Interview mit Arne Friedrich "Ich bin der ganz normale Durchschnitt"

Am Mittwoch gegen die Niederlande bestreitet Arne Friedrich erst sein viertes Länderspiel. Dennoch ist der 23-jährige Berliner im DFB-Team bereits eine feste Größe. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE spricht der Shootingstar über Eigentore, Aufregung und tragbare Computer.


SPIEGEL ONLINE:

Herr Friedrich, wie war es, als Sie zum ersten Mal in die Nationalmannschaft gekommen sind?

Arne Friedrich: Ich habe mich riesig über die Nominierung gefreut und war am Anfang ziemlich aufgeregt. Zum Glück kannte ich ja schon ein paar Spieler, etwa Sebastian Kehl, Christoph Metzelder, Marko Rehmer und Paul Freier. Deswegen habe ich mich dann auch ganz gut in die Mannschaft eingefunden. Mit Marko komme ich bei Hertha am besten klar, wir machen viel zusammen und sind auf einer Wellenlänge.

SPIEGEL ONLINE: Gleich in Ihrem dritten Länderspiel ist Ihnen gegen die Färöer ein Eigentor unterlaufen. Wie haben Sie diese Situation erlebt?

Friedrich: In diesem Moment ist für mich eine Welt zusammengebrochen. In sportlicher Hinsicht war das mit Sicherheit mein größter Misserfolg. Aber man darf nicht zurückblicken, zwei Tage später war alles schon wieder vergessen.

SPIEGEL ONLINE: Wolfgang Overath, Franz Beckenbauer und Günter Netzer haben jeweils fünf, sechs und sieben Bundesligaspiele benötigt, um in die Nationalmannschaft zu kommen. Sie nur zwei. Sind Sie besser als die drei?

Arne Friedrich: "Ich habe mich riesig über die Nominierung gefreut"
DPA

Arne Friedrich: "Ich habe mich riesig über die Nominierung gefreut"

Friedrich: Es ist schon schön, mit denen verglichen zu werden. Trotzdem denke ich, dass das damals ganz andere Umstände waren. Ich habe ja jetzt vor allem von den Verletzungen einiger Stammspieler profitiert. Außerdem denke ich nicht, dass man besonders stolz sein kann, nur weil man nach zwei Bundesliga-Einsätzen in die Nationalmannschaft berufen wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten vor Ihrem Wechsel von Aufsteiger Bielefeld nach Berlin auch Angebote von Meister Dortmund und dem FC Bayern München. Warum sind Sie dennoch zur Hertha gegangen?

Friedrich: Ich komme aus der zweiten Liga, insofern habe ich überhaupt keine großen Ansprüche gestellt. Berlins Manager Dieter Hoeneß war einfach der Erste, der sich um mich bemüht hat. Und wer weiß, ob ich bei Dortmund oder den Bayern überhaupt gespielt hätte, wenn ich dort hingegangen wäre. Insofern habe ich mich auch nicht geärgert, Hertha bereits eine mündliche Zusage erteilt zu haben, bevor diese Vereine sich bei mir gemeldet haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie mit den Berliner Fans, die man nicht unbedingt als zurückhaltend bezeichnen kann, zurecht?

Friedrich: Am Anfang war es so, dass mich keiner kannte, nun sprechen mich viele Fans an. Die Leute auf der Straße dürfen mich auch ruhig duzen. Ich bin ja selbst erst 23 Jahre alt und will auch nicht gesiezt werden.

SPIEGEL ONLINE: Die "Frankfurter Rundschau" sah mit Ihnen einen neuen intellektuellen Geist ins Nationalteam einziehen. Was halten Sie von solchen Urteilen?

Arne Friedrich (r.): "In diesem Moment ist für mich eine Welt zusammengebrochen"
REUTERS

Arne Friedrich (r.): "In diesem Moment ist für mich eine Welt zusammengebrochen"

Friedrich: Zur "Laptop-Generation" haben Sie mich auch schon gezählt. Völlig Banane, dieses Zitat. Heute muss man wohl fast jeden zur Laptop-Generation zählen. Ich halte mich auch nicht für hochintelligent, schließlich war ich auch nur auf der Realschule. Ich denke, ich bin der ganz normale Durchschnitt und nicht der Typ, der aneckt wie manch andere. Meine Eltern haben mich so erzogen, dass ich mit allen Menschen klarkomme. Leute die anecken, muss es auch geben, schließlich amüsiere ich mich auch gerne über die.

Die Fragen stellte Philip Kuhn



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.