HSV-Trainer vor Abgang Scheiden tut Veh

Er ist gradlinig, engagiert und erfolgreich - trotzdem wird der Hamburger SV den Vertrag mit Trainer Armin Veh wohl nicht verlängern. Der Coach wird Opfer eines längst fälligen Umbruchs beim HSV, der anderen den Job retten soll.
HSV-Trainer Veh: "Jeder weiß, dass ich nur bis zum Sommer Vertrag habe"

HSV-Trainer Veh: "Jeder weiß, dass ich nur bis zum Sommer Vertrag habe"

Foto: Carmen Jaspersen/ dpa

Hamburg - Die Zahlen sprechen für sich: Zwölf von 18 möglichen Punkten hat der Hamburger SV seit der Winterpause eingespielt - nur einen weniger als der FC Bayern München. Der internationale Wettbewerb scheint wieder realistisch zu sein. Eigentlich sind das die Vorzeichen, um einen auslaufenden Vertrag mit seinem Trainer zu verlängern. Eigentlich.

Beim HSV ticken die Uhren einmal mehr anders. Während Trainer Armin Veh Ende Februar noch nicht weiß, ob der Verein auch für die kommende Saison mit oder ohne ihn plant, widmete sich die Clubführung ihrer Lieblingsbeschäftigung: der Sportchefsuche. 607 Tage dauerte diese insgesamt. Nach der Absage von Matthias Sammer hat die angeschlagene Clubführung nun mit Frank Arnesen zumindest einen Mann mit wohlklingender Vita verpflichtet.

Veh konnte sich nicht so recht über den ersten Zugang für die neue Saison freuen. Seine Aussagen nach dem 4:0-Sieg im Nordderby am vergangenen Wochenende gegen Werder Bremen ließ eine gewisse Resignation erkennen. "Hier ist eine Stimmung, als hätten wir minus zehn Punkte", hatte Veh gesagt. Angesprochen auf seine Zukunft wich er ins Philosophische aus. "Bis zum 1. Juli bin ich HSV-Trainer. Jeder weiß doch, dass ich nur noch bis zum Sommer einen Vertrag habe."

Einiges spricht dafür, dass Veh und der HSV dann getrennte Wege gehen. Den Verantwortlichen war die Verpflichtung eines hochkarätigen Sportchefs offenbar wichtiger, als frühzeitig die Trainerfrage zu klären. Seit der Aufsichtsratswahl im Januar, bei der vier Kritiker Bernd Hoffmanns in das Kontrollgremium eingezogen sind, ist der HSV-Vorstandsvorsitzende mehr damit beschäftigt, Argumente für seine Vertragverlängerung zu liefern, anstatt sich um die seines Trainers zu kümmern.

Seine eigene Zukunft zu sichern, scheint Hoffmann mit dem Arnesen-Coup gelungen zu sein. Zudem hat der HSV-Boss offenbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und will durch einen starken Mann auf dem Sportdirektor-Posten endlich für Kontinuität sorgen. Veh reagierte nach dem Sieg gegen Werder zurückhaltend auf den neuen starken Mann beim HSV. "Es ist ganz entscheidend für die nächsten Jahre, wenn so eine Personalie kommt. Das ist für den HSV eine gute Sache." Von "wir" war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr die Rede.

Veh forciert die Entscheidung

Daran, dass es aller Voraussicht nach keine gemeinsame Zukunft geben wird, ist Veh nicht ganz unschuldig. Bereits in der Winterpause wirkte er amtsmüde, tagelang wurde über seinen Rücktritt spekuliert. Veh eckt zudem mit seiner gradlinigen Art immer wieder an. Auch, weil er sich traut, Spieler in aller Öffentlichkeit zu kritisieren oder verdiente Profis wie Piotr Trochowski auf die Bank zu setzen. Erschwerend hinzu kommt für den Stuttgarter Meistertrainer die 0:1- Niederlage im Stadtderby gegen den FC St. Pauli. Davon erholt sich in Hamburg keiner so schnell.

Auch in der jetzigen Phase taktiert der 50-Jährige nicht. Stattdessen forciert er eine Entscheidung. "Ich werde mich zeitnah mit einem klaren Statement zu diesem Thema äußern. Ich kann die Dinge selbst entscheiden und habe keine Lust herumzueieren", sagte Veh.

Bis zum 31. Mai können Verein und Trainer aus dem bis 2012 befristeten Vertrag aussteigen. Veh kündigte bereits an, dass er für sich eine Entscheidung getroffen habe. Nur öffentlich kommunizieren mochte er diese bisher nicht. "Eigentlich verlängert man so einen Vertrag, wie ich ihn habe, im Winter", sagt Veh. Noch so eine Äußerung, die tief blicken lässt.

Der HSV hat angekündigt, sich im März mit der Trainerpersonalie auseinanderzusetzen. Ob Veh so lange Geduld aufbringen wird, scheint fraglich. SPIEGEL ONLINE erfuhr aus Vereinskreisen, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht gefallen ist.

Die "Hamburger Morgenpost" weiß da offenbar mehr. "Veh gibt auf", titelte die Boulevardzeitung am Mittwoch und sagt voraus, dass der "HSV-Trainer im März seinen Abschied bekannt gibt". Derzeit sieht vieles danach aus, als sollten die Kollegen am Ende richtig liegen. Selbst dann, wenn der HSV weiter Punkt für Punkt einfährt.

Mit Material von dpa und sid
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