HSV - Werder 0-0 Die auf dem Zahnfleisch gehen

Ohne sieben Stammspieler erreichte der Hamburger SV im ausverkauften Wolkspark gegen Werder Bremen ein 0:0. Damit dürfte die Mannschaft jedoch die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison geschafft haben.


Hamburg - Durch ein 0:0 gegen Werder Bremen im mit 52.800 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion verbuchte die der Hamburger SV seinen 55. Punkt in dieser Saison und hat das Saisonziel Uefa-Cup-Platz damit so gut wie sicher. Die Bremer dagegen warten weiter auf den ersten Auswärtssieg in diesem Jahr und verloren im Rennen um die beiden Qualifikationsplätze für die Champions League weiter an Boden. Der ohne sieben Stammspieler angetretene HSV bezahlte den Punktgewinn allerdings teuer: Ersatz-Spielmacher Thomas Doll (56.) humpelte mit einer Oberschenkelverletzung vom Platz und auch Abwehrchef Nico Jan Hoogma wird im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt nach der fünften Gelben Karte fehlen. "Momentan gehen wir auf dem Zahnfleisch", klagte Bernd Hollerbach.

Eilts (l.) räumt "Hindernis" Kovac aus dem Weg
DPA

Eilts (l.) räumt "Hindernis" Kovac aus dem Weg

Die Bremer begannen gegen den ersatzgeschwächten HSV stürmisch. Die Hamburger, die auf die verletzten oder gesperrten Rodolfo Esteban Cardoso, Anthony Yeboah, Ingo Hertzsch, Dimitrios Grammozis, Kapitän Martin Groth, Harald Spörl und Karsten Bäron verzichten mussten, fanden in der Anfangsphase kein Rezept gegen die offensiv agierenden Gäste. Nach zehn Minuten vergab Spielmacher Andreas Herzog die erste Werder-Chance. Wenig später war Ailton Concalves da Silva im Pech. Erst nach einer halben Stunde gewann der Angriff der bis dahin enttäuschenden Gastgeber etwas an Durchschlagskraft. Thomas Doll (30.), Mehdi Mahdavikia (34.) vergaben knapp, ehe Roy Präger (36.) sogar die Latte traf.

Nach dieser Großchance gehörte auch die Schlussphase der ersten Halbzeit den Hausherrn. Der nach der Auswärtspleite in Bielefeld neu ins Team gekommene Andreas Fischer flankte, Torwart Frank Rost und seine Abwehrspieler lagen mit dem Ball vor dem Tor. Die Zuschauer forderten einen Strafstoß, doch Schiedsrichter Hartmut Strampe (Handorf) ließ weiterspielen.

Nach der Pause spielte der HSV weiter schwungvoll auf. Mahdavikia, der erst am Freitag von seiner Länderspielreise aus dem Iran zurückgekommen war, vergab kläglich. Danach hatten die Bremer erneut Glück, als Torsten Frings einen Hoogma-Kopfball von der Linie pflückte. In der turbulenten Schlussphase hatte Niko Kovac (83.) den Siegtreffer auf dem Fuß. Das 28. Unentschieden im 72. Bundesliga-Nordderby bescherte dem HSV zwar das Erreichen der von Trainer Pagelsdorf vor der Saison ausgegebenen 55 Punkte-Ziel. Doch einmal mehr zeigte sich, dass dem HSV zu einer echten Spitzenmannschaft noch einiges fehlt.

Auch das neue Volksparkstadion präsentierte sich im Hamburger Schmuddelwetter ohne Regencape: Nachdem in den vergangenen Wochen Teile des 29 Millionen Mark teuren Dachs eingedeckt worden waren, wurde die Konstruktion in den Tagen vor dem Spiel vom Winde zerstört. Die Kunststoffplane von 800 Quadratmetern, die bereits aufgezogen waren, wurde aufgerissen und musste wieder entfernt werden. Kosten des Dachschadens: 200.000 Mark.



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