Interview mit Bernard Dietz "Ich hatte die Schnauze voll"

Völlig überraschend schmiss Bernard Dietz am Montag als Trainer des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum hin. In einem Interview trat der 53-Jährige anschließend kräftig gegen seine ehemaligen Spieler nach.


Bernhard Dietz
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Bernhard Dietz

Herr Dietz, der VfL Bochum belegt in der zweiten Fußball-Bundesliga Platz fünf, zwei Punkte hinter einem Aufstiegsplatz. Warum haben Sie das Handtuch geworfen?

Bernard Dietz:

Weil ich die sportlichen Ziele, die ich mir selbst gesteckt habe, nicht erreicht habe. Bis Weihnachten wollte ich mit der Mannschaft auf einen Aufstiegsplatz, das schaffe ich nicht mehr. Ein maßgeblicher Grund für meinen Entschluss war die mangelnde Berufsauffassung einiger Spieler der heutigen Fußballer-Generation.

Was meinen Sie genau damit?

Dietz: Wenn drei, vier Spieler nicht mitziehen, querschießen, hast du keine Handhabe. Wenn man nicht zurückbekommt, was man selbst gibt, dann machst du dich kaputt. Ich habe mir über Jahre einen Namen aufgebaut, den will ich mir von ein paar Möchtegern-Fußballern nicht kaputt machen lassen.

Auf welche Spieler zielt Ihre Kritik?

Dietz: Namen nenne ich nicht. Aber ich hatte einfach keine Lust, für einige Spieler die Peitsche rauszuholen und auf dem Platz rumzuschnauzen. Ich hatte die Schnauze voll und habe mich gefragt: Warum machst du das eigentlich? Ich wollte mich nicht irgendwann von den Zuschauern aus dem Stadion rausschreien lassen.

Eigentlich wollten Sie als überzeugter Amateur- und Nachwuchstrainer immer das Haifischbecken Profifußball meiden. Warum haben Sie den Job dennoch übernommen?

Dietz: 1999 war ich für zwei Monate als Nothelfer beim VfL eingesprungen. Nach einem schlechten Jahr und dem Abstieg war der Verein am Boden. Ich wollte helfen, wieder aufzusteigen, und dafür sorgen, dass sich die Fans wieder mit dem Verein identifizieren.

Sie waren siebeneinhalb Jahre als Trainer beim VfL Bochum tätig. Werden Sie wieder Coach bei den VfL-Amateuren?

Dietz: Nein. Ich machen mir Gedanken, im Trainergeschäft ganz aufzuhören. Ich werde jetzt bis Weihnachten relaxen und Anfang des neuen Jahres einen Gesundheitscheck vornehmen lassen. Mit 53 sollte man das machen, der Stress geht doch nicht spurlos an einem vorüber.

Wie sind Sie mit dem Verein finanziell verblieben?

Dietz: Das Finanzielle interessiert mich nicht. Ich arbeite nicht mehr, und wer nicht arbeitet, bekommt auch kein Geld. Ich habe doch aufgehört, dann steht mir auch keine Kohle mehr zu.

Aufgezeichnet von Joachim Neußer, sid



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