Entschuldung des Traditionsclubs Alemannia darf wieder bei null anfangen

Hoffnung für den Traditionsverein: Alemannia Aachen steht nach dem Verzicht der Gläubiger auf den Großteil ihrer Ansprüche wieder ohne Schulden da. Die Sorgen um die sportliche Zukunft bleiben dem Club jedoch erhalten. Selbst in der vierten Liga droht der Abstieg.

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Positive Schlagzeilen kann Alemannia Aachen ganz gut gebrauchen. Viele gab es nicht davon in der jüngeren Vergangenheit. Wenn von dem Traditionsclub und früheren Erstligisten die Rede war, ging es zumeist um den sportlichen Niedergang bis in die vierte Liga, um komplette Überschuldung, um Neonazis auf den Rängen.

Da klingt die Überschrift "Alemannia gerettet" wie eine Botschaft aus einer anderen Welt. Tatsächlich jedoch steht der Verein nach einem radikalen Schuldenschnitt vor einem Neustart. Die Alemannia, die vor zwei Jahren noch Verbindlichkeiten von mehr als 50 Millionen Euro plagten, ist nach Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan ab sofort schuldenfrei. Das noch laufende Insolvenzverfahren dürfte demnach in Kürze aufgehoben werden.

Am Dienstag hatte die Gläubigerversammlung den Plan von Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning durchgewunken und damit den Weg für die Sanierung frei gemacht. Das Insolvenzrecht macht dies möglich, wenn die Gläubiger zum weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche bereit sind. Dies hat Mönning in vielen Gesprächen erreicht.

8.000 Kleingläubiger haben Ansprüche gar nicht erst angemeldet

Am Ende hatten er und Sanierungsgeschäftsführer Michael Mönig die nötige Überzeugungsarbeit geleistet. Diejenigen, die noch Forderungen an den Verein haben, sollen zwar einiges erstattet bekommen. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Bruchteil der tatsächlichen Summen, die ihnen eigentlich zustehen. Der Anteil beläuft sich auf höchstens 25 Prozent, für viele bleibt sogar nur ein Prozent dessen, was der Verein ihnen schuldet. 8000 der ursprünglich 10.000 Gläubiger hatten ihre Ansprüche gar nicht erst geltend gemacht, darunter viele, die eine Dauerkarte erworben, sie dann aber nie erhalten hatten.

"Die Gläubiger haben damit die Sanierung hervorragend unterstützt", sagt Mönning. Künftig jedoch müsse "seriös und wirtschaftlich gearbeitet" werden. Für die Alemannia, vor sieben Jahren als Erstligist noch Premium-Mitglied im deutschen Fußball, wäre das eine ganz neue Erfahrung. "Hier ist zuletzt extrem viel Geld verbrannt worden", fasst der Insolvenzverwalter die vergangenen zehn Jahre zusammen.

Ein Vorwurf, der explizit auf die frühere Vereinspitze zielt. Zum Beispiel in Richtung des ehemaligen Geschäftsführers Frithjof Kraemer oder des Ex-Sportdirektors Erik Meijer. Meijer, der als Spieler ein Denkmal in Aachen war, hat als Manager den sportlichen Absturz des Clubs mitverantwortet, heute steht der Niederländer beim TV-Sender Sky als Experte an der Taktiktafel und gibt launige Spielanalysen ab.

Am Wochenende gibt es mal wieder einen Zahltag

Finanziell steht der Verein also an einer Art Nullpunkt, was unter den gegenwärtigen Umständen schon eine gute Nachricht ist. Sportlich ist man bereits seit dem Sommer, dem Abstieg in die Regionalliga West, dort angekommen. Das war mal der Club von Torsten Frings, von Jupp Derwall, von Simon Rolfes und Calle del'Haye. Von Willi Landgraf und Jo Montanes. Einer der ganz großen Vereine im Westen.

Jetzt rangiert das von Peter Schubert trainierte Team in Liga vier auf Platz zwölf mit lediglich drei Punkten Vorsprung vor den Abstiegsrängen. Am Samstag ist Tabellenführer Fortuna Köln zu Gast. Dann gibt es zumindest mal wieder einen Zahltag am Tivoli.

Das Stadion, für 50 Millionen Euro neu gebaut und mit einer Kapazität von gut 33.000 Zuschauern ausgestattet, ist vermutlich derzeit das einzig erstligataugliche rund um den Verein. Und gleichzeitig einer der Hauptgründe, warum es der Alemannia so schlecht geht. Mit dem ambitionierten Neubau hat sich der Club übernommen. Als im Vorjahr der Komplettabsturz drohte, weil eine Kreditlücke nicht geschlossen werden und man sich mit der Stadt Aachen partout nicht einigen konnte, stand kurzzeitig sogar der Umzug in das Karl-Knipprath-Stadion im benachbarten Jülich an. Dort passen 5000 Zuschauer hinein.

Dies zumindest ist der Alemannia erspart geblieben. Man darf auch weiterhin am Tivoli spielen und dort den Abstiegskampf gegen SV Lippstadt, den SC Wiedenbrück und die Spielvereinigung Velbert bestreiten. Das ist schon Demütigung genug.

insgesamt 3 Beiträge
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aix-la-chapelle 22.01.2014
1. Es wird schon wieder.
Mit so einem Stadion und solch treuen Fans gehört dieser Verein mindestens in die zweite Liga.Ich hoffe die Verantwortlichen haben aus der Vergangenheit gelernt und die Grabenkämpfe sind ein für allemal beendet.Jetzt müssen die entscheidenden Stellen mit fähigen Leuten(was natürlich nicht so einfach ist)besetzt werden und die Sponsoren die nicht in Vergangenheit und Gegenwart(wegen laufender Insolvenz)investieren wollten das nötige Geld locker machen.Allez Alemannia.
goselljohann 22.01.2014
2. geil
Schulden haben und die Gläubiger verzichten! Sollten ich auch mal probieren!
ginotico 24.01.2014
3. Aachen gehört in die Niederungen
Man gehört nicht in die zweite Liga weil man ein schönes Stadion und treue Fans hat. Das sind keine Argumente. Wer schlechte Arbeit abliefert, gehört abgestiegen. Da gibt es keine Begnadigung wegen treuer Fans ect. Und das ist gut so.
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