Hopp kontra Rangnick Der Mäzen gewinnt den Machtkampf

Ralf Rangnick hat bei Hoffenheim die Machtfrage gestellt - und verloren. Sein Abgang verdeutlicht einmal mehr den großen Einfluss von Dietmar Hopp im Club. Die Vorstellungen des Mäzens von einem kontrollierten Wachstum passten mit der Erfolgsbesessenheit des Trainers nicht mehr zusammen.

dpa

Von Jan Reschke


Am Ende bemühten sich alle Beteiligten um Harmonie: "Der einzigartige Erfolg des Durchmarsches in die erste Liga ist und bleibt eng mit dem Namen von Ralf Rangnick verbunden", ließ Mäzen Dietmar Hopp in einer Stellungnahme auf der Pressekonferenz anlässlich der Trennung von Hoffenheim und Trainer Ralf Rangnick gönnerhaft verkünden. Rangnick dankte Hopp im Gegenzug förmlich für ein stets "respekt- und vertrauensvolles Arbeitsverhältnis".

Doch die zur Schau gestellte Einigkeit war nur der finale Akt in einem öffentlich ausgetragenen Machtkampf zwischen Rangnick und Hopp. Anlass war der Wechsel von Defensivspieler Luiz Gustavo zum FC Bayern München, den Rangnick unbedingt verhindern wollte und über den er sagt: "Es ist wohl einzigartig, dass so ein Spieler ohne das Wissen des Trainers verkauft wird." Das von Rangnick betonte "vertrauensvolle Arbeitsverhältnis" war damit wohl in Frage gestellt.

Zudem hatte Hopp offenbar dem Trainer schon vor Silvester zu verstehen gegeben, dass es am besten sei, wenn man sich trenne. Hopp sagte der "Rhein- Neckar-Zeitung", ausschlaggebend sei eine E-Mail Rangnicks vom 23. Dezember gewesen, in der sich der Trainer laut Hopp im Ton vergriffen haben soll. "Das war richtig heftig. Extrem heftig. Unter anderem hat der Trainer mit seinem Rücktritt gedroht", sagte Hopp. Zusammen mit dem Vorsitzenden und Hauptgesellschafter Peter Hofmann habe er daher noch vor dem Jahreswechsel die Trennung von Rangnick beschlossen. "Deshalb gab es auch keinen Grund mehr, Rangnick vom Gustavo-Transfer zu unterrichten", sagte Hopp.

"Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren"

Schon früher waren Rangnick und Hopp mit unterschiedlichen Vorstellungen über die Ausrichtung des Clubs aneinandergeraten. Auf der einen Seite der extrem ambitionierte Rangnick, der den Verein als regelmäßigen Anwärter auf den Europapokal-Einzug etablieren wollte. Auf der anderen Seite der Unternehmer Hopp, der vor allem die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Clubs im Blick hat und nicht länger bereit ist, Erfolge mit teuren Spielertransfers zu alimentieren.

Schon während der katastrophalen Rückrunde in der Saison 2008/2009, als sein Team trotz Herbstmeisterschaft noch auf Platz sieben abrutschte, hatte Rangnick gesagt: "Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen." Er forderte öffentlich Verstärkungen auf sechs bis sieben Positionen. Hopp reagierte höchst verärgert: "Ich lasse mich nicht erpressen." Der 70-Jährige wies schon damals darauf hin, dass "der Etat in erster Linie wirtschaftlich ausgewogen und sinnvoll sein muss".

Rangnick kämpfte öffentlich um mehr Einfluss. Im Juni des vergangenen Jahres hatte der ehemalige 1899-Manager Jan Schindelmeiser genug von Rangnick und dankte ab. Beflügelt vom Sieg in diesem Machtkampf blieb Rangnick seiner Linie treu.

Im Sommer 2010 verlangte Rangnick erneut teure Verstärkungen, Hopp hingegen erklärte: "Man muss sich auf das Machbare konzentrieren. Mein Ziel ist es, auf einen grünen Zweig und aus den roten Zahlen zu kommen. Ich würde am liebsten einen Transferüberschuss sehen." So wurde vor der aktuellen Saison Mittelfeldmann Carlos Eduardo für kolportierte 20 Millionen Euro verkauft, nun Gustavo für rund 15 Millionen Euro.

Von der Regionalliga Süd in die Bundesliga

Den Transferüberschuss hat Hopp nun. Und einen Wechsel in der sportlichen Leitung dazu. Das Team wird künftig von Marco Pezzaiuoli betreut, der zuvor als Co-Trainer unter Rangnick gearbeitet hatte.

Rangnick ist in Hoffenheim vor allem an seiner Erfolgsbesessenheit gescheitert. Seit 2006 lenkte er das Bundesliga-Projekt Hoffenheim entscheidend mit, stieg mit seinem Team von der Regionalliga Süd in die zweite Bundesliga auf, schließlich in die Bundesliga. In dieser Zeit formte er Schritt für Schritt eine Mannschaft, die sich zuletzt im oberen Drittel der Liga etabliert hat. Doch nun hält die Entwicklung des Clubs seinen Erwartungen nicht mehr stand.

"Verständlich, dass Ralf Rangnick, nachdem das 'Projekt erste Liga' schon nach zwei Jahren vollendet war, Herausforderungen in anderen Dimensionen sucht und damit naturgemäß in Hoffenheim an Grenzen stößt", erklärte Hopp. Auch Rangnick hat unterschiedliche Auffassungen ausgemacht: "In den letzten zwei Wochen hat es einen intensiven Austausch mit Dietmar Hopp über grundlegende Dinge gegeben. Dabei wurde mir klar, dass es in Zukunft nicht mehr so ist, dass der Club einen Trainer wie mich braucht", sagte Rangnick.

Schon auf Schalke, wo Rangnick zuvor tätig war, kam es zu Reibereien mit dem machterfüllten Manager Rudi Assauer, was am Ende in der Trennung von Rangnick mündete. Assauer sprach damals von Dissonanzen, "die nicht mehr zu beheben waren". Rangnick hingegen sah schon damals seinen Erfolg gefährdet, wenn er im sportlichen Bereich nicht die alleinige Entscheidungsgewalt habe.

Der Abgang von Rangnick sagt einiges über die Verhältnisse bei Hoffenheim aus. Wenn Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zum Gustavo-Transfer erklärt, "wir haben uns mit Dietmar Hopp geeinigt", dann verdeutlicht das die Einmischung durch den größten Geldgeber des Clubs in das Tagesgeschäft Bundesliga.

Hopp ist Hoffenheim

Hopp wollte diesen Transfer, Hopp hat ihn möglich gemacht, Hopp ist Hoffenheim.

Diese Machtdemonstration dürfte für einige Kritik sorgen. Die "50+1-Regelung" in den DFL-Statuten besagt, dass es Kapitalanlegern nicht möglich ist, die Mehrheit in von Fußballvereinen gegründeten Kapitalgesellschaften zu übernehmen, also die Kontrolle über einen Club.

Werksvereine wie Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg waren in der Vergangenheit häufig dafür kritisiert worden, dass sie eine Ausnahmeposition innehaben und der Bayer-Konzern beziehungsweise die Volkswagen AG mehr als fünfzig Prozent der Stimmanteile halten darf. In Hoffenheim werden die DFL-Regeln formal eingehalten, Hopp besitzt nur 49 Prozent der Anteile des Clubs. "Ich habe kein Problem damit, auch wenn ich kapitalmäßig 99 Prozent stelle", sagte er der "Welt am Sonntag".

Wie groß sein Einfluss aber tatsächlich ist, wurde jetzt deutlich.

insgesamt 259 Beiträge
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Seite 1
Gas-Gerd, 02.01.2011
1. Prinzipientreu
Für mich ist bei diesen, ganz allgemein Menschen verachtenden Zuständen (auch) in der hiesigen Liga, zumindest ein kleiner Lichtblick, dass ein Trainer, trotz sehr gutem Salär, zumindest sich selbst treu bleibt. Loyalität ist die Bedingung für Wichtiges. Herr Hopp hat diesen Anfang wohl leider nie richtig gekannt!
theope 02.01.2011
2.
eine schlechte Nachricht für den Hoffenheimer Fussball. der letzte Beweis das die 50+1 Regel der DFL nicht funktioniert.
Bayerr, 02.01.2011
3. Herr Hopp ist
wohl doch kein Mäzen, sondern eher ein Investor: "Return of investment" ist gefragt und nicht der spielerische Erfolg.
smokeonit 02.01.2011
4. ...
Zitat von Gas-GerdFür mich ist bei diesen, ganz allgemein Menschen verachtenden Zuständen (auch) in der hiesigen Liga, zumindest ein kleiner Lichtblick, dass ein Trainer, trotz sehr gutem Salär, zumindest sich selbst treu bleibt. Loyalität ist die Bedingung für Wichtiges. Herr Hopp hat diesen Anfang wohl leider nie richtig gekannt!
Über Hopp wirde schon soviel gesagt... gerade in der Rhein-Neckar-Region gibt es soviele Neider... Ohne ihn wäre die TSG nicht in der 1. Bundesliga... Punkt aus... Und Hopp hat Rangnick viel durchgehen lassen... Rangnick ist schon sehr sehr gut gefahren... Es wird weitergehen mit der TSG...;)
smokeonit 02.01.2011
5.
Zitat von Bayerrwohl doch kein Mäzen, sondern eher ein Investor: "Return of investment" ist gefragt und nicht der spielerische Erfolg.
nichts verstanden;(
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