-Präsident Theo Zwanziger und seinem Amtskollegen Klaus Reichenbach vom Sächsischen Fußball-Verband (SFV) heute in Frankfurt am Main wurde als Folge der erneuten Ausschreitungen in Sachsen die Einstellung eines hauptamtlichen Koordinators für Fan-Angelegenheiten und Sicherheitsfragen im SFV beschlossen. Die Personalkosten von rund 60.000 Euro für dieses Pilotprojekt werden jeweils zur Hälfte vom Land Sachsen und dem DFB finanziert. Die Sachkosten trägt der SFV.

Ziel dieser Maßnahme sei es, künftig schnell und professionell auf aktuelle Probleme reagieren und auch präventiv tätig werden zu können, hieß es. Zumal bei den Vorfällen nach dem Landespokal-Finale zwischen der 2. Mannschaft von Erzgebirge Aue und Dynamo Dresden zu viele "handwerkliche Fehler" gemacht worden seien.

Es mache keinen Sinn, ausschließlich die Vereine in die Pflicht zu nehmen, da "im Umfeld einiger sächsischer Spitzenclubs die Infrastruktur nicht so gefestigt ist, wie das notwendig erscheint", so der DFB in einer Pressemitteilung. Dennoch bleibe die Verantwortlichkeit der Vereine im Fokus. So sei es unter anderem in Dresden "bis heute nicht gelungen, eine klare Trennung zwischen Randalierern und echten Fans herzustellen".

mig/sid



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