Hamburger Klassenerhalt "Noch so eine Saison überlebt der HSV nicht"

Die Klasse gehalten - trotz unterirdischer Leistung. Doch wie geht es nach dem glücklichen Relegationserfolg gegen Fürth weiter beim Hamburger SV? Spieler und Trainer stellen klar: Es muss sich etwas ändern im Verein.

Aus Fürth berichtet


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Irgendwie wollten die Bilder nicht ganz zusammenpassen: Minuten zuvor hatten sich wild herumhüpfende Hamburger Spieler ihrer Trikots entledigt und zusammen mit den Fans den Klassenerhalt gefeiert. Und nun standen sie in der Interviewzone und wollten unbedingt den Eindruck vermeiden, dass in Hamburg in den kommenden Wochen eine "Schwamm drüber"-Mentalität ausbrechen könnte. "Jedem in der Mannschaft ist bewusst, dass wir eine ganz schlechte Saison gespielt haben", sagte Tolgay Arslan, der fast schon zu der Aussage gezwungen werden musste, dass er sich auf die kommende Bundesliga-Saison freue.

Verteidiger Heiko Westermann war erst gar nicht nach solchen Bekenntnissen. Er fühle sich "total leer", ließ er wissen und habe keine Lust, die Saison wegen des glücklichen Endes schönzureden: "Hier ist in den letzten Jahren viel schiefgelaufen. Ich bin fest davon überzeugt, dass der HSV noch so eine Saison nicht überleben wird." Ihm selbst gehe es ähnlich. "Ich kann so eine Saison nicht noch mal mitmachen. Wir haben wahnsinniges Glück gehabt."

Und eine Qualität bei Standardsituationen, die Fürths Trainer Frank Kramer nach dem Spiel zum "kleinen Unterschied" zwischen beiden Teams erklärte. Nach einem Eckball von Rafael van der Vaart konnte Pierre-Michel Lasogga unbedrängt zur Hamburger Führung einköpfen (14. Minute). Es war der einzige schwere Fehler der Fürther Verteidigung, in der Stephan Fürstner plötzlich gegen den elf Zentimeter größeren Lasogga stand. Dieser Lapsus sollte die wackeren Fürther die erste Liga kosten.

"Das Leben ist nicht fair"

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Fürstner selbst erzielte zwar noch den Ausgleich (59.), doch da der HSV mit Jaroslav Drobny seinen besten Spieler zwischen den Pfosten hatte, brachten Niklas Füllkrug (88.), Ilir Azemi und Goran Sukalo (90.) den Ball kein zweites Mal hinter die Linie. Was blieb, war Frust.

"Wir waren auch heute wieder fitter als die und sind viel mehr gelaufen", sagte Sukalo. So sah es auch Fürths Torwart Wolfgang Hesl, dem das 0:0 im Hinspiel noch schwer im Magen lag und der nach siebeneinhalb Jahren in Hamburg, in denen er es auf zwei Bundesliga-Spiele brachte, zu gerne eine Liga über dem HSV gespielt hätte: "Wir waren in beiden Spielen das bessere Team und können erhobenen Hauptes in die Sommerpause gehen. Aber das Leben ist nicht fair."

Das wird man in Hamburg wahrscheinlich anders sehen. Dass der HSV in dieser Spielzeit das Glück überstrapaziert hat, gaben dann aber auch alle Vertreter des Traditionsvereins zu. "Wir haben gegen einen sehr starken Gegner gespielt, der uns schon im Hinspiel alles abverlangt hat", sagte Trainer Mirko Slomka, der offenbar keine Lust hat, ab Juli unter ähnlichen Bedingungen zu arbeiten wie in den vergangenen Monaten. "Wir dürfen jetzt nicht blind in die Saison gehen. Wir brauchen neue Gesichter."

Fürths Trainer Kramer ist sauer auf Lasogga

In Fürth herrscht derweil Tristesse. Und das nicht nur wegen des verpassten Aufstiegs. Dass Sportdirektor Rouven Schröder in der kommenden Saison bei Werder Bremen arbeitet, scheint beschlossene Sache. Trainer Kramer verweigerte erneut jedes Statement in eigener Sache, wurde dann aber deutlich, als er auf Lasogga angesprochen wurde, der offenbar vor und nach dem Spiel einige Unflätigkeiten vom Stapel gelassen und einige Hamburger Freistöße herausgeholt hatte: "Der wiegt über 90 Kilo und sucht, egal ob er berührt wird oder nicht, in beiden Spielen ständig den Bodenkontakt", ärgerte sich Kramer.

Damit wollte er es aber bewenden lassen. Die Frage, ob der HSV denn nun verdient in der Klasse geblieben sei, ließ er unbeantwortet: "Das haben wir doch nicht zu beurteilen." Den 15 Männern, die später vor dem Hamburger Mannschaftsbus ein Tänzchen aufführten und "Niemals zweite Liga" sangen, war das auch völlig einerlei. Die halbe Hamburger Mannschaft inklusive Trainer Slomka tanzte Arm in Arm und sang. Mittendrin: Jaroslav Drobny, der zu diesem Zeitpunkt schon einige Dutzend Mal gehört hatte, dass er den HSV in der Liga gehalten habe.

SpVgg Greuther Fürth - Hamburger SV 1:1 (0:1)
0:1 Lasogga (14.)
1:1 Fürstner (59.)
SpVgg Greuther Fürth: Hesl - Brosinski (88. Mudrinski), Mavraj, Röcker, Baba - Fürstner, Sparv (78. Sukalo) - Stieber, Djurdjic (72. Füllkrug), Weilandt - Azemi
Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Djourou (31. Mancienne), Westermann, Jiracek - Badelj, Arslan (64. Rincon) - Calhanoglu, van der Vaart (75. Tesche), Jansen - Lasogga
Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 17.500



insgesamt 118 Beiträge
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sebastian.teichert 18.05.2014
1.
Ja. Fair ist das Leben nicht. Das ist leider so. Verdient haben es die Hamburger ganz bestimmt auch nicht. Aber man muss nicht gut sein. Man muss nur besser als alle anderen sein. Und das waren sie. Punkt aus.
wissender 18.05.2014
2. Ändern? Nix!
In diesem Stadl aus Egoisten und Amateuren wird sich nichts ändern. Hier sind zuviele nur in eigener Mission unterwegs.
citi2010 18.05.2014
3.
Dann sollten sich all die Lautsprecher mal selbst entlassen.
semper-idem 19.05.2014
4. Tradition hin, Tradition her
der HSV hätte den Abstieg verdient - Fürth war in beiden Begegnungen die bessere Mannschaft. Und die Auswärtstor-Regelung in der Relegation ist vollkommen absurd.
funnyone2007 19.05.2014
5. mit Adler im Tor...
...wäre der HSV heute abgestiegen....
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