Interview mit Oliver Kahn "Gegen Tschechien mit Wut im Bauch"

Für Deutschland geht es im Spiel gegen Tschechien um alles. Nur mit einem Sieg erreicht die DFB-Elf auf jeden Fall das EM-Viertelfinale. Mannschaftskapitän Oliver Kahn kündigt schon einmal ein hoch motiviertes deutsches Team an. Doch Einsatz allein wird nicht reichen, es gehören auch Tore dazu.

Herr Kahn, wie groß ist die Enttäuschung über das 0:0 gegen Lettland?

Oliver Kahn:

Bei mir gibt es keine Enttäuschung. Bei mir gibt es nur den Blick nach vorne. Jetzt werden alle Kräfte auf das Endspiel gegen Tschechien gerichtet. Wir haben einen großen Vorteil, wir haben ein Endspiel, wir haben alles in der eigenen Hand.

Ihre erste Reaktion nach dem Schlusspfiff war allerdings Kopfschütteln. War das Verzweiflung über die eigene Torlosigkeit?

Kahn: Ja, so Spiele gibt es halt. Da spielst du 90 Minuten auf ein Tor, aber du kriegst den Ball nicht rein. Zum Schluss hatten wir noch einmal eine Riesenchance, aber immer wieder bist du ein bisschen zu kurz, zu lang, Pressschläge, der Verteidiger kommt ran, knapp über das Tor, dann gut gehalten - was willst du machen? So ist Fußball.

Unter dem Strich steht aber: Die Stürmer treffen nicht.

Kahn: Ach, was soll man da immer herumjammern und nach jedem Spiel irgendwelche fadenscheinigen Gründe suchen? Wir werden gegen die Tschechen mit Wut im Bauch auftreten und unsere Chance suchen.

Mit einem oder zwei Stürmern? Was ist jetzt das bessere System?

Kahn: Man richtet sich auch immer ein bisschen nach dem Gegner. Wichtig ist, dass wir wenige Tore zulassen, dass wir weiterhin kompakt stehen. Dann hat man immer alles selber in der Hand. Es ist ja nicht so, dass wir keine Torchancen hatten. Jetzt muss endlich das Quäntchen Glück dazu kommen.

Hat es Sie überrascht, dass die Fans bis zur letzten Minute total hinter der Mannschaft standen, auch nach Schlusspfiff applaudierten?

Kahn: Nein, überhaupt nicht. Was sollen die auch anderes machen? Was haben wir gemacht, haben wir ein Verbrechen begangen? Wir haben auf ein Tor gespielt, 90 Minuten. Wir haben alles probiert - und der Ball wollte halt nicht ins Tor.

Das Interview führte Klaus Bergmann, dpa

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