Interview mit Ottfried Fischer "Fußball ist unser natürlicher Feind"

Der Schauspieler Ottfried Fischer, 48, über seine Rolle in dem derzeit für Sat.1 produzierten Zweiteiler "Hattrick" und seine Hassliebe zum Fußballsport.


Ottfried Fischer: "Arbeit ist wichtiger als die WM-Spiele"
DPA/SAT1/MATE

Ottfried Fischer: "Arbeit ist wichtiger als die WM-Spiele"

SPIEGEL:

Herr Fischer, Sie drehen gerade einen satirischen Fernsehfilm, "Hattrick" in dem Sie in der Rolle eines reichen Sportsponsors eine Dorf-Fußballmannschaft in einen deutsch-österreichischen Grenz-Kleinkrieg hetzen. Verstehen Sie was vom Fußball?

Fischer: Klar, es geht im Kleinen um so etwas wie die Rivalität zwischen 1860 und Bayern München, bei der mein Herz eher auf der Seite der 60er schlägt. Und dahinter steckt eine ganze Menge trüber Machenschaften auf kommunalpolitischer Ebene ­ auch da gibt's Bezüge zu München, obwohl das Ganze nahe meiner niederbayerischen Heimat im oberösterreichischen Grenzort Schärding gefilmt wird. Es ist halt ein Mikrokosmos für die Welt des großen Fußballs.

SPIEGEL: Die Arbeiten an dem Zweiteiler sollen bis Ende Juni dauern, also über die ganze Zeit der Fußball-WM. Kommen Sie da überhaupt zum Fußballgucken?

Fischer: Ich bin nicht so ein narrischer Zuschauer. Die Arbeit am Film ist auf jeden Fall wichtiger als die WM-Spiele ­ und überhaupt bin ich mit dem Fußball ein bisschen beleidigt.

SPIEGEL: Warum das?

Fischer: Weil jedes Fußballspiel, das im Fernsehen übertragen wird, die Quote für unsere Sachen versaut. Für die vorletzte Folge meines "Pfundskerls" am Mittwoch auf Sat.1 zum Beispiel hat uns das Dortmunder Uefa-Cup-Endspiel mit knapp 10 Millionen Zuschauern die Quote gedrückt, am vergangenen Mittwoch lief zeitgleich mit uns das Champions-League-Finale Leverkusen gegen Madrid ­ mindestens mit dem gleichen Effekt. Da zeigt sich, dass Fußball der natürliche Feind jedes nicht in der Sportberichterstattung arbeitenden Medienschaffenden ist.

SPIEGEL: Und jetzt wollen Sie mit "Hattrick" einfach die Fußballbegeisterung der Deutschen für Ihre Zwecke nutzen?

Fischer: Der Sendetermin steht noch nicht fest ­ aber ich hoffe, dass wenigstens dieser Film nicht gegen eine Fußballübertragung antreten muss.



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