Interview mit Rudi Völler "Das tut weh"

Gebetsmühlenartig hatte Rudi Völler vor Litauen gewarnt. Doch anscheinend haben die deutschen Fußball-Nationalspieler nicht genug auf den DFB-Teamchef gehört. Das EM-Qualifikationsspiel gegen die Balten wurde zu einer riesigen Enttäuschung für den Vizeweltmeister. Entsprechend geladen war Völler hinterher.


Rudi Völler: "Ein rechtzeitiger Schuss vor den Bug"
DDP

Rudi Völler: "Ein rechtzeitiger Schuss vor den Bug"

Herr Völler, wie lautet Ihr Fazit nach dem 1:1 gegen Litauen?

Rudi Völler: Wir haben zwei Punkte verloren, das tut weh. Aber wir haben es auch nicht verdient. Wir haben in den ersten 20 Minuten sehr, sehr guten Fußball gespielt. Aber danach haben wir das Ganze leider unerklärlich schleifen lassen. Wir waren unachtsam, haben nicht die Aggressivität und Laufbereitschaft gezeigt, was sonst unsere Stärke ist. So haben wir den Gegner natürlich mutiger gemacht.

Hat die nötige Einstellung gefehlt?

Völler: Das war keine Frage der Einstellung. Zu Beginn waren wir sehr gut. Ähnlich wie gegen die Färöer haben wir sofort unser Tor gemacht, hatten noch einige gute Aktionen. Dann ist es natürlich schwierig, du hast so ein Virus drin, das einem sagt, jetzt kannst du vielleicht mit etwas Weniger so einen Gegner schlagen. Das geht halt nicht.

Wo liegen weitere Ursachen für den Punktverlust?

Völler: Wir haben alle gewarnt, dass es schwer wird, wenn man nachlässig wird. Und wir sind dann nachlässig geworden. Automatisch machst du dann Fehler hinten. Und die zweite Großchance haben die Litauer leider rein gemacht.

Hat Deutschland damit mehr verloren als nur zwei Punkte?

Völler: Da haben Sie gar nicht so Unrecht. Es darf einfach nicht alles so selbstverständlich sein. Wir müssen immer alles tun, um diese Euphorie zu halten, unsere Punkte einfahren, hin und wieder auch guten Fußball zeigen. Wir müssen immer am Limit spielen, das haben wir heute nicht immer getan. Und dann wirst du bestraft.

Dennoch hätte die Partie anders ausgehen können.

Völler: Wenn man zu Hause 1:1 gegen Litauen spielt, ist man ja in so einer Situation, dass man gar nicht richtig sagen darf, dass man noch ein reguläres Tor erzielt hat. Da muss man sich fast dafür entschuldigen. Eins ist ganz klar: Was der Linienrichter da gemacht hat, ist eine absolute Sauerei. Das ist nicht in Ordnung. Der Ball war nicht im Aus. Es war ein ganz klares Tor für uns, es soll aber keine Entschuldigung sein.

Welche Wirkung könnte das 1:1 haben?

Völler: Vielleicht war es ein rechtzeitiger Schuss vor den Bug. Die Spieler lesen ja auch alle Zeitung. Und wenn du dann das Gefühl hast, du bist schon qualifiziert. Da darfst du dich auch nicht beeindrucken lassen, wenn die so genannten Experten sagen, in unserer Gruppe ist alles relativ leicht. Es gibt keine leichten Gruppen. Wir sind noch nicht qualifiziert.

Aufgezeichnet von Jens Mende, dpa



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