Interview mit Rudi Völler "Max ist der absolute Härtefall"

In einem Interview äußert sich DFB-Teamchef Rudi Völler über die Zusammenstellung seines WM-Aufgebots, Verschwörungstheorien der Ausgebooteten und warum er Carsten Jancker den Vorzug vor Martin Max gegeben hat.


DFB-Teamchef Rudi Völler: "Jancker hat in München eine Wahnsinnskonkurrenz"
DPA

DFB-Teamchef Rudi Völler: "Jancker hat in München eine Wahnsinnskonkurrenz"

Wie schwer war es für Sie, sich auf ihr 23-köpfiges Aufgebot festzulegen?

Rudi Völler:

Es war natürlich nicht einfach, aber das wusste ich vorher. Einige Härtefälle sind wie immer in solchen Fällen dabei. Es war nicht so einfach, zum Telefonhörer zu greifen, und einigen eine Absage zu erteilen.

Wie haben denn die Spieler reagiert, die sich vergeblich Hoffnungen auf ein WM-Ticket gemacht haben?

Völler: Alle, denen ich eine Absage erteilt habe, haben manierlich und ordentlich reagiert. Ich habe meine Entscheidungen auch alle vernünftig begründet. Nach diesen Gesprächen bin ich auch sicher, dass diese Entscheidungen keine negativen Auswirkungen auf die Zukunft der Nationalmannschaft haben.

Was hat in der Frage nach dem dritten Torhüter den Ausschlag für Jörg Butt gegeben?

Völler: Das sind Kleinigkeiten, die da entscheiden. Ich habe mich natürlich auch mit unserem Torwarttrainer Sepp Maier abgesprochen, der meiner Entscheidung zugestimmt hat. Ich weiß, dass Frank Rost eine Verschwörungstheorie im Hinterkopf hat, aber das ist völliger Blödsinn. Das habe ich ihm auch vernünftig erklärt.

Martin Max wird Bundesliga-Torschützenkönig und ist nicht dabei, Carsten Jancker hat keinmal in der abgelaufenen Bundesligasaison getroffen und fährt mit zur WM. Wie begründen Sie diese Entscheidung?

Der Torjäger, der zu Hause bleiben muss: Martin Max von 1860 München
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Der Torjäger, der zu Hause bleiben muss: Martin Max von 1860 München

Völler: Max ist sicherlich ein absoluter Härtefall, denn seine Tore sprechen natürlich für ihn. Aber ich bin von Janckers Fähigkeiten und Qualitäten überzeugt. Sein Pech ist, dass er in München eine Wahnsinnskonkurrenz hat. Er hat aber in der Nationalmannschaft bewiesen, wie wertvoll er ist. Deshalb vertraue ich auf seine Stärken.

Sie haben acht Spieler mehr oder weniger inoffiziell auf Abruf nominiert. Wie groß sind denn die Chancen dieser Spieler, noch auf den WM-Zug aufzuspringen?

Völler: Durch die noch anstehenden Endspiele in DFB-Pokal, Uefa-Cup und Champions League können sich noch einige Kandidaten verletzen, was ich natürlich nicht hoffe. Zudem haben wir noch einige angeschlagene Spieler dabei, bei denen wir den Genesungsprozess abwarten müssen. Sollten wir nach dem letzten Länderspiel gegen Österreich am 18. Mai merken, bei dem einen oder anderen reicht es noch nicht, müssen wir vielleicht vor dem Abflug nach Japan noch einmal reagieren.

Haben sich durch die Absagen von Mehmet Scholl und Jens Nowotny Ihre WM-Ziele relativiert?

Völler: Nein, wir wollen auch ohne die beiden unbedingt das Achtelfinale erreichen, als Gruppenerster oder -zweiter, aber lieber als Erster. Ich glaube auch fest an diese Mannschaft. Mit dem richtigen Teamgeist kann man sehr weit kommen.

Aufgezeichnet von Jürgen Zelustek, sid




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