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HSV vor dem Abstieg Das war's dann wohl

Tschüs, Bundesliga: Selbst wenn der HSV gut spielt, verliert er. Noch sechs Chancen hat der Club, den Abstieg zu verhindern. Bei dem anstehenden Restprogramm ist das kaum zu schaffen. Zeit für einen Abgesang.

Nachrufe sollte man tunlichst niemals vorzeitig veröffentlichen. Es gibt nichts Peinlicheres im Journalismus, als jemanden für tot zu erklären, der es noch nicht ist. Dem US-Sender CNN ist das jetzt erst wieder unterlaufen, als er versehentlich das Ableben von Brasiliens Superstar Pelé vermeldete.

Aber beim Hamburger SV ist die Ausnahme gestattet.

Um mit dem Positiven anzufangen: Den Fans des HSV kann immerhin eine große Sorge genommen werden. Seit Wochen treibt viele Anhänger geradezu panikartig der Gedanke um, es komme am Saisonende zum Relegationsduell um den Erstliga-Verbleib mit Zweitligist FC St. Pauli. Und der ungeliebte Stadtrivale sei dann dafür verantwortlich, dass der HSV in der Zweitklassigkeit versenkt wird. Es wäre die größte anzunehmende Schmach.

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Fotostrecke: Grüße vom Abgrund

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Dazu wird es wohl nicht kommen. So wie es sechs Spieltage vor Saisonschluss um den HSV steht, wird der Verein die Relegation gar nicht erst erreichen. Nach dem 1:3 bei Borussia Mönchengladbach geht es jetzt Richtung Direktabstieg. Es wird Zeit, den Abgesang anzustimmen. Der Hamburger SV wird nach 51 Jahren die Bundesliga verlassen.

Die Fakten: Der HSV steht auf Platz 17, nur zwei Punkte vor dem Schlusslicht Eintracht Braunschweig. Mit Pierre-Michel Lasogga hat sich in Mönchengladbach der einzige HSV-Spieler verletzt, mit dem in dieser Saison die Hoffnung verknüpft ist, er treffe ab und an auch mal das Tor.

Restprogramm macht gar keine Hoffnung

Das Restprogramm der Hamburger ist im Vergleich zur Konkurrenz mit "schwer" nur äußerst harmlos umschrieben: Daheim geht es gegen die drei Top-Five-Clubs Leverkusen, Wolfsburg und den FC Bayern. Auswärts muss das Team von Trainer Mirko Slomka in Hannover, Augsburg und Mainz ran. Slomkas Auswärtsbilanz in dieser Spielzeit lautet: Zwölf Spiele (neun bei 96, drei beim HSV), zwölf Pleiten.

Aussichten, dass sich irgendetwas bessert? Nein. Das Team hat in Gladbach gut gespielt, es hat sogar geführt, es hat gute Torgelegenheiten herausgearbeitet, der Gegner war schwach - und der HSV hat trotzdem verloren. Solche Partien sind Sargnagel-Spiele.

Trainerwechsel bisher ohne Wirkung

Die Trainerwechsel von Thorsten Fink über Bert van Marwijk zu Mirko Slomka haben wenig bis gar keine Wirkung gezeigt. Das Team hat direkt nach den Wechseln zunächst wie ein Reanimierter agiert, der unvermittelt wieder Körperreaktionen zeigt. Danach aber ist die Mannschaft rasch in ihr gewohntes Siechtum verfallen.

Der VfB Stuttgart, Hannover 96, der 1. FC Nürnberg und der HSV haben in dieser Spielzeit ihre Trainer gewechselt, der VfB und der HSV sogar gleich zweimal. Alle vier stecken nach wie vor tief im Abstiegskampf, alle vier haben am Wochenende verloren. Kontinuität wäre möglicherweise ein Erfolgsrezept gewesen, dämmert es in Hamburg mittlerweile einigen der Verantwortlichen. Aber dafür ist es zu spät. In der Vorsaison hat der HSV die Spielzeit auf Platz sieben beendet. In Verein und Stadt war man damit eher unzufrieden.

Nur zur Erinnerung: Im Kader dieser Mannschaft steht mit René Adler der ehemalig beste Torwart Deutschlands, mit Heiko Westermann und Marcell Jansen sind zwei Defensivspieler vertreten, die regelmäßig im Aufgebot der Nationalmannschaft auftauchen. Mit Rafael van der Vaart verfügt der Club über einen, man muss allerdings einschränkend sagen, früheren europäischen Top-Star, dazu hat er mit Hakan Calhanoglu einen jungen Spieler mit allerbesten Perspektiven, einen, der international mit Sicherheit noch von sich reden machen wird. Allerdings wohl dann bei einem anderen Club.

Es wird dem HSV gerne und wiederholt vorgeworfen, dass er seine Ansprüche zu hoch schraubt, zu wenig Demut zeigt. Mit solchen Spielern jedoch muss man Ansprüche stellen können. Das Problem sind nicht die Ansprüche. Das Problem ist, wie dramatisch sie unterlaufen werden. Zu Slomkas Premiere auf der Bank wurde Borussia Dortmund 3:0 abgefertigt. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können. Die Mannschaft hat damit zu ihrem eigenen Nachteil den Beweis erbracht, zu solchen Spielen fähig zu sein. Daran ist sie zu messen. Nicht am 2:4 bei Eintracht Braunschweig.

Jedem HSV-Fan bleibt es von Herzen gegönnt, sich an Rettungsgedanken festzuhalten wie an einer Planke auf der Unterelbe. Hoffenheim hat im Vorjahr auch nur die Klasse erhalten, weil die Mannschaft am letzten Spieltag beim Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund gewann. Vor dem Spiel galt das als unmöglich. Wunderglauben ist im Fußball etwas, genau, Wunderschönes.

Diesem HSV hilft nur ein Wunder. Sonst nichts mehr.

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