Interview mit Schiri-Boss Roth "Wem kann ich heute noch glauben?"

Für Volker Roth, 62, ist mit dem Fall Hoyzer eine Welt zusammen gebrochen. An wirksame Maßnahmen gegen Manipulationen glaubt der Chef der deutschen Schiedsrichter nicht. Dazu sei bei manchen die kriminelle Energie einfach zu hoch, urteilt Roth, der früher selbst Fifa-Referee war.


DFB-Funktionär Roth: "Gegen kriminelle Machenschaften ist man nie gefeit"
DPA

DFB-Funktionär Roth: "Gegen kriminelle Machenschaften ist man nie gefeit"

Frage:

Herr Roth, Sie sind Chef der deutschen Unparteiischen und Vorsitzender der Schiedsrichter-Kommission der Uefa. Wie tief hat Sie der Fall Hoyzer persönlich getroffen?

Roth: Ich bin erschüttert, dass all meine Werte, für die ich mein Leben lang eingestanden bin, durch einen 25-Jährigen über den Haufen geworfen werden konnten. Das erschüttert mich zutiefst.

Frage: Ist Hoyzer ein Einzelfall oder gibt es andere schwarze Schafe?

Roth: Ich gehe von der Unschuldsvermutung aus, aber wem kann ich heute noch glauben? Hoyzer hat ja auch zunächst alles bestritten. Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll.

Frage: Hat dieser Skandal Auswirkungen auf das Ansehen der deutschen Schiedsrichter in Europa?

Roth: Ich denke nicht. Ich war am Wochenende auf einer internationalen Schiedsrichtertagung in Nizza, und dort wurde mir das Vertrauen ausgesprochen, dass wir dieses Problem in den Griff kriegen. Unsere Internationalen brauchen sich keine Sorgen zu machen. Das Vertrauen ist weiterhin da.

Frage: Wären Profi-Schiedsrichter, Fernsehbeweise oder Ober-Schiedsrichter ein probates Mittel gegen Schiebung?

Roth: Ach wissen Sie: Gegen kriminelle Machenschaften ist man nie gefeit.

Frage: Sind die Schiedsrichter zu jung, ist die Altersgrenze zu niedrig?

Roth: Diese Diskussion hat zwei Seiten. Auf der einen Seite brauchen Sie Nachwuchs, auf der anderen eine Altersbeschränkung, damit jene im mittleren Alter eine internationale Perspektive haben. Was passiert ist, ist keine Frage des Alters. Es ist eine Frage der Anfälligkeit. Da müssen wir genauer hinschauen.

Frage: Noch einmal: Ist der Altersdurchschnitt zu niedrig?

Roth: Definitiv nein. Der Alterdurchschnitt bei unseren Spitzenschiedsrichtern liegt bei 35,4 Jahren. Sie müssen doch jedem jungen Talent die Möglichkeit geben, ein neuer Markus Merk zu werden.

Das Interview führte Rainer Kalb, sid



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.