Interview mit Ivan Klasnic "Dann haben wir in der Champions League nichts zu suchen"

Mit einem Sieg in Basel hätte Werder Bremen die Champions-League-Teilnahme fast in der Tasche. Torjäger Klasnic sprach mit SPIEGEL ONLINE über St. Pauli, die Geheimsprache der kroatischen Nationalmannschaft und warum es den Bremern ziemlich egal ist, wie die Schweizer heute Abend auflaufen.


Jubelnder Klasnic: Ganz ordentlich, aber nicht perfekt
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Jubelnder Klasnic: Ganz ordentlich, aber nicht perfekt

SPIEGEL ONLINE:

Heute Abend wartet mit dem FC Basel der Schweizer Meister in der Champions-League-Qualifikation auf Werder Bremen. Wie stehen die Chancen auf ein Weiterkommen?

Klasnic: Ich denke, unsere Möglichkeiten weiterzukommen, sind ganz gut. Wir haben am Wochenende gegen Bielefeld schon ordentlich gespielt, natürlich noch nicht perfekt, aber ich bin optimistisch, dass wir unsere Schwächen abstellen können. Das Beste wäre natürlich ein Sieg für uns, aber mit einem Unentschieden könnten wir auch leben. Die Mannschaft ist auf jeden Fall hoch motiviert, weil wir wissen, worum es geht und wie schön es in der Champions League war. Da wollen wir auch wieder hin.

SPIEGEL ONLINE: Bei Basel spielen mit Zuberbühler, Yakin und Berner alte Bekannte aus der Bundesliga. Ist das alles, was Sie über Basel wissen?

Klasnic: Nein, der Trainer hat uns gut auf die Mannschaft eingestellt, hat uns einige Tipps mit auf den Weg gegeben. Aber letzten Endes müssen wir Basel schlagen, egal, wer für die auf dem Platz steht. Sonst haben wir in der Champions League nichts zu suchen.

SPIEGEL ONLINE: Mit Fabian Ernst und Valerién Ismael haben zwei Leistungsträger den Club verlassen. Wie gut können die Neuen diese Verluste kompensieren?

Klasnic: So ist es nun mal im Fußball - gute Spieler gehen, dafür kommen wieder neue gute. Auch wir haben gute Leute dazu bekommen, von denen ich denke, dass sie Ernst und Ismael ersetzen können. Wir haben einen großen Kader, den man bei der Anzahl von Spielen ja auch benötigt. Zudem sind wir mit den Neuen vielseitig besetzt. Als am Samstag Frank Baumann verletzungsbedingt ausfiel, hat Jurica Vranjes die Rolle nahtlos übernommen. Die Abwehr ist natürlich noch nicht die vom vergangenen Jahr, Naldo kam ja erst vor einigen Tagen...

SPIEGEL ONLINE: ...und einige Spieler, die lange verletzt waren, brauchen noch Zeit.

Klasnic: Sicher, Ümit Davala zum Beispiel war monatelang verletzt, auch Christian Schulz war lange weg. Ich bin überzeugt, dass sich vor allem die Abwehr noch steigern kann. Das Offensivspiel war ja schon ganz gut. Wir werden noch viel Spaß mit dieser Mannschaft haben.

SPIEGEL ONLINE: Einer der Neuen ist Patrick Owomoyela, mit dem Sie beim TSV Stellingen 88 in der Jugend schon zusammengespielt haben. Wie ist das Verhältnis zu ihm?

Klasnic: Wir sind gute Kumpels. Wir haben schon früher oft miteinander telefoniert, auch nach der Zeit in Stellingen. Wenn man zusammen in der Jugend gespielt hat und dann bei den Profis wieder in einer Mannschaft ist, dann ist das schon ein Erlebnis.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Thomas Schaaf geraten, ihren Kumpel zu verpflichten?

Klasnic: Eigentlich weniger. Er hat sich kurz mal mit mir über Owo unterhalten, aber da war das noch alles sehr vage. Am Ende ist es dann ganz schnell gegangen.

SPIEGEL ONLINE: Über wen hat sich der Trainer denn bei Ihnen noch erkundigt?

Neu-Schalker Bajramovic: "Ein klasse Spieler"
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Neu-Schalker Bajramovic: "Ein klasse Spieler"

Klasnic: Wir haben lange über Zlatan Bajramovic gesprochen und ich habe dem Trainer gesagt, dass Zlatan ein klasse Spieler ist, mit dem ich schon bei St. Pauli früher zusammengespielt habe. Schalke wird noch viel Freude an ihm haben. Schade, dass es nicht geklappt hat mit Bremen.

SPIEGEL ONLINE: Zu ihrer Zeit beim FC St. Pauli heißt es, kam es vor, dass Sie nach einem gewonnenen Spiel ordentlich feiern waren. Wie ist das in Bremen?

Klasnic: Ja, das kam schon mal vor, dass man nach einem Sieg über den Kiez gezogen ist. Aber inzwischen ist mit Feiern nicht mehr so viel. Ich bin ruhiger geworden.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben lange Zeit mit Ailton gespielt und sich auch außerhalb des Platzes gut mit ihm verstanden. Wie ist das Verhältnis heute?

Klasnic: Zu Ailton habe ich keinen Kontakt mehr. Warum er Schalke am Ende verlassen hat, weiß ich nicht. Das konnte mir auch Mladen Krstajic, der ja auch in Bremen gespielt hat und mit dem ich manchmal telefoniere, nicht verraten.

SPIEGEL ONLINE: Vergangene Saison gelangen Ihnen zehn Tore, acht Vorlagen - was dürfen wir diese Saison von Ivan Klasnic erwarten?

Klasnic: Mehr, auf jeden Fall mehr. Ich werde mich voll reinhängen und versuchen so viele Tore zu schießen, wie ich kann.

SPIEGEL ONLINE: Eine Kampfansage an die Sturmkollegen Klose, Valdez und Zidan?

Klasnic: Es ist klar, dass ich immer in der Anfangself stehen will. Schließlich ist das die Saison vor der WM. Aber natürlich haben wir in unserer Mannschaft sehr gute Stürmer. Thomas Schaaf hat die Qual der Wahl im Sturm. Der Bessere soll spielen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie müssen doch spielen, um bei der WM dabei zu sein.

Klasnic: Ja, es kommt bestimmt darauf an, wie ich die Saison spiele. Kroatien hat gute Stürmer, aber wenn ich eine gute Runde spiele, ist mit mir zu rechnen. Wenn ich mich aufdränge, wird der Trainer nicht an mir vorbeikommen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Verhältnis zum ehemaligen Nationaltrainer Otto Baric war angespannt. Wie kommen Sie mit dem neuen Coach Zlatko Krajncar zurecht?

Klasnic: Das mit Otto war schon so eine Sache. In Kroatien hat niemand verstanden, warum er mich bei der EM nicht hat spielen lassen. Wir haben fast gar nicht miteinander gesprochen. Mit dem neuen Trainer dagegen rede ich sehr viel. Das Verhältnis ist viel besser als zu Baric.

SPIEGEL ONLINE: Was denken die Menschen in Kroatien über den deutschen Fußball?

Klasnic: Die Leute schauen sehr viel nach den deutschen Mannschaften. Viele Spieler verdienen ihr Geld ja auch hier. Die Bundesliga ist hoch angesehen, auf einer Stufe mit der italienischen oder spanischen Liga. Auch die WM trägt sicherlich ihren Teil dazu bei.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind in Deutschland aufgewachsen. Wie hat man Sie denn bei der kroatischen Nationalelf aufgenommen?

Klasnic: Das war kein Problem. Es gibt ja viele Spieler bei uns, die in Deutschland groß geworden sind. Selbst der Trainer spricht die Sprache. Theoretisch könnte die Mannschaftsbesprechung in deutscher Sprache stattfinden, der Großteil würde es verstehen. Ab und zu spricht man auch untereinander deutsch mit den Kollegen aus der Bundesliga. Dann sagen die Spieler, die uns nicht verstehen, immer "Svabe" zu uns, was so viel heißt wie "die Deutschen".

SPIEGEL ONLINE: Kam es nie für Sie in Frage, für die deutsche Auswahl zu spielen?

Klasnic: Nein, das wollte ich nie. Ich fühle mich als Kroate, spreche die Sprache auch mit meinen Eltern. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich für die kroatische Mannschaft spielen darf.

SPIEGEL ONLINE: Also hätten Sie im WM-Finale auch kein Problem damit, gegen Deutschland im Elfmeterschießen anzutreten?

Klasnic: Das weiß ich nicht. Ich müsste sicher sein, dass ich das Ding reinhaue. Dann würde ich antreten und hätte auch kein Problem damit.

Die Fragen stellten Pavo Prskalo und Mike Glindmeier



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