Fotostrecke

Blamage beim Regionalligisten: HSV scheidet im Pokal aus

Foto: Karina Hessland/ Bongarts/Getty Images

Pokalpleite des HSV in Jena Vertreibung aus dem Paradies

Am Jenaer Paradies wurde der Hamburger SV vom Fußballgott verlassen. Zweimal kam der Klub zurück ins Pokalspiel beim FC Carl Zeiss. Aber weder eine Fehlentscheidung noch ein Ausgleich in letzter Minute reichten dem HSV diesmal zur Rettung.

Der Fußballgott schläft in HSV-Bettwäsche. Davon musste man bis zum Sonntagnachmittag ausgehen. Schließlich hatte sich der einzige Klub, der immer in der Bundesliga spielte, erst vor gut zwei Monaten in der Nachspielzeit des Relegationsrückspiels von Karlsruhe in die Verlängerung gerettet. Dort machten die Hamburger dann den Klassenerhalt perfekt.

Auch in Jena schien es so, als bleibe dem HSV das Glück hold. Die Führung des Regionalligisten war kurz nach Wiederanpfiff von Ivica Olic egalisiert worden. Der Ball hatte bei der vorausgegangenen Flanke von Ivo Ilicevic die Torauslinie schon klar überquert - eine Fehlentscheidung, die nicht jeder Amateurverein so gut wegstecken würde wie der FC Carl Zeiss.

Jena zeigte sich unbeeindruckt und ging nur zehn Minuten nach dem Ausgleich erneut in Führung. Velimir Jovanovic schloss einen schnellen Konter ab. Die Sensation schien nun zum Greifen nahe - bis in der vierten Minute der Nachspielzeit noch eine letzte Ecke für die Gäste ausgeführt wurde. Eigentlich waren die drei Minuten, um die Schiedsrichter Frank Willenborg das Spiel verlängern wollte, schon abgelaufen. Torwart René Adler, der beim Freistoß zum 1:0 noch sehr unglücklich agiert hatte, kam mit nach vorne und legte per Kopf für Michael Gregoritsch auf, der den Ball unter die Latte schoss.

Hamburgs Neue sind die Glückskinder

Der 21-Jährige, erst im Sommer verpflichtet und nach seiner Einwechslung keine Viertelstunde für den HSV im Pflichtspieleinsatz, schien mit diesem Tor zu demonstrieren, wie schnell das HSV-Glück auf Zugänge abfärbt. Immerhin hatte auch Marcelo Díaz, der Retter von Karlsruhe, noch nicht viele Einsätze für die Hamburger absolviert, bevor er mit seinem Freistoßtor den Abstieg verhinderte.

Jena aber zeigte sich einmal mehr unbeeindruckt und kämpfte einfach weiter. So kam es, dass Filip Krstic in der 106. Minute einen weiten Einwurf von links in den Hamburger Strafraum schleuderte. Johannes Pieles bezwang im Kopfballduell HSV-Neuzugang Emir Spahic: Zum dritten Mal lag der HSV zurück.

Nach dem 3:2 gaben die Gäste keinen einzigen Torschuss mehr ab. Das Glück des HSV - es war aufgebraucht und der Fehlstart der Hamburger in eine weitere Saison damit perfekt.

Anschließend rannten die Hamburger Spieler sofort in die Kabine. Auch die wartenden Journalisten wurden ignoriert. So blieb es Trainer Bruno Labbadia überlassen, Worte dafür zu suchen, warum er so schnell vom Retter zum Gesicht einer neuerlichen Blamage seines Klubs geworden war: "Wir sind nicht an die Grenze gegangen und haben verdient verloren. Es schien nicht der unbedingte Wille da gewesen zu sein."

Labbadia kritisiert Einstellung seiner Spieler

Die Kritik des Trainers an der Einstellung seiner Spieler war deutlich: "Unsere Körpersprache war nicht die, die ich erwartet hatte. So dürfen wir uns nicht präsentieren." Worte, die hilflos klangen - schließlich ist die Einstellung der Mannschaft in letzter Konsequenz auch die Aufgabe von Labbadia selbst.

Eine erneute Trainerentlassung dürfte in Hamburg aber nicht zur Debatte stehen. Nüchtern gesehen, muss eine Pokalpleite zum Saisonauftakt auch nicht bedeuten, dass die anstehende Spielzeit einen schlechten Verlauf nimmt: Vor einem Jahr war Augsburg ebenfalls in der ersten Runde am Regionalligisten Magdeburg gescheitert - und erreichte dann als Fünfter die Europa League.

Im Umfeld des HSV aber ist Nüchternheit selten. Und der Saisonstart der Hamburger verheißt nichts Gutes: Nach dem Auftaktspiel beim FC Bayern geht es gegen den VfB Stuttgart, dann folgen zwei weitere Auswärtsspiele in Köln und Mönchengladbach. Klingt nicht nach vielen Punkten - es sei denn, der Fußballgott legt seine plötzliche Zurückhaltung schnell wieder ab.