HSV in der Krise "Meine Jungs sind Spitzenfußballer"

Wieder nichts: Auch der erneut zum Spiel mit Signalwirkung hoch gejazzte Champions-League-Auftritt beim FC Porto geriet für den HSV zum Debakel. Im Interview spricht Thomas Doll über die Gründe und seine Verantwortung für die Pleitenserie.

Frage: Thomas Doll, 1:4 beim FC Porto. Was zur Wende werden sollte, wurde erneut zu einer bitteren Niederlage. Wie gehen Sie damit um?

Thomas Doll: Es tut sehr weh. Wenn man sieht, wie viele Fans uns nach Porto begleitet haben. Mit wieviel Herzblut viele Leute für unseren Verein arbeiten, und wir können zurzeit nichts zurückgeben. Es ist keine einfache Situation, aber der stelle ich mich. Wir werden jetzt eine hammerharte Woche vor uns haben. Aber ich werde nicht mit gesenktem Kopf durch die Gegend laufen, sondern vorneweg marschieren.

Frage: Ist eine Situation denkbar, in der Sie sagen, das tue ich mir alles nicht mehr an?

Doll: Ich hänge mit solcher Leidenschaft an diesem Verein. Und wenn ich sehe, dass keiner mehr mit mir geht, sage ich, es waren zwei tolle Jahre, dann klebe ich nicht an meinem Stuhl. Aber so weit ist es noch nicht, ich habe das Gefühl, dass ich der Mannschaft noch viel geben kann.

Frage: Dennoch wartet der HSV nun seit 15 Pflichtspielen auf ein Erfolgserlebnis. Erreichen Sie das Team noch?

Doll: Wir haben sehr viel gesprochen in dieser Woche. Ich habe das Funkeln in den Augen der Jungs gesehen. Wir wollten uns hier unbedingt beweisen. Und dann werfen wir uns mit zwei Fehlern wieder alles um. Es liegt auch nicht an fehlender Abstimmung oder Ordnung. Wir bringen uns selbst immer wieder ins Hintertreffen. Es ist auch für mich nicht einfach, Woche für Woche individuelle Fehler anzusprechen.

Frage: Haben Sie denn noch Vertrauen in Ihre Mannschaft?

Doll: Ja, meine Jungs sind Spitzenfußballer, wir hatten in Porto zehn Nationalspieler in der Startaufstellung. Aber es ist wichtig, dass sie an sich glauben, und sie brauchen Vertrauen. Deshalb gehe ich voran. Es wäre falsch, jetzt den Kopf hängen zu lassen. Es liegt auch nicht an fehlender Leidenschaft. Wenn du eh schon mit einem Rucksack ins Spiel gehst und dann bindest du dir durch die Fehler noch einen Kühlschrank auf, dann hat man schwere Beine.

Frage: Drei Spiele in der Champions League, drei Niederlagen. Wie lautet Ihr Ziel für die ausstehenden Partien?

Doll: Wir hatten den großen Traum, uns in Europa zu zeigen. Jetzt geht es nur noch darum, unser Gesicht zu wahren und zu zeigen, dass der HSV nicht so schlecht ist.

Aufgezeichnet von Andreas Hardt, sid

FC Porto - Hamburger SV 4:1 (2:0)
1:0 Lisandro Lopez (14.)
2:0 Lucho Gonzalez (45.+3, Handelfmeter)
3:0 Helder Postiga (69.)
4:0 Lisandro Lopez (81.)
4:1 Trochowski (89.)
Porto: Helton - Fucile, Pepe, Bruno Alves, Cech - Raul Meireles - Lucho Gonzalez, Anderson (43. Jorginho) - Quaresma (80. Vieirinha), Helder Postiga (75. Bruno Moraes), Lisandro Lopez. - Trainer: Ferreira
Hamburg: Kirschstein - Benjamin (46. Fillinger), Wicky (54. Klingbeil), Mathijsen, Atouba (68. Guerrero) - de Jong - Mahdavikia, Sorin - Trochowski - Ljuboja, Sanogo. - Trainer: Doll Schiedsrichter: Hamer (Luxemburg)
Zuschauer: 31.109
Gelbe Karten: Quaresma, Fucile / Wicky, Ljuboja, de Jong

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