Nach dem Klassenerhalt Wie die Zukunft des HSV aussieht

Nur knapp ist der Hamburger SV dem Abstieg entkommen. Nun soll sich alles ändern. Stars wie van der Vaart und Lasogga stehen vor dem Abschied, der Verein steht vor einer historischen Strukturreform.

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Hamburg - Nach einer wilden Party war den Profis des Hamburger SV beim Heimflug nicht zumute. Zwar hatten die Spieler in Fürth knapp den Klassenerhalt gesichert - das Jahr war jedoch insgesamt ein Desaster für den Traditionsverein. "Am Ende müssen wir einfach nur dankbar sein, dass wir mit zwei blauen Augen aus der Saison gekommen sind", sagte Marcell Jansen. Noch deutlicher formulierte es sein Mannschaftskollege Dennis Diekmeier: "Das war eine harte, beschissene Saison."

Nun soll der Verein neu aufgestellt werden. Am Sonntag stimmen die Mitglieder über die Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Aktiengesellschaft ab. Mit der neuen Struktur könnten Investoren beim HSV einsteigen. Das wiederum könnte dem hochverschuldeten Klub Möglichkeiten geben, dringend benötigte neue Spieler zu kaufen.

Wie geht es weiter beim Fast-Absteiger? Neben Transfergerüchten um die wichtigsten Spieler ist auch die Zukunft der sportlichen Leitung offen. Die größten Baustellen beim HSV im Überblick.

Was wird aus Torjäger Pierre-Michel Lasogga?

Ohne seine Tore wäre der HSV abgestiegen: Pierre-Michel Lasogga traf in 22 Spielen 14-mal, sein Treffer beim 1:1 in Fürth sicherte schließlich den Klassenerhalt. Zugleich dürfte dieses Tor Lasoggas Abschiedsgeschenk an den HSV gewesen sein. Der Angreifer ist von Hertha BSC ausgeliehen und muss nach Berlin zurück - zumindest vorerst. Möglicherweise verkaufen ihn die Berliner weiter, offenbar sind mehrere Klubs aus England interessiert. Der HSV könnte sich einen Kauf Lasoggas ohnehin kaum leisten.

Was passiert mit van der Vaart, Westermann und Jansen?

Der Kader des HSV wird sich zur neuen Saison stark verändern. Die Verträge von Robert Tesche und Tomás Rincón laufen aus, die beiden Mittelfeldspieler werden wohl wechseln. Mehrere prominente Spieler sind noch bis 2015 an den HSV gebunden - wenn der Verein eine Ablösesumme kassieren will, muss er sie in diesem Sommer verkaufen (oder ihre Verträge verlängern).

Das betrifft unter anderem Marcell Jansen, Heiko Westermann, Tolgay Arslan, Jaroslav Drobny und Kapitän Rafael van der Vaart. Bei van der Vaart geht die Tendenz trotz Vertrages bis 2015 Richtung Abschied, ein möglicher neuer Arbeitgeber des Holländers ist nach Informationen von SPIEGEL ONLINE ein Klub aus Istanbul. Jungstar Hakan Calhanoglu soll unbedingt bleiben, angeblich hat aber Bayer Leverkusen Interesse an dem Offensivspieler, der beim HSV einen Vertrag bis 2018 hat. Ein Ablöseangebot in zweistelliger Millionenhöhe könnten die Hamburger kaum ausschlagen.

Wie wird der HSV in der kommenden Saison spielen?

Trainer Mirko Slomka hat mehrfach betont, dass er beim HSV bleiben will - selbst im Falle eines Abstiegs. Da er noch einen Vertrag bis 2016 hat, die Hamburger bereits diverse Abfindungen an Extrainer zahlen müssen und mussten, wird der 46-Jährige mit höchster Wahrscheinlichkeit auch in der kommenden Saison den Fast-Absteiger trainieren.

Beim HSV hofft man, dass Slomka wiederholen kann, was ihm bei Hannover 96 gelungen ist: 2010 rettete er den kleinen HSV und führte den Klub danach zweimal in Folge in den Europapokal. Dank eines attraktiven Konterfußballs legte 96 sogar das Image als Langweiler der Liga ab.

Slomka wird versuchen, auch beim HSV auf Konter zu setzen. Hauptaugenmerk sollte dabei auf der Fitness der Spieler liegen, in der Relegation wurde deutlich, dass dies eines der größten Mankos der Hamburger war. Für einen sicheren Klassenerhalt muss Slomka aber auch die Defensive stärken. Zumindest Ansätze dazu waren in den vergangenen Wochen zu sehen. Offensiv hängt derzeit noch zu viel von externen Einflüssen ab, sollte neben Lasogga und van der Vaart auch Calhanoglu gehen, fehlt der Mannschaft jede Torgefahr.

Wie ist die finanzielle Lage?

Der Hamburger SV liegt beim Umsatz auf Platz vier der Bundesliga, der Etat beträgt etwa 135 Millionen Euro. Davon fließen allein rund 40 Millionen Euro in den Kader.

Das hat Folgen, die Schulden wachsen kontinuierlich. Vor drei Jahren betrug das Minus beim HSV 4,9 Millionen Euro, 2012 waren es 6,6 Millionen Euro und im vergangenen Jahr 9,8 Millionen Euro. Damit sind die Verbindlichkeiten insgesamt auf rund hundert Millionen Euro gestiegen. Von den Banken bekommt der HSV schon seit Längerem keine Kredite mehr. Geld aus Fan-Anleihen wurde zweckentfremdet. Der Verein verweist aber immer auf das Stadion als Sicherheit.

Zwar erhält der HSV nach aktuellem Stand die Lizenz für die kommende Spielzeit, die Deutsche Fußball-Liga (DFL) stellte aber Bedingungen. Der Fast-Absteiger muss eine Liquidität von vier Millionen Euro nachweisen und einen Überschuss von mindestens zehn Millionen Euro erzielen. Laut "Hamburger Abendblatt" verhandelt der Klub mit dem Bankenkonsortium, das das Stadion finanziert, über einen Zahlungsaufschub in Höhe von sieben Millionen Euro.

Wie geht es beim HSV weiter?

Am Sonntag gibt es eine wegweisende außerordentliche Mitgliederversammlung. Dort will die Initiative HSVPlus durchsetzen, dass die Profi-Abteilung aus dem Verein ausgegliedert wird. Das wird den Einstieg von Investoren ermöglichen. Der Milliardär und Edel-Fan Klaus-Michael Kühne hat für diesen Fall eine "maßgebliche Unterstützung" angekündigt, zuletzt war von 25 Millionen Euro die Rede.

Doch die Initiatoren brauchen für ihre Strukturreform eine Mehrheit von 75 Prozent. Dass diese zustande kommt, ist keineswegs sicher. HSV-Allianz, ein Bündnis aus Exspielern wie Manfred Kaltz und profilierten Mitgliedern wie Expräsident Jürgen Hunke, macht gegen die Reform mobil. Sie warnen: Die Vereinsmitglieder würden Stimmrechte einbüßen und bei einem Einstieg von Hedgefonds könnte der HSV sein Stadion und seine Markenrechte verlieren.

Was wird aus Carl Jarchow und Oliver Kreuzer?

Im Fall einer Annahme der Strukturreform ist Präsident Carl Jarchow so gut wie weg. Sein Vertrag läuft zwar bis Mai 2015, den Vorschlag von HSVPlus, als Präsident des e.V. in den Aufsichtsrat zu wechseln, soll Jarchow aber bereits abgelehnt haben.

Auch Sportdirektor Oliver Kreuzer hätte nach der Strukturreform wohl keine Zukunft beim HSV. Wunschkandidat der Initiative ist Dietmar Beiersdorfer. Der hat allerdings noch einen Vertrag bei Zenit St. Petersburg bis 2015. Wie schnell er nach Hamburg wechseln könnte, ist unklar. Und das dürfte auch bei einem Erfolg von HSVPlus nicht die einzige Frage sein, die nach Sonntag offenbliebe.

insgesamt 76 Beiträge
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sekundo 19.05.2014
1. ohne häme
ein abstieg wäre besser gewesen. in einer unteren ligahätte der verein sich regenieren können. nun wird sich nichts ändern. schlüsselspieler (wenn man beimhsv überhaupt davon sprechen kann) werden den club verlassen. der rest des miserablen kaders wird demabstieg endgültig entgegen wackeln. zumindest ist zuhoffen, dass der komplett überforderte oliver kreuzergefeuert wird. der hatte vor saisonbeginn noch davongelallt, dass es nur drei bis vier mannschaften in derbundesliga gibt, die dem hsv das wasser reichen können! was macht der mann eigentlich hauptberuflich?!?!?
PeterPan95 19.05.2014
2. Man man man
Schon ist wieder die Rede von Europapokal...
retterdernation 19.05.2014
3. Gott sei Dank...
hat der HSV die Liga gehalten. Kein anderer Verein hat in der vergangenen Saison so sehr die Schlagzeilen bestimmt, wie die Hamburger. Teilweise ließen sie sogar die Bayern damit hinter sich. Mit dem Unterschied, dass beim HSV von A-Z alles negativ belegt war. Und so wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch weiter gehen, denn so viele Millionen kann es garnicht regnen, wie der Verein braucht. Da werden die 20 Millionen, die Gönner in den Verein pumpen wollen, bald versickert sein. Allein Sportdirektor Beiersdorfer wird schon mehrere Millionen für seine Vertragsauflösung und Lohn auf sich ziehen. Hamburg wird also weiter für Schlagzeilen sorgen. Spaß und Unterhaltung sind garantiert.
raumzeit3000 19.05.2014
4. HSV muss ich aus der Geiselhaft der Supporters befreien...
...ansonsten bleiben Ahnungslose an der Macht. Die Fan-Clique hat den unfähigen Aufsichtsrat an die Macht gehievt etc....
torte111 19.05.2014
5. Kranker Verein...,
Zitat aus dem Artikel:"...das wiederum könnte dem hoch verschuldeten Klub Möglichkeiten geben, dringend benötigte neue Spieler zu kaufen..." Was ist hier los?!? Wir sind nicht in Spanien und England, sondern in der Bundesliga. Entweder wird hier mit jungen, preiswerten und erfolgshungrigen Spielern der Umbruch geschafft oder der Verein muss dahin wo er hingehört, nämlich (zumindest) in die zweite Liga!
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