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01. September 2004, 14:53 Uhr

Internetauktion

Der Mann, der gegen Borussia Dortmund auflaufen darf

Von Till Schwertfeger

Fußball-Verbandsligist Hamborn 07 hat im Internet einen Kurzeinsatz für das heutige Testspiel gegen die Millionenstars von Borussia Dortmund versteigert. Der Gewinner der Auktion erhielt für 5250 Euro den Zuschlag. Auf dem Feld will er dennoch nicht gegen die Profis antreten, er nimmt lieber auf der Trainerbank Platz.

"Mir raucht der Kopf", stöhnte Hans Herr am Ende der dreitägigen Aktion, die dem niederrheinischen Verbandsligisten Hamborn 07 bundesweite Aufmerksamkeit beschert hatte - und seinem Vereinspräsidenten unzählige Anrufe von Journalisten. Die Aktion war eine Auktion im Internet, mit der der Duisburger Stadtteilclub seine Vereinskasse aufbessern wollte. "Nutzen Sie die einmalige Chance und hauen dem BVB eins zwischen die Pfosten!", lockten die Hamborner "Löwen" bei eBay und versteigerten für das heutige Testspiel (Anpfiff: 18 Uhr) gegen Bundesligist Borussia Dortmund einen zehnminütigen Einsatz im gelb-schwarzen Trikot ihrer Mannschaft.

Nachdem sie Mitte der neunziger Jahre von Friedrich Küppersbuschs Politmagazin "Privatfernsehen" prominent gesponsert wurden, haben die Hamborner jetzt also das Vermächtnis des Künstlers Andy Warhol entdeckt, der einst feststellte, dass ein jeder für 15 Minuten berühmt sein kann. Für 5250 Euro ersteigerte Wolfgang Müller, 35, die "einmalige Chance". SPIEGEL ONLINE sprach mit ihm.

Wolfgang Müller: "Das war doch eine legitime Sache"

Wolfgang Müller: "Das war doch eine legitime Sache"

SPIEGEL ONLINE: Herr Müller, herzlichen Glückwunsch! Sie dürfen heute Abend vor einigen Tausend Zuschauern sowie Fernsehkameras gegen internationale Topstars antreten. Auf welcher Position werden Sie spielen?

Wolfgang Müller: Ich habe mich mit den Hambornern darauf geeinigt, dass ich nur Trainer sein werde und dann aber auch Ratschläge gebe, die entsprechend umgesetzt werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte? Wieso spielen Sie nicht?

Müller: Unter uns: Ich bin für den Fußball nicht brauchbar. Gegen so Superspieler anzutreten, das ist mir eine Nummer zu dick. Das wäre was für die Medien zum Zerreißen gewesen. Das hätte ich nicht so schön gefunden.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen sich nicht blamieren?

Müller: Ich habe zwar schon mal Fußball gespielt und würde auch den Ball treffen, das würde ich noch hinkriegen als Linksfuß. Aber wenn ein Bundesliga-Verein aufläuft gegen Hamborn 07? Selbst die haben ja einen guten Namen, spielen aber auch vier oder fünf Klassen niedriger, und sogar gegen die bin ich eine totale Niete. Aus verletzungstechnischen Gründen halte ich das für nicht verantwortlich, wenn ich da als Nicht-Fachmann mitspielen würde.

SPIEGEL ONLINE: Da werden die Dortmunder ja beruhigt sein. Die hatten, wie zu hören war, schon Angst um ihre Knochen.

Müller: Ich glaube, die Dortmunder hatten vor allem Angst, dass da einer von Schalke mitspielt.

SPIEGEL ONLINE: 5250 Euro sind viel Geld. Haben Sie das aus eigener Tasche bezahlt?

Müller: Ich bin Assistent der Geschäftsleitung der Firma Heim&Haus, die einen Steinwurf von Hamborn 07 entfernt sitzt. Für sie habe ich an der Auktion teilgenommen. Wir möchten gerne, dass die Jugendabteilung von dem Geld profitiert. Der Nachwuchs spielt unter nicht ganz so tollen Verhältnissen. Die Idee eines neuen Platzes steht im Raum. Unser Beitrag könnte der Stein des Anstoßes sein, dass sich andere Firmen auch beteiligen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie denn eine besondere Beziehung zu Hamborn 07?

Müller: Unser Geschäftsführer Herr Schommer war dort vier Jahre Präsident, und man kann sich vorstellen, dass in der Firma dann ein ums andere Mal über den Club gesprochen wird. Wir haben von daher auch einige Hamborner Fußballer ausgebildet.

SPIEGEL ONLINE: Es muss doch in der Firma irgendjemanden geben, der gerne gegen Dortmund gespielt hätte?

Dortmunder Profis: "Junge, pfiffige Truppe"
DDP

Dortmunder Profis: "Junge, pfiffige Truppe"

Müller: Ja, doch, vielleicht. Aber ich weiß nicht, wie die Dortmunder das aufgenommen hätten. Das sind richtige Profis. Es war bestimmt eine Riesen-Mühe, die dazu zu bewegen, hier am Holtkamp aufzulaufen. Das sollte man sich mit so einem Gag nicht versauen. Wenn jetzt einer von uns auflaufen würde und die Dortmunder treten deshalb nicht an, dann tut man keinem einen Gefallen. Dann fällt das ganze Ding ins Wasser.

SPIEGEL ONLINE: Für viele ist es ein Kindheitstraum, gegen die großen Stars spielen zu dürfen.

Müller: Stimmt. Borussia Dortmund - da spielen Jungs, die kann man normalerweise nie anfassen. Und jetzt stehe ich vor denen und weiß, da dürfte ich theoretisch mitspielen. Das Gefühl allein beflügelt mich. Mir reicht es aber, wenn ich der gegnerische Trainer sein darf und meine Mannschaft auch wirklich das tut, was ich sage. Da kann ich schon stolz darauf sein.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass die anderen Bieter sauer sind, dass Sie den ersteigerten Gewinn nicht einlösen?

Müller: Das war doch eine ganz legitime Sache. Ich habe am meisten Geld geboten und gewonnen. Und dass ich nicht mitspiele, das habe ich in Absprache mit dem Verein getroffen. Ich werde jetzt über die kompletten 90 Minuten an der Bank stehen, das war der Deal. Das tue ich mir sehr gerne an, das Ganze aus erster Reihe zu betrachten. Da ist man ganz nah dabei.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie ihre Aufgabe angehen?

Müller: Ich werde vorher ein langes Gespräch mit dem Trainer führen. Auf seine Ratschläge möchte ich nicht verzichten. Ich bin zwar der Teamchef, der offiziell über allen steht. Doch ich kenne die Hamborner Spieler nur aus der Zeitung, über ihre individuellen Stärken weiß ich nicht Bescheid.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich über Borussia Dortmund informiert?

Müller: Ich muss gestehen, nachdem ich mein erstes Gebot abgeben habe, habe ich mich ein bisschen schlau gemacht. Ich habe im Internet gestöbert, wie die Dortmunder so aufgestellt und wie alt die sind. Das ist eine ziemlich junge, pfiffige Truppe. Am meisten müssen wir vor den schnellen Spitzen auf der Hut sein. Mit der Abseitsfalle, glaube ich, kann man da wenig anfangen, weil die so pfeilschnell sind. Da kann man ganz schnell eins, zwei, drei, vier Tore kassieren. Davor möchte ich meine Truppe warnen.

SPIEGEL ONLINE: Was geben Sie den "Löwen" sonst noch mit auf den Weg?

Müller: Ich erwarte, dass die Spieler um jeden Ball sportlich fighten. Wir müssen relativ defensiv angehen, weil die Dortmunder deutlich schneller sein werden. Wichtig ist, dass uns die Luft nicht ausgeht und wir uns nie geschlagen geben. Aber wie wir genau spielen werden, möchte ich gerne noch geheim halten (lacht). Wir wollen versuchen, da sauber raus zu kommen. Es geht letztlich darum, dass die Dortmunder irgendwann auch mal wiederkommen oder wir vielleicht auch mal eingeladen werden. Mit mir als Trainer vielleicht sogar. Wenn das in geselliger Runde am Bierwagen enden würde, dann könnten alle froh und stolz sein.

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