Premier-League-Klub Huddersfield Letzter - na und?

Wie oft lässt sich ein Märchen neu schreiben? Huddersfield Town hat es in der zweiten Saison in der Premier League schwer. Trainer David Wagner ist aber unbesorgt - und will den letzten Tabellenplatz einfach ignorieren.

Huddersfield-Coach David Wagner
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Huddersfield-Coach David Wagner

Aus Huddersfield berichtet


In den Stadien der Premier League ist es üblich, dass viele Zuschauer nicht auf den Abpfiff warten. Sie machen sich schon vorher auf den Heimweg, unabhängig vom Spielstand, um nicht im Verkehrschaos gefangen zu werden. Bei Huddersfield Town hat sich diese Eigenart noch nicht durchgesetzt. Das war am Wochenende gegen Tottenham Hotspur wieder einmal zu sehen und zu hören.

Es waren nur noch wenige Minuten zu spielen, der Sieger stand schon fest. Tottenham führte 2:0, dabei sollte es auch bleiben. Trotzdem verließ niemand der knapp 24.000 Zuschauer seinen Platz. "Blue and white army!", sang das ganze Stadion mit Ausdauer. Der Klang von knapp 24.000 Klatschpappen gab den Rhythmus vor. Der gegnerische Trainer Mauricio Pochettino sprach hinterher von "der besten Atmosphäre Englands", und Huddersfields Coach David Wagner deutete die ungebrochene Euphorie des Publikum als Kompliment für sein Team. "Kein Fan würde seine Mannschaft so leidenschaftlich unterstützen, wenn die Spieler nicht alles gegeben hätten", sagte er.

An der Heimspiel-Stimmung und der Kampfbereitschaft von Wagners Profis gibt es nichts auszusetzen. Trotzdem gestaltet sich Huddersfields zweite Saison in der Premier League nach dem märchenhaften Aufstieg im vergangenen Jahr und dem ähnlich märchenhaften Klassenerhalt bislang kompliziert.

Nach sieben Spielen wartet die Mannschaft immer noch auf einen Sieg (wie auch Newcastle und Cardiff) und ist Tabellenletzter. Sonderlich überraschend ist das nicht. Englands Medien haben Huddersfield vor der Spielzeit übereinstimmend zum Abstiegskandidaten gekürt.

Im Angriff geht wenig zusammen

Dabei ist der Kader im Sommer sogar noch besser geworden, zumindest in der Theorie. Nur ein Stammspieler hat den Klub verlassen, nämlich der offensive Mittelfeldmann Tom Ince. Unter anderem wurde die Mannschaft durch den ägyptischen WM-Teilnehmer Ramadan Sobhi verstärkt, der von Stoke City kam.

Doch Huddersfield hat ein Problem aus der abgelaufenen Spielzeit in die neue Kampagne überführt, nämlich die Harmlosigkeit im Angriff. In der Vorsaison schoss das Team (zusammen mit Absteiger Swansea) die wenigsten Tore der Liga. Selbst der Tabellenletzte West Bromwich Albion traf öfter. In dieser Spielzeit hat Huddersfield erst dreimal getroffen. Vor eigenem Publikum wartet die Mannschaft - saisonübergreifend - seit sechs Spielen auf ein Tor.

David gegen Goliath: Mathias Jorgensen gegen Harry Kane
AFP

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Gegen Tottenham hätte das Warten beinahe ein Ende gefunden. Huddersfield hielt im heimischen Klatschpappen-Inferno gut mit und hatte mehrere ordentliche Gelegenheiten, die beste durch einen Volleyschuss von Angreifer Laurent Depoitre an die Unterkante der Latte. Für Trainer Wagner ist es nur eine Frage der Zeit, bis seine Mannschaft den ersten Sieg einsammelt. "Wenn wir weiter so auftreten, werden wir irgendwann belohnt, daran habe ich keinen Zweifel", sagt er.

Wagner blendet die Resultate aus

Seiner Meinung nach wäre es ein Fehler, die beiden Saisons - die vergangene und die neue - miteinander zu vergleichen. Tue man das doch, werde jeder allerdings feststellen, dass Huddersfield auch in der Spielzeit des Klassenerhalts Dürrephasen gehabt habe. Das stimmt, vier Niederlagen am Stück, fünf Niederlagen am Stück - das kam alles vor.

Allerdings besaß Wagners Mannschaft die Kunst, immer dann zu gewinnen, wenn es wirklich nötig war. In der neuen Saison wäre es langsam an der Zeit für einen solchen Sieg. Wagners Rezept dazu: einfach die frustrierenden Ergebnisse ausblenden. "Wir müssen uns unabhängig von den Punkten und der Tabelle machen und uns einfach auf unsere Arbeit fokussieren", sagt er.

Ein Spieler, der dabei helfen soll, dass Huddersfield die nächste Fortsetzung des eigenen Märchens schreibt, ist Erik Durm. Der deutsche Ex-Nationalspieler, der sich als Mitglied der 2014er-Reisegruppe nach Brasilien Weltmeister nennen darf (ohne Einsatz beim Turnier vor vier Jahren), hat sich in der jüngeren Vergangenheit mit allen möglichen Verletzungen herumschlagen müssen und fiel in der abgelaufenen Saison bei Borussia Dortmund komplett aus.

In England will er seine Karriere wieder in Schwung bringen und spielte gegen Tottenham zum zweiten Mal nacheinander durch. Wie Trainer Wagner, mit dem er schon in Dortmund bei der zweiten Mannschaft zusammengearbeitet hat, ist auch er guter Hoffnung, dass es bald klappt mit dem ersten Sieg. "Wir sind gegen jede Mannschaft ein guter Gegner und können in jedem Spiel unsere Punkte holen", sagt er.

Durm hat Erfahrung mit prekären Tabellensituationen. Er war dabei, als der BVB in der Saison 2014/2015 in der Bundesliga zwischenzeitlich auf den letzten Platz abrutschte. Am Ende war der Klub Siebter.

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dirk.spilker 01.10.2018
1. Schlampig übersetzt?
"Doch Huddersfield hat ein Problem aus der abgelaufenen Spielzeit in die neue Kampagne überführt, [...]. " ....aus dem englischen "campaign"?
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