Interview mit Ottmar Hitzfeld "Wir haben uns amateurhaft benommen"

Die erste Saisonniederlage in der Fußball-Bundesliga schmeckte Ottmar Hitzfeld überhaupt nicht. Seine Mannschaft habe ihn sehr enttäuscht, kritisierte der Bayern-Trainer nach der Pleite bei Bayer Leverkusen.


Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld: "Habe einige Spieler stark kritisiert"
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Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld: "Habe einige Spieler stark kritisiert"

Herr Hitzfeld, die Bayern haben nach 19 Bundesligaspielen ohne Niederlage seit dem 6. Februar erstmals wieder verloren, obwohl sie ab der 36. Minute nach der Gelb-Roten Karte für Thomas Brdaric gegen zehn Bayer-Akteure spielten. Sind Sie verärgert?

Ottmar Hitzfeld: Ich bin sehr enttäuscht, dass wir nicht mindestens einen Punkt mitgenommen haben. Wir hatten 62 Prozent Ballbesitz, spielten in der zweiten Halbzeit auf ein Tor - und haben trotzdem verloren, das ist bitter, das tut weh.

Aber die Bayern haben sich die Niederlage durch zwei unnötige Gegentore selbst zuzuschreiben.

Hitzfeld: Richtig, wir haben uns selbst geschlagen. Das 1:0 durfte nicht fallen, da stand die Mauer schlecht und Oliver Kahn war die Sicht versperrt. Mit diesem Tor haben wir Bayer in die Karten gespielt und uns in Bedrängnis gebracht. Beim 2:0 stand die Defensive nicht. Wir haben bei beiden Toren geschlafen und uns amateurhaft benommen.

Aber trotz der Abwehrfehler war ein Sieg in der BayArena möglich.

Hitzfeld: Wir hatten vier, fünf Hundertprozentige. Allein Giovane Elber hätte drei Tore machen müssen. Wir haben insgesamt 16-mal auf das Tor geschossen, Bayer nur viermal und hat trotzdem gewonnen. Dass wir so ein Spiel verlieren, das darf nicht passieren, ich bin sehr enttäuscht, denn ich hasse Niederlagen.

Sie haben am Sonntagmorgen den Spielern eine Stunde den Kopf gewaschen. Wie deutlich sind Sie geworden?

Hitzfeld: Ich habe einige Spieler stark kritisiert und intern Klartext gesprochen. In der Öffentlichkeit werde ich aber nicht auf die Spieler reinhauen.

Michael Tarnat und Giovane Elber standen nicht in der Anfangsformation. Das verwunderte die Experten. Haben Sie beide für das wichtige Gruppenspiel in der Champions League am Dienstag gegen den AC Mailand geschont?

Hitzfeld: Wir haben einen hochkarätigen Kader, wenn ich den Spielern kein Vertrauen schenke, bräuchte ich sie gar nicht mehr aufzustellen.

Passt der zweite Anzug der Bayern nicht?

Hitzfeld: Nein, das sehe ich nicht so. Pablo Thiam und Niko Kovac haben kein schlechtes Spiel abgeliefert.

Bayern ist in der Champions League nach dem 2:3 gegen Deportivo La Coruna und dem 1:1 beim RC Lens noch ohne Sieg. Wie sehen Sie die Chancen am Dienstag gegen den AC Mailand?

Hitzfeld: Das ist ein Spiel, in dem wir Zeichen setzen müssen. In der Champions League steht uns das Wasser bis zum Hals. Wir müssen unbedingt drei Punkte holen.

Aufgezeichnet von Joachim Neußer, sid



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