Fotostrecke

Hamburger SV: Und dann kam Lasogga

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

HSV-Erfolg gegen Stuttgart Sieg und Frieden

Trotz schwacher Leistung gewinnt der HSV gegen Stuttgart. Der Sieg zeigt, dass die Hamburger auch in dieser Saison immer wieder aufstehen können - und er bringt dem Klub nach den Chaostagen endlich Ruhe.

Die Fans des Hamburger SV sangen wieder das Lied, das die akustische Untermalung gewesen war für den erstaunlichen Endspurt in der vergangenen Saison. Für die Wochen, in denen der Klub den sicher geglaubten Abstieg verhinderte durch Siege gegen Augsburg, Mainz und Schalke und durch das Relegations-Drama gegen den Karlsruher SC.

Das Lied handelt von den Erfolgen der Hamburger und dem Status als Bundesliga-Urgestein. Wenn man aktuell nichts zu feiern hat, besinnt man sich eben auf die glorreiche Vergangenheit: Sechsmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer erste Liga, so lautet der Text. Die Fans stimmten den Gesang vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart an, in den Schlusssekunden und noch lange nach Abpfiff auf dem S-Bahnhof Stellingen.

Allerdings wehte nicht nur die Melodie des Klassenerhalts durch den Volkspark, sondern auch der Geist, den der Hamburger SV in den finalen Wochen der vergangenen Spielzeit entwickelt hat. Das Gefühl, immer wieder aufzustehen. Die Ahnung, sich in den entscheidenden Situationen auf Kampfgeist und den Fußballgott verlassen zu können.

1:2 hatte der HSV gegen starke Stuttgarter zu Recht bis zur 84. Minute hinten gelegen. Trotz Überzahl nach der Gelb-Roten Karte gegen VfB-Verteidiger Florian Klein kurz nach der Pause hatte wenig auf die Wende zum Guten hingedeutet für die Hamburger. Doch dann trafen innerhalb weniger Minuten der eingewechselte Angreifer Pierre-Michel Lasogga und Kapitän Johan Djourou, der HSV gewann 3:2, und niemand wusste so richtig, wie das passieren konnte. Genau wie in der Vorsaison niemand so richtig wusste, warum die Hamburger die Klasse gehalten haben.

"Es war wichtig, nicht aufzugeben"

Trainer Bruno Labbadia freute sich, dass seine Spieler und auch die Fans die Geduld bewahrt hätten trotz der drohenden Niederlage, die den Fehlstart in die Saison komplettiert hätte nach dem 0:5 zum Auftakt in München. "Das Publikum ist nicht unruhig geworden, wir sind nicht unruhig geworden", stellte Labbadia fest. Und das, obwohl die Hamburger lange keinen Nutzen aus ihrer personellen Überlegenheit gezogen hatten.

Auch nach dem Platzverweis für Klein kamen sie kaum zu Chancen, Stuttgart machte geschickt die Räume eng. Dass es dank des Doppelschlags kurz vor Feierabend noch zum Sieg reichte, bestätigte Labbadia in seiner Auffassung, bis zuletzt an die eigene Chance zu glauben: "Es war wichtig, nicht aufzugeben", sagte der Trainer.

Der Erfolg bringt dem Klub ein bisschen Frieden in turbulenten Wochen. Die Pokal-Blamage beim Viertligisten Carl Zeiss Jena, die sogenannte Rucksack-Affäre um Sportchef Peter Knäbel und die standesgemäße Niederlage am ersten Spieltag in München hatten frühestmöglich die Hoffnungen auf eine entspannte Saison zerstört.

Dazu kamen Meldungen, dass der in Leverkusen wegen einer Prügelei mit Stadion-Ordnern entlassene und vom HSV als Abwehrchef engagierte Emir Spahic Mitspieler beschimpft haben soll. Labbadia bestreitet das heftig. Doch er unternahm keine Mühe, die Genugtuung über die drei Punkte gegen Stuttgart zu verbergen: "Keine Frage, der Sieg tut uns in unser aktuellen Situation richtig gut", sagte der Trainer.

Keine Stammplätze für die Helden des Abstiegskampfes

Dass spielerisch wenig Fortschritt zu erkennen war, ist den Hamburgern erst mal egal angesichts des ersten Sieges am zweiten Spieltag und der Erkenntnis, dass sie auch in der neuen Saison immer wieder zurückkommen können. Die Partie gegen Stuttgart zeigte außerdem, dass Labbadia in der neuen Spielzeit mehr Möglichkeiten hat, durch Einwechslungen Einfluss auszuüben.

Lasogga und Ivica Olic saßen zu Beginn nur auf der Bank und trugen im Schlussakt zur Wende bei. "Es ist wichtig, dass wir auch von der Bank noch einen Schub bekommen können", sagte Labbadia. Er hat in der Offensive mehr Optionen durch die Verpflichtung von Sven Schipplock und Michael Gregoritsch. Auch die Mittelfeldspieler Gojko Kacar und Marcelo Díaz, in der Vorsaison zu Helden im Abstiegskampf aufgestiegen, blieben gegen Stuttgart draußen. An ihrer Stelle spielten der aus Cagliari verpflichtete Albin Ekdal und Nachwuchsspieler Gideon Jung.

Durch das 3:2 gegen den VfB sind die Hamburger nach zwei Spielen Tabellenneunter. Labbadia kann wohl zum ersten Mal in seiner Amtszeit beim HSV ein Bundesligaspiel in aller Ruhe vorbereiten. Zweimal nacheinander muss der HSV auswärts antreten, erst in Köln, dann bei Borussia Mönchengladbach.

"Wir fangen nicht an zu spinnen, sondern wissen, dass wir noch einen knallharten Weg vor uns haben", sagte der Trainer. Immerhin: Zum ersten Mal in dieser Saison haben die Hamburger auf diesem Weg einen Schritt nach vorne gemacht.