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Verwirrung um Manager Heldt Harte Probe für Schalkes gute Laune

Wie lange bleibt Manager Horst Heldt noch auf Schalke? Der 45-Jährige ist nach den Verhandlungen von Klub-Boss Tönnies mit dem Mainzer Heidel angezählt. Ausgerechnet in einer guten Phase des Vereins kommt wieder Unruhe auf.

Plötzlich wurde es unruhig im Bauch der Arena. Gleich werde Horst Heldt etwas sagen, hieß es aus allen Ecken, eine "Erklärung", irgendetwas Offizielles. Und natürlich nicht zum vorangegangen Europa-League-Spiel gegen Sparta Prag, das nach 50 langweiligen, 15 kuriosen und 25 stimmungsvollen Minuten 2:2 geendet war. Was ist schon das Tagesgeschäft, wenn es gleich um Grundsätzliches geht?

Als Held kam und sich Kameras, Mikrofone und Aufnahmegeräte um die besten Plätze vor seinem Gesicht stritten, wich er kurz zurück, fing sich aber gleich wieder. Knapp sechs Minuten sprach der Manager, dessen Abschied auf Schalke festzustehen scheint. Und der nach dem öffentlichen Werben von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies um den Mainzer Christian Heidel bereits davon sprach, "aufrecht rauszugehen". Doch als alles eine Antwort auf die Frage erwartete, wann das passiert oder ob er seinen auslaufenden Vertrag erfüllt, kam: nichts.

Nachfragen wich Heldt aus, er sagte nur das, was ohnehin alle wussten: "Es hat heute ein konstruktives Gespräch gegeben zwischen (den Aufsichtsräten - d. Red.) Clemens Tönnies, Jens Buchta und mir." Über Inhalte werde er aber schweigen, sie bräuchten ein zeitnahes zweites Gespräch. "Deshalb bleibt inhaltlich alles offen."

Tönnies stand lange zu Heldt

Alles? Sicher nicht. Dass Heldts Vertrag doch noch verlängert wird, glaubt der 45-Jährige wohl selbst nicht. Er wirkt gefasst, aber auch so, als könne er all das nicht verstehen. Endlich hat Schalke eine junge Mannschaft, die sich mit dem Klub identifiziert und aufregenden Fußball spielt. Die in der Bundesliga Dritter ist und ihre Europa-League-Gruppe anführt. Die von einem sympathischen Trainer aufgestellt wird. Und die der Schalker Seele schmeichelt.

Umso kurioser wirkt der Zeitpunkt der Debatte. Als Heldt vor zwei Jahren wegen unglücklicher Transfers massiv in der Kritik stand, stellte sich Tönnies hinter seinen Manager. Ein "super Fußball-Fachmann" mit "sauberem Charakter" sei dieser. Ähnlich im Frühjahr, als die Schalker die Saison ohne einen Hauch von Anstand austrudeln ließen und sämtliche Ziele verpassten. "1,69 Meter Inkompetenz", fassten wütende Fans Heldts Fehlgriffe wie Trainer Roberto Di Matteo und Kevin-Prince Boateng auf einem Spruchband zusammen. Doch Tönnies stand erneut zu seinem Mann.

Ausgerechnet jetzt, nach dem euphorischen Saisonstart und vor wichtigen Entscheidungen über Wintertransfers und Vertragsverlängerungen, soll Heldt gehen, während ein anderer kommen soll, den sein jetziger Verein nicht freigibt. Wer soll Schalkes Weiterentwicklung also planen?

Hinzu kommt, dass die Entscheidung gegen den Manager ein Alleingang von Tönnies sein soll. Obwohl der Ende Juni bei der Mitgliederversammlung demütig eingestanden hatte, sich zuletzt "viel zu viel in die Tagespolitik eingemischt" zu haben. Das werde sich ändern, versprach er 10.000 angesäuerten Schalkern.

Harte Probe für Schalkes gute Laune

Damit ist es nach wenigen Monaten vorbei. Die zweite Reihe ist nichts für Tönnies, der Spieler-Suspendierungen gern mal per SMS an Heldt delegiert. Der seinen Betriebsmannschaften ein nach ihm benanntes Stadion mit 4000 Sitzplätzen und beheiztem Rasen neben seine Fabrik stellt und zur Eröffnung Franz Beckenbauer per Hubschrauber einfliegen lässt. "Der Kaiser im ,Tönnies-Land'", jubelte das "Westfalen-Blatt". Und Tönnies, dem Aufmerksamkeit und Bewunderer gut gefallen, jubelte mit.

Wie lange sie noch in Schalke jubeln, weiß niemand. Am Sonntag geht es nach Gladbach. Am Mittwoch kommt die Borussia im Pokal. Bis Ende November geht es in der Liga gegen Dortmund, Bayern und Leverkusen. Gut möglich, dass die Erfolgsserie von Jungstar Leroy Sané und Co. bald ein Ende hat. Und die neue gute Laune auf Schalke auf eine harte Probe gestellt wird. Für den Anfang sorgt die Vereinsspitze gerade selbst.

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