Interview mit Rehhagel "Ich halte mich nur an die Regeln"

Nach dem EM-Sensationssieg über Tschechien ließen sich Otto Rehhagel und seine griechischen Spieler feiern. Nun soll im Finale auch noch Portugal bezwungen werden. Der Frage, ob er als Bundestrainer in Frage komme, wich der 65-Jährige im Interview aus.


Rehhagel (mit Mittelfeldspieler Giannakopoulos: "Natürlich war Tschechien in der Ballzirkulation besser"
DPA

Rehhagel (mit Mittelfeldspieler Giannakopoulos: "Natürlich war Tschechien in der Ballzirkulation besser"

Otto Rehhagel, Sie haben mit der griechischen Mannschaft das EM-Finale gegen Portugal erreicht. Wie bewerten Sie diesen Erfolg?


Rehhagel:

Ich habe gerade in der Kabine gesagt: Das Märchen geht weiter. Drei Jahre haben wir uns step by step weiterentwickelt. Die Mannschaft zeichnet Leidenschaft und Einsatzwille aus. Damit hat sie den Sieg an sich gerissen. Ich habe aus meinem Erfahrungsschatz einige Ratschläge gegeben, die hat die Mannschaft glänzend in die Tat umgesetzt. Die Spieler dürfen nun ihre Familien mit ins Hotel holen. Da trinken wie ein Glas Wein oder anderthalb. Aber danach bereiten wir uns auf das schwere Spiel am Sonntag gegen Portugal vor.


War dies der größte Erfolg in Ihrer langen Trainerkarriere?


Rehhagel: Es ist natürlich etwas ganz Besonderes, mit einer Nationalmannschaft im EM-Finale zu stehen. Alle meine Erfolge hatten einen besonderen Stellenwert. Aber das heute ist natürlich eine ganz große Geschichte.


Ihr Spieler Georgios Karagounis sah die zweite Gelbe Karte und kann im Finale nicht mitwirken. Kann er gleichwertig ersetzt werden?


Rehhagel: Für mich sind alle Spieler, die draußen auf der Ersatzbank sitzen, wichtig. Sie gehören zu unserer Gruppe, sorgen dafür, dass die Stimmung in der Mannschaft stimmt. Ich sage den Leuten, die nicht spielen, immer: Vielleicht kommst du rein und machst das entscheidende Tor.


Die Experten sagen, ein Finale zwischen Portugal und Tschechien wäre attraktiver gewesen als ein Endspiel zwischen Portugal und Griechenland.


Rehhagel: Ich habe fast nur auf meine Mannschaft geschaut. Natürlich war Tschechien in der Ballzirkulation besser als wir. Aber im Fußball entscheiden auch andere Dinge und mit diesen haben wir uns heute durchgesetzt.


Sehen Sie es als problematisch an, dass in Markus Merk ein deutscher Schiedsrichter am Sonntag in Lissabon das Finale pfeift?


Rehhagel: Ich kenne Markus Merk schon, seit er 15 Jahre alt war und ich noch Spieler auf dem Betzenberg. Er ist ein ausgezeichneter Schiedsrichter. Ich gönne ihm, dass er das Endspiel leiten darf. Merk war außerdem mit mir immer besonders streng, er hat mich sogar schon auf die Tribüne geschickt. Ich glaube nicht, dass es ein Problem wird.


Waren Sie schon vorher ein Freund des Silver Goals, durch das Ihre Mannschaft ins Finale eingezogen ist?


Rehhagel: Ich halte mich nur an die Regeln, ich habe keinen Einfluss darauf. Auch die schwarzen Tornetze waren nicht meine Erfindung ...


Ottmar Hitzfeld hat dem Deutschen Fußball-Bund einen Korb gegeben und wird nicht Bundestrainer. Kommen Sie für das Amt in Frage?


Rehhagel: Ich muss mit meiner Mannschaft und meinen Spielern über ihre Probleme sprechen. Ich fahre jetzt ins Hotel und werde mich mit der Mannschaft freuen.


aufgezeichnet von Ralph Durry, sid



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.