HSV - 1860 2-0 Zahme Löwen, starker HSV

Die Champions League ist für den Hamburger SV nach dem 2:0-Sieg im direkten Duell mit Mitbewerber 1860 München in greifbare Nähe gerückt


Wehe, wenn Hollerbach kommt: Der HSV-Verteidiger zieht vor Thomas Häßler ab
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Wehe, wenn Hollerbach kommt: Der HSV-Verteidiger zieht vor Thomas Häßler ab

Hamburg - Der Hamburger SV bleibt in der Bundesliga eine Klasse für sich. Sechs Punkte Abstand nach oben zu den Meisterschaftsanwärtern aus München und Leverkusen, acht Punkte Vorsprung auf Platz vier. Aufkommende Emporkömmlinge werden regelmäßig abgewatscht und auf Distanz gehalten. Und anschließend wird wie eine Schallplatte die ewig gleiche "Understatement-Nummer" abgespielt: "Nein, von der Champions League reden wir nicht - wir wollen in den internationalen Wettbewerb."

So auch wieder geschehen nach dem nicht glanzvollen aber völlig verdienten 2:0 (1:0)-Erfolg im Verfolgerduell gegen 1860 München. Immerhin hat Sportchef Holger Hieronymus die Dauer-Negation der Champions-League-Pläne durch eine neue Variante bereichert: "Direkt qualifizieren sich doch nur die ersten beiden, deshalb sehe ich diesen Wettbewerb nicht in Verbindung mit uns."

Doch der ehemalige Nationalmannschaftslibero wagte sich schließlich ungewohnt weit vor. "Wir werden einen internationalen Wettbewerb erreichen", sagte Hieronymus. So deutlich hat das noch kein Hamburger ausgedrückt, auch wenn es alle denken. "Das war ein Sechs-Punkte-Spiel", meinte Niko Kovac, "ein wichtiger Schritt zum Uefa-Cup." Torwart Jörg Butt mahnte: "Viele, die ihre Ziele nach oben korrigiert haben, sind noch auf die Schnauze gefallen. Wenn wir 55 Punkte haben, setzen wir uns neue Ziele." Er selbst vielleicht auch. Der 25-Jährige hat alle Vertragsgespräche weiter auf die lange Bank geschoben. Eine Qualifikation für die europäische Eliteklasse könnte seine Neigung, an der Elbe zu bleiben, eventuell verstärken. Zumal Hieronymus dann auch mehr Geld zur Verfügung hätte.

Die Treffer von Roy Präger (45.) und Rodolfo Cardoso (53.) entschieden eine Partie vor 43.312 Zuschauern, in der die "Löwen" nur in den ersten etwa 35 Minuten mit ihrer manndeckenden Spielweise einigermaßen mithalten konnten. "Man muss den Gegner mürbe machen, ihn erdrücken", sagte HSV-Coach Frank Pagelsdorf, "ich bin froh, dass wir uns auch nach dem 1:0 noch viele Chancen rausgespielt haben. Das zeigt die Stärke der Mannschaft."

Der 42-Jährige hat seine Ziele praktisch schon erreicht. In drei Jahren nach Amtsantritt wollte er den internationalen Wettbewerb erreichen - was soll jetzt schon noch schiefgehen? Bei unter anderem noch ausstehenden Heimspielen gegen Hansa Rostock und Unterhaching und Auswärtsaufgaben in Bielefeld und Duisburg. Innerlich hat auch der HSV-Trainer seine Ambitionen schon geändert: "Wir haben ein Ziel, dafür brauchen wir 55 Punkte. Was ich selbst glaube, was wir schaffen können, ist eine ganz andere Sache."

Kollege Werner Lorant haderte vor allem mit dem ersten Gegentor kurz vor dem Pausenpfiff: "Das darf nicht passieren. Man muss auch 46 Minuten arbeiten." Doch insgesamt hatte der impulsive Übungsleiter wenig Grund, sich öffentlich aufzuregen. Zu harmlos waren seine Profis vor allem im eigenen Angriffsspiel. Thomas Häßler ging völlig unter und bestätigte eindrucksvoll die Nicht-Berücksichtigung für die Nationalmannschaft. Und sagen mochte der "Icke" anschließend auch nichts mehr.



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