HSV im Relegations-Hinspiel Vorteil Fürth

Das war noch nichts, HSV: Nur 0:0 im eigenen Stadion gegen Greuther Fürth - jetzt hat der Zweitligist im Relegationsduell die besseren Chancen auf die Bundesliga. Bei den Hamburgern überzeugte einzig der Ersatz-Torhüter.

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Von , Hamburg


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Mirko Slomka hatte die Lippen aufeinander gepresst, als er am Ende des Abends den Medienraum des Hamburger Stadions verließ. Seinen Blick richtete er leicht nach unten, er schaute nicht nach links und nicht nach rechts, die Mundwinkel zeigten abwärts. Der Trainer des Hamburger SV war unzufrieden, das war ihm deutlich anzusehen, schließlich ist der HSV dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte einen weiteren Schritt näher gekommen.

Zwar hatte Slomkas Team nicht verloren, anders als in den letzten fünf Spielen der regulären Saison. Aber dieses 0:0 im eigenen Stadion gegen Greuther Fürth, den Tabellendritten der zweiten Liga, macht wenig Mut für das Rückspiel am Sonntag (17 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD und Sky), bei dem die Hamburger dann auswärts antreten müssen und das sie in keinem Fall verlieren dürfen.

Doch in fremden Stadien haben die Mannschaft und ihr Trainer eine beinahe sagenumwobene Schwäche: Der bislang letzte Auswärtssieg gelang dem HSV Ende Oktober beim 3:0 in Freiburg, da hatte Bert van Marwijk noch das Sagen beim Hamburger Bundesligisten. In diesem Jahr hat das Team alle Auswärtsspiele verloren. Slomka selbst hat seinen letzten Auswärtssieg im April 2013 als Trainer von Hannover 96 gefeiert. Immerhin gegen Greuther Fürth.

Als gutes Omen sollten die Hamburger diesen Umstand aber nicht betrachten. Zu schwach waren sie im Relegations-Hinspiel gegen den Widersacher aus dem Unterhaus. Vor allem die erste Halbzeit ärgerte Slomka: "Wir haben nicht so aggressiv attackiert und die Fürther Abwehr nicht so beschäftigt, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagte er, und obwohl sich der HSV nach der Pause steigerte, lässt sich die Kritik auf die kompletten 90 Minuten beziehen. Das Team zeigte eine enttäuschende Leistung. Es war nicht zu erkennen, wer der Erst- und wer der Zweitligist war.

Ratlosigkeit in den Rängen

Die HSV-Profis schienen gelähmt von der Angst vor dem Abstieg. Aus ihrem Vorteil im Ballbesitz machten sie nichts, ihr Spiel war ungenau und ohne Zielstrebigkeit. Die prächtige Zuschauerkulisse und der enorme Geräuschpegel schienen die Hamburger eher zu hindern als zu beflügeln.

Die Gäste waren wacher, heißer, sie bissen sich ins Spiel und hatten mehr Chancen. HSV-Torhüter Jaroslav Drobny, der den am Rücken verletzten René Adler vertrat, war bester Hamburger an diesem Abend und rettete mehrmals in größter Not, die beste Parade zeigte er in der 27. Minute, als er per Fußabwehr gegen Ilir Azemi rettete. "Wir können auf unsere Leistung stolz sein. Mit ein bisschen mehr Zielstrebigkeit hätten wir gewinnen können", sagte Fürths Abwehrspieler Mergim Mavraj.

Und das ist dann das Ärgerliche aus Sicht des Zweitligisten. Auch das Fazit von Trainer Frank Kramer fiel ja nicht zur vollsten Zufriedenheit aus, denn sein Team hatte die Schwächen des HSV nicht entscheidend genutzt. "Wir haben ein richtig gutes Spiel gezeigt und uns gute Möglichkeiten erarbeitet - aber die ein oder andere Chancen liegen gelassen", sagte Kramer. So verpassten es die Fürther, mit einem Sieg eine noch bessere Ausgangslage für das Rückspiel am Sonntag zu schaffen, in dem endgültig über das Schicksal des HSV entschieden wird.

"Niemals zweite Liga!", sangen die Fans in der Hamburger Arena zwar nach Schlusspfiff, doch auf den Rängen war auch viel Ratlosigkeit zu sehen. Einige Zuschauer hielten sich die Hände vors Gesicht. Und auch die Spieler sanken nach dem Ende der 90 Minuten erstmal auf den Rasen oder standen ohne Regung da. Es dauerte eine Weile, ehe sich sich aufrafften und eher pflichtbewusst in Richtung Fankurve marschierten. Ehrlicher Optimismus sieht anders aus.

"Wir haben immer noch die Chance, in der Bundesliga zu bleiben", sagte der schwache Kapitän Rafael van der Vaart. Es klang eher nach Hoffen als nach Glauben. Und Trainer Slomka wies darauf hin, dass seinem Team am Sonntag schon ein Unentschieden zum Klassenerhalt reiche, von einem möglichen Sieg wagte er nicht zu sprechen.

Es war nicht zu übersehen, dass sich die Hamburger nach dem torlosen Hinspiel eher wie Verlierer fühlten, während die Gäste aus Fürth voller Euphorie waren. "Das Spiel muss uns Selbstvertrauen gegeben haben, es muss uns Kraft gegeben haben, es muss uns noch mehr Zuversicht gegeben haben", sagte Präsident Helmut Hack. Vor dem Rückspiel heißt es deshalb: Vorteil Fürth.

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enivid 16.05.2014
1. Ich Drücke Fürth die Daumen!
Go Fürth go! Mit der Leistung hat es der HSV einfach nicht verdient in der ersten Liga zu spielen!
HenryFromWob 16.05.2014
2.
Damit ein Unentschieden reicht, muss Hamburg ein Tor schießen. Danach, dass ihnen das gelingt, sah es gestern nicht aus. Und dann auch noch auswärts.. mir schwant übles.
sissy69 16.05.2014
3. Tschüss!
Noch ein Spiel, dann ist diese Saison endlich vorbei und das Kapitel 1. Bundesliga für den HSV erstmal beendet. Richtig so! Das war wieder mal armselig... Nur die Fans waren diesmal top.
Dumme Fragen 16.05.2014
4. Immerhin:
Kein Auswärtstor für Fürth. 1:1 reicht daher...
chuckal 16.05.2014
5. Versteh ich nicht
wieso liegt der Vorteil bei Fürth, wenn dem HSV ein 1:1 zum Klassenerhalt reicht. Oder wird da nicht mehr der Europapokal-Modus gespielt?
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