Erste Trainerin im Männerfußball Das schnelle Ende einer schönen Geschichte

Als erste Frau trainiert Imke Wübbenhorst ein Männerteam in den ersten fünf deutschen Fußballligen. Am Ende der Saison ist aber schon wieder Schluss beim BV Cloppenburg. Das wirft Fragen auf.

Imke Wübbenhorst, Trainerin BV Cloppenburg
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Imke Wübbenhorst, Trainerin BV Cloppenburg

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Der BV Cloppenburg hat seine besten Zeiten womöglich hinter sich. Dass über einen Trainerwechsel des niedersächsischen Oberligisten im Dezember bundesweit berichtet wurde, lag allein daran, dass der neue Trainer eine Trainerin war. Imke Wübbenhorst, zuvor Trainerin der in der 2. Bundesliga spielenden Cloppenburger Frauenmannschaft, übernahm das abstiegsbedrohte Männerteam und war damit die erste Trainerin in einer der ersten fünf deutschen Männerligen. Manche Medien nannten die 30-Jährige eine "Pionierin".

Drei Monate später steht diese Pionierarbeit jedoch bereits vor dem Ende. Am Donnerstag verkündete der Verein, dass Wübbenhorst nicht über den Sommer hinaus bleiben werde. Von sportlichen Gründen war dabei keine Rede. In vier Partien holte Wübbenhorst mit dem Tabellenletzten immerhin zwei Remis.

"Wir brauchen Planungssicherheit", sagte der neue Vorstandsvorsitzende des BV Cloppenburg, Dr. Jürgen Vortmann, der "Nordwest-Zeitung" und betonte, die Entscheidung habe nichts damit zu tun, dass Wübbenhorst eine Frau sei. "Bei einem Mann hätten wir ähnlich entschieden", so Vortmann.

Wübbenhorst will den Fußballlehrer-Schein machen

Einen konkreten Grund nannte der Verein nicht für die Trennung im Sommer - und das wirft Fragen auf. Die Planungssicherheit sah Vortmann womöglich gefährdet, weil sich Wübbenhorst beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für den Fußballlehrer-Lehrgang beworben hat, der im Sommer beginnen würde. Mitte April nimmt sie zunächst an der Eignungsprüfung teil.

Es ist also bisher gar nicht sicher, ob Wübbenhorst den Fußballlehrer-Schein des DFB überhaupt machen darf. Und es gab darüber hinaus schon Beispiele von Trainern, die Vereinsarbeit und Ausbildung gleichzeitig meisterten. Am Donnerstag erhielt etwa Cristian Fiél seine Fußballlehrer-Lizenz. Fiél ist seit Ende Februar Cheftrainer des Zweitligisten Dynamo Dresden und hat den Verein bereits im August 2018 als Interimstrainer betreut.

Wübbenhorst selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Nach Informationen des SPIEGEL aber hatte sie ihrer Mannschaft schon am Mittwoch mitgeteilt, dass sie im Sommer zurücktreten werde. Grund dafür sind die schwierigen Arbeitsbedingungen im Verein. Vortmann sagte dazu: "Imke ist da mit vielen Dingen nicht einverstanden. Das hat sie mir auch so gesagt. Unter anderem mit den Trainingsbedingungen."

Vortmann sagte auch, ihm sei bewusst, dass er jetzt kritisiert werde, "und mich viele Leute für einen Macho halten werden". Die Entscheidung aber habe er so treffen müssen. Wübbenhorst lobte er trotzdem: "Imke ist mit viel Mut diesen Weg gegangen. Sie ist eine echte Fußballkennerin, und wir wünschen ihr alles Gute." Es ist das schnelle Ende einer Pioniergeschichte.

Sarkastische Äußerungen in einem Interview

Wübbenhorsts Berufung zur Cheftrainerin im Dezember folgte ein großes Medienecho. Ihre sarkastische Antwort in einem Interview mit der "Welt", "ich stelle nach Schwanzlänge auf", griffen selbst Medien aus Hongkong auf. Sogar Interviewanfragen aus Brasilien soll es gegeben haben.

Aber auch Ressentiments begleiteten den Trainerwechsel. Stephan Tönnies begleitet den Klub als Reporter für die "Nordwest-Zeitung". Einige Kommentare seien "Machst du Witze?!", oder "Das kann doch nicht dein Ernst sein, was du da geschrieben hast?", so Tönnies über das Feedback zu seinen Artikeln. "Wir hatten zwar das Jahr 2018, aber manch Fan oder Kenner des BVC konnte nicht kapieren, dass eine Frau den Posten übernimmt", sagt der Journalist.

Zuvor hatte sich Wübbenhorst bereits bei anderen Männerteams beworben. Es hagelte Absagen. In der prekären Situation in Cloppenburg bekam sie ihre Chance.

Der Verein steckt in finanziellen Schwierigkeiten

Den Klub plagen seit Jahren Geldprobleme. Mehrfach schon konnten Spieler nicht bezahlt werden. In den vergangenen zwölf Monaten mussten bereits drei Vorstände neu benannt werden. Nun, im Jahr seines hundertsten Geburtstages, musste der BV Cloppenburg mitteilen, dass der Verein für den Erhalt des Spielbetriebs der laufenden Saison mindestens 250.000 Euro benötige.

Dennoch schien es zunächst zu passen zwischen Wübbenhorst und dem BVC. Obwohl sie mit einem Kader auskommen musste, der vor der Saison mit A-Jugendspielern aufgefüllt wurde.

Gerade in die Zeit der Ruhe, in der lediglich Lokalzeitungen über Niederlagen gegen Gifhorn oder Unentschieden gegen Hagen/Uthlede berichteten, verkündet der Klub nun die Trennung. Gerade, als sich das konservative Cloppenburg an eine Trainerin im Männerfußball gewöhnt hatte.

Imke Wübbenhorst träumt davon, Profitrainerin zu werden. Um sich diesen Traum zu erfüllen, muss sie Cloppenburg verlassen.



insgesamt 19 Beiträge
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meinsenf123 29.03.2019
1.
"das wirft Fragen auf".. Womit sich Vereine künftig sehr gut überlegen werden ob sie eine Frau einstellen.
Skakesbier 29.03.2019
2. Super-Bilanz:
"In vier Partien holte Wübbenhorst mit dem Tabellenletzten immerhin zwei Remis." - ergo 2 von 12 möglichen Punkten! Reicht eben nicht - außer für den Abstieg!
okav 29.03.2019
3. Keine Impulse
Sportlich taugt dieser Vorgang nicht zur Kritik, wo vorher 0,9 Punkte pro Spiel geholt wurden waren es mit der neuen Trainerin nur 0,5 Punkte je Spiel. Da fragt man sich, was der Autor hier versucht, wenn er schreibt das sie immerhin 2 Punkte holte. Es ist doch fair, das der Verein keine sportlichen Gründe anführt, auch wenn sie offensichtlich sind. Sie nehmen auf Imke Rücksicht, Bravo!
Schartin Mulz 29.03.2019
4. Der Versuch,
da eine Diskriminierungsgeschichte draus zu machen, sit zu durchsichtig, als dass das funktionieren könnte. Diese "schöne Geschichte" besteht darin, dass eine Trainerin eine Männermannschaft interimsmäßig übernommen hat, dort erfolglos geblieben ist und nicht als feste Tainerin für die nächste Saison übernommen wird. Eine Geschichte, die sich, abgesehen vom Geschlecht, Jahr für Jahr hunderte Mal in Deutschlands Ligen abspielt.
Besa 29.03.2019
5. Unterirdisch
2 von 12 möglichen Punkten ist unterirdisch. Da sollte man schnell die Reissleine ziehen, egal was der Reporter da versucht zu vermitteln.
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