Interview mit Martin Sonneborn "Ich warte auf einen Anruf vom DFB"

Martin Sonneborn ist verstimmt. Denn nicht er, sondern Gerhard Schröder wird vom DFB für die Verdienste um die Fußball-WM geehrt. Dabei reklamiert Sonneborn für das Satiremagazin "Titanic" erheblichen Anteil an der Vergabe des Turniers an Deutschland.

SPIEGEL ONLINE

: Herr Sonneborn, Gerhard Schröder wird vom Deutschen Fußball-Bund für seine Verdienste um die Fußball-WM in Deutschland zum Ehrenmitglied ernannt. Finden Sie das gerecht?

Sonneborn: Eigentlich nicht. Denn dass in unserem Land die Weltmeisterschaft stattfinden kann, ist vor allem Franz Beckenbauer und "Titanic" zu verdanken. Aber da meine Name im Alphabet nach Schröder kommt gehe ich davon aus, dass der DFB mich noch berücksichtigt.

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"Titanic" und die Fußball-WM: "Ich tat es für mein Land!"

SPIEGEL ONLINE: Wir hören aber eine leichte Enttäuschung heraus.

Sonneborn: Ein klein wenig schon. Trotzdem halte ich mich fit, für den Fall dass mein Land mich ruft. Ich bin jederzeit bereit, die Nationalmannschaft bei der WM als Ehrenspielführer aufs Feld zu führen.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zum DFB?

Sonneborn: Es gibt keinen direkten Kontakt mehr, seitdem die DFB-Anwälte "Titanic" eine Schadenersatzklage in Höhe von 600 Millionen Mark angedroht haben. Ich habe damals eine Erklärung unterschrieben, dass ich es Zeit meines Lebens unterlasse, auf Turniere, die von Fifa und Uefa ausgerichtet werden, Einfluss auszuüben. Als das letzte Mal beim DFB der Name "Titanic" fiel, kam es vor laufenden Kameras zu einem sensationellen Wutanfall von Wolfgang Niersbach (dem Vizepräsidenten des WM-Organisationskomitees, d.Red.). Seitdem sitze ich täglich neben dem Telefon und warte auf einen Anruf.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es mit dem Ehrenspielführer nichts wird - mit welcher Anerkennung wären Sie auch zufrieden?

Sonneborn: Ich glaube, ein handsigniertes Portraitfoto vom Ehepaar Mayer-Vorfelder für das Titanic-Hauptstadtbüro würde mir auch große Freude bereiten.

SPIEGEL ONLINE: Da Sie sicher die WM-Vorbereitungen verfolgen, dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass manche Stadien erhebliche Baumängel aufweisen.

Sonneborn: Diese Nachrichten treffen mich in der Tat hart. Es bedrückt mich, dass wir von "Titanic" für das Turnier alles gegeben haben, aber nun zusehen müssen, wie die Vereine und der DFB das Ansehen Deutschlands ramponieren.

SPIEGEL ONLINE: Und welche Befürchtungen haben Sie in sportlicher Hinsicht?

Sonneborn: Keine. Ich finde, dass Jürgen Klinsmann seine Arbeit besser macht als sämtliche seiner Vorgänger. Ich denke, er wird Bundestrainer bleiben, wenn wir mit der "Partei" in Deutschland die Macht übernehmen...

SPIEGEL ONLINE: Daher werden Sie auch die Spiele der Mannschaft bei der WM besuchen.

Sonneborn: Selbstverständlich. Ich gehe davon aus, dass mir der DFB die mir zustehenden Ehrenkarten für sämtliche WM-Partien in Berlin zukommen lässt. Mein größter Wunsch ist, zwischen Wolfgang Niersbach und Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zu sitzen.

SPIEGEL ONLINE: Ein bisschen unrealistisch.

Sonneborn: Das fürchte ich auch. Wahrscheinlich wird zwischen diesen beiden Herren eine Kiste Rotwein gelagert sein. Und ein Sack Baldrian.

Die Fragen stellte Steffen Gerth

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