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17. Mai 2015, 21:10 Uhr

Ingolstadt-Trainer Hasenhüttl

Der Mann für Aufstiege

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Den Aufstieg in die erste Liga verdankt der FC Ingolstadt vor allem Trainer Ralph Hasenhüttl. Der Österreicher hat schon einige Teams von ganz unten nach oben geführt - mit einem Fußball, der die eigenen Schwächen kaschiert.

Er fühle sich zehn Jahre älter, hatte Ralph Hasenhüttl vor wenigen Wochen gesagt. 1:0 hatte seine Mannschaft damals in Heidenheim gewonnen, es war ziemlich knapp gewesen, und Hasenhüttl könnte auf solche Nervenkitzel-Spiele und Stress gut verzichten. Doch an diesem Sonntagabend sah der Trainer des FC Ingolstadt nicht ein Jahr älter aus als die 47, die er tatsächlich ist, im Gegenteil: Hasenhüttl strahlte wie ein kleiner Junge, als er auf der Tribüne des Ingolstädter Stadions die Meisterschale der zweiten Liga in die Luft stemmte.

Im vorletzten Saisonspiel hatte der FCI 2:1 (1:1) gegen RB Leipzig gesiegt und war damit endgültig in die erste Bundesliga aufgestiegen. Elf Jahre nach der Gründung des Fußballvereins und nicht einmal zwei Jahre, nachdem Hasenhüttl Trainer bei den Bayern geworden war.

Und sieben Tage später als ursprünglich geplant. "Die letzte Woche war wirklich ein Albtraum. Wir wollten es endlich klarmachen. Das war richtig brutal", sagte Hasenhüttl. Am vergangenen Wochenende hatten er und seine Mannschaft sich eigentlich schon auf den Aufstieg eingestellt, Hasenhüttl hatte zum Spiel beim VfL Bochum sogar schon Wechselklamotten eingepackt, um sich nach den obligatorischen Bierduschen umziehen zu können. Doch dann verlor Ingolstadt, und Hasenhüttl musste das tun, was er gar nicht mag: warten.

Es hat sich gelohnt, zum ersten Mal wird Ingolstadt in der kommenden Saison erstklassig spielen. "Ich bin unheimlich stolz und will einfach nur Danke sagen", sagte der Trainer. Dabei gebührt der Dank vor allem ihm. Der Österreicher hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, aus einem abstiegsbedrohten Team einen Bundesliga-Aufsteiger zu formen. Seit dem achten Spieltag dieser Saison gab Ingolstadt die Tabellenführung nicht mehr ab, Klubs mit großen Traditionen (wie Nürnberg oder Kaiserslautern) oder auch Ambitionen (wie RB Leipzig) hatten keine Chance.

Dabei war Ingolstadt in den vergangenen Jahren alles andere als das Top-Team der zweiten Liga gewesen, es dümpelte meist im hinteren Mittelfeld. Als Hasenhüttl im Oktober 2013 Nachfolger von Marco Kurz wurde, lag die Mannschaft auf dem letzten Platz. Am Ende der Saison stand Rang zehn, wenige Monate später und ziemlich genau ein Jahr nach der Ankunft des neuen Trainers absolvierte das Team das 18. Auswärtsspiel in Folge ohne Niederlage. Das hatte bis dahin noch kein anderer Zweitligist geschafft.

Zufall? Glück? Kaum. Denn Hasenhüttl, selbst früher Profi beim 1. FC Köln und Greuther Fürth, ist ein erprobter Retter und Aufsteiger. Unterhaching führte er 2008 aus der Regional- in die dritte Liga, 2011 übernahm er den damals abstiegsbedrohten Drittligisten VfR Aalen. Aalen hielt die Klasse und stieg ein Jahr später in die zweite Liga auf. Wegen interner Spannungen zwischen dem Coach und dem Klubmanagement bat Hasenhüttl um die Auflösung seines Vertrags, der eigentlich bis Ende 2014 gültig gewesen wäre.

"Arbeit gegen den Ball"

So war er frei, als ihn Ingolstadt um Hilfe bat. Sportdirektor Thomas Linke hatte genau beobachtet, was Hasenhüttls Mannschaften auszeichnet: Sie spielen selten über oder unter ihren Möglichkeiten. Sondern den Fußball, den sie am besten können - auch wenn dieser nicht unbedingt dem gängigen Schönheitsideal entspricht. "Die Arbeit gegen den Ball steht immer im Mittelpunkt unseres Handelns. Das ist der Schlüssel unseres Erfolgs", sagte Hasenhüttl nach der Rekordserie im Herbst.

Wie seine vorherigen Teams lässt Hasenhüttl auch Ingolstadt nicht das Spiel durch viel Ballbesitz kontrollieren, sondern setzt auf lange und hohe Bälle sowie eine stabile Defensive - meist mit einem 4-4-2 oder 4-5-1 -, aus der der Gegner mit schnellen Überfällen in Bedrängnis gebracht werden soll. Hasenhüttls pragmatische Auffassung von Fußball erinnert an die Peter von Stöger, dem Coach des 1. FC Köln. Mit der hat Stöger, ebenfalls ein Österreicher, seine Elf nicht immer hübsch, aber sehr effektiv durch die Aufstiegssaison gebracht.

Hasenhüttl und dem FC Ingolstadt dürfte genau das Mut machen. Um das schwierige erste Jahr in der Bundesliga zu überstehen, müssen sie keine spielmachende Mannschaft sein, sondern vor allem die eigenen spielerischen Schwächen mit klugem Konterfußball kaschieren. Ein Konzept, das zusammen mit dem von 20 Millionen auf 40 bis 45 Millionen aufgestockten Gesamtetat (laut "Augsburger Allgemeine") funktionieren könnte. Und das auch schon andere Vereine auf den Plan gerufen hat: Der VfB Stuttgart soll an Hasenhüttl als Trainer ab dem Sommer interessiert gewesen sein, Ingolstadt aber abgeblockt haben.

Hasenhüttl dürfte das recht gewesen sein: "Wenn ich weiter erfolgreich als Trainer arbeite, läuft mir die Bundesliga nicht davon. Am schönsten ist es, wenn man es auf sportlichem Weg dorthin schafft", sagte er - vor dieser Saison.

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