Bundesliga HSV trennt sich von Trainer Thorsten Fink

Schlechte Mannschaftsführung, kaum Punkte, kein System: Der HSV hat sich von seinem Trainer Thorsten Fink getrennt. Ein möglicher Nachfolger bittet sich Bedenkzeit aus.

Trainer Thorsten Fink (Archivbild): Abgang des einstigen Hoffnungsträgers
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Trainer Thorsten Fink (Archivbild): Abgang des einstigen Hoffnungsträgers


Hamburg - Thorsten Fink ist nicht länger Trainer des Hamburger SV, das bestätigte der Coach dem Radiosender NDR 90,3. "Ich bin stolz, die zwei Jahre hier gewesen zu sein. Ich habe einen tollen Verein trainiert", sagte Fink: "Jetzt ist es noch früh genug, dass man die Ziele erreicht - auch noch mit einem anderen Trainer."

Das "Hamburger Abendblatt" berichtet in seinem HSV-Blog, dass es bereits erste Gespräche mit dem ehemaligen Hertha- und Hoffenheim-Coach Markus Babbel gegeben habe. Babbel habe sich Bedenkzeit auserbeten. Der HSV hat für 11.30 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt.

Noch am Montag hatte Vorstandschef Carl Jarchow den Druck auf den Trainer erhöht. "Ich habe grundsätzlich immer einen langen Atem. Im Vorstand erwarten wir aber schon, dass gewisse Dinge umgesetzt werden. In Dortmund hat sich das Debakel von Hoffenheim wiederholt - die Defensive ist unser Schwachpunkt, diese Fehler müssen wir umgehend abstellen", hatte Jarchow gesagt und Fink ausdrücklich in die Verantwortung genommen: "Das ist sein Job." Das Team müsse jetzt schleunigst anfangen zu punkten.

Doch 15 Gegentreffer in fünf Spielen waren am Ende wohl zu viel. Das 2:6 am Samstag in Dortmund war nach dem 1:5 im eigenen Stadion gegen 1899 Hoffenheim bereits die zweite Klatsche in der noch jungen Saison. In der momentanen Verfassung droht dem HSV sogar der Abstiegskampf. Nach fünf Spielen fehlt dem Hamburger Spiel eine klare Linie, an dem sich die Spieler orientieren können.

Die teilweise unterirdischen Bundesliga-Auftritte der Hamburger waren nicht die einzigen Dinge, die in der Hansestadt übel aufstießen. Neben der Spiel- wurde zunehmend auch die Mannschaftsführung des gebürtigen Dortmunders kritisiert. So flog Fink nach einem Gespräch mit Kreuzer am Sonntagvormittag zu seiner Familie nach München, anstatt das Auslaufen der Mannschaft zu betreuen.

"Das ist ziemlich unglücklich zu dem Zeitpunkt, das werden wir noch mal besprechen", sagte Kreuzer am Montag beim Fernsehsender Sky. "Das Thema Trainer stellt sich für mich Stand heute nicht", hatte Kreuzer zwar noch gesagt, zugleich aber eingeschränkt: "Was weiß ich, was morgen ist?" Es dauerte noch nicht einmal bis morgen - schon wenige Stunden später ist Trainer Fink beim HSV offenbar Geschichte.

Bereits nach dem Hoffenheim-Spiel hatte Fink sich den Unmut des Vorstands auf sich gezogen, als er seinen Spielern zwei Tage frei gab. Auch die Posse um die aussortierten Slobodan Rajkovic und Michael Mancienne hat die Position des Trainers nicht gestärkt. Der Begnadigung der beiden Innenverteidiger durch Fink folgte am Wochenende das Machtwort von Kreuzer ("Beide machen kein Spiel mehr.").

Fink war am 17. Oktober 2011 als großer Hoffnungsträger vom FC Basel nach Hamburg gekommen. In seiner ersten Saison rettete der ehemalige Profi von Bayern München die Hanseaten vor dem Abstieg. In der darauffolgenden Spielzeit verfehlte er mit Platz sieben knapp die Europa League. Seine vollmundige Ankündigung, in dieser Saison mit dem Europa-League-Anwärter auf Augenhöhe zu sein, war schon nach fünf Spieltagen Makulatur.

sun/sid/dpa

insgesamt 104 Beiträge
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Werner655 17.09.2013
1. Babbel? - das darf doch nicht wahr sein
Man könnte fast zu der Annahme kommen, Fink hätte seinen Rauswurf zuletzt provoziert. Dass er die Schnauze voll hat, war ja bereits zuletzt mit zwei trainingsfreien Tagen dokumentiert worden. Jetzt untermauert mit seinem Heimaturlaub nach dem Dortmund-Desaster. Wer alledings jetzt den Dampfplauderer Babbel ins Boot holen will, hat vermutlich den Schuss nicht gehört!
saiber 17.09.2013
2. Fisch stinkt vom Kopf her
Fink ist nur ein weiteres Opfer der ideenlosen und dilletanischen HSV Führung. Seit Jahrzehnten schaffen sie es immer wieder den HSV trotz seiner Möglichkeiten ins Chaos zu stürzen. Treuer HSV-Fan und den HSV im Herzen zu tragen reicht halt nicht immer aus um auch den Verein HSV zu führen. In der Führung sind zu viele Wichtigtuer und Selbstdarsteller und selten richtige Fachleute so wie beim FCB.
uwehsv30 17.09.2013
3. danke herr jarchow.
Endlich mal eine vernuenftige entscheidung beim hsv. Ich hoffe nur es wird der richtige trainer geholt, der etwas vorzuweisen hat. Mein wunsch jol,stevens oder ein ähnliches kalieber! Bitte herr kreuzer denken sie noch mal ueber mancienne und raikovic nach, diese wieder zu den profis zu holen. Denn jetzt muss alles fuer den erfolg getan werden. In diesem sinne nur der hsv.
markus.pfeiffer@gmx.com 17.09.2013
4. :d
Der HSV galt schon vor der letzten Saison als heißer Abstiegskandidat. Dass man dann mit dem Kader und in dem Umfeld 7. wurde zeigt, was für ein hervorragender Trainer Fink ist. Fink wird nicht lange arbeitssuchend bleiben, sein Nachfolger beim HSV wird spätestens Mitte der Rückrunde wieder arbeitssuchend sein, der Trainerstuhl beim HSV wird noch lange Zeit ein Schleudersitz bleiben.
marcel75 17.09.2013
5. Nur eine der vielen Baustellen
Grund für diese Instabilität ist seit Jahren eine Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Wir sind nun einmal sportlich und finanziell längst nicht mehr auf Augenhöhe mit dem BVB, vielmehr können wir uns freuen, wenn wir von Werder nicht auch noch als Sparringspartner benutzt werden. Was wir jetzt brauchen, ist ein Trainertyp wie Christian Streich, der die Herren auf dem Platz richtig in den Allerwertesten tritt und auch mal einen richtigen Ausraster bekommt, der die Truppe richtig einstellt und sie aufrichten kann, wenn es mal dumm gelaufen ist. Aber wer soll denn freiwillig hier herkommen? Babbel? Magath? Irgendein Jugendtrainer? Dann können wir HSV-Fans uns wirklich bald auf Aue oder Paderborn einstellen...
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