Interview mit Rudi Völler "Ergebniskrise, kein Chaos"

Dem Aus im Uefa-Cup bei ZSKA Sofia folgte ein enttäuschendes Bundesliga-Heimspiel gegen den Tabellen-Sechzehnten Bielefeld. Leverkusens Interimscoach Rudi Völler wirkt mittlerweile ratlos. Und nun verweigern auch noch die Bayer-Fans der Clubführung die Gefolgschaft.


Frage:

Herr Völler, K.o. in der ersten Runde des Uefa-Pokals gegen ZSKA Sofia, 48 Stunden später folgte ein 1:1 gegen Arminia Bielefeld. Wie erklären Sie sich die enttäuschenden Leistungen?

Völler: Im Uefa-Pokal sind wir gegen einen starken Gegner ausgeschieden, auf den man normalerweise erst im Viertelfinale trifft. Unser Ausscheiden ist bitter und tut sehr weh. Gegen Bielefeld fehlte der Mannschaft die geistige Frische, sie war müde, körperlich ausgelaugt.

Enttäuschter Völler: "Müde, körperlich ausgelaugt"
AP

Enttäuschter Völler: "Müde, körperlich ausgelaugt"

Frage: Aber die Fans haben die Mannschaft mit Pfiffen bedacht.

Völler: Die Mannschaft tut mir Leid. Sie hat alles gegeben, sie hat bis zum Schluss gefightet und hätte am Ende fast noch gewonnen, obwohl die Spieler schwere Beine nach den Strapazen in Sofia hatten.

Frage: Welchen Einfluss hatte das Spiel in Sofia auf die Vorstellung gegen Bielefeld?

Völler: Es ist ein Unding, zwei Tage nach einem Uefa-Cup-Spiel wieder in der Bundesliga antreten zu müssen. Es sollte möglich sein, dass alle Vereine, die donnerstags im Uefa-Cup spielen, erst sonntags ran müssen. Da müssen sich die Clubs und die DFL zusammensetzen. Die sollen nicht so viel ans Geld denken.

Frage: Geschäftsführer Wolfgang Hölzhauser wurde mit "Holzhäuser raus"-Rufen zum Sündenbock für die letzten Enttäuschungen gestempelt. Berechtigt?

Völler: Er tut mir Leid, das hat er nicht verdient. "Holzi" ist nicht der Schuldige, ich habe die Entscheidungen mitgetragen. Ich bleibe dabei, die Trennung von Klaus Augenthaler war vonnöten, hätte vielleicht sogar früher erfolgen sollen. Hier herrscht kein Chaos, wir haben eine Ergebniskrise. Ein bisschen Chaos herrschte in der Saison nach dem Einzug ins Champions-League-Finale, aber jetzt nicht. Das ist hier ein sensibles Gebilde, an dem Tag und Nacht gearbeitet wird.

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Frage: Wie lange bleiben Sie noch Interimscoach bei Bayer?

Völler: Solange ich gebraucht werde, dafür bin ich da. Ob wir den neuen Trainer in der nächsten oder übernächsten Woche präsentieren, muss man sehen.

Frage: Wird Morten Olsen, der dänische Nationaltrainer, ihr Nachfolger?

Völler: Namen kommentiere ich nicht. Es gibt einige Kandidaten, wir kriegen einen sehr, sehr guten Trainer.

Aufgezeichnet von Joachim Neußer, sid



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