Interview mit Uli Hoeneß "Man kann Olli keinen Vorwurf machen"

Alle hatten es gesehen. Durch einen Fehler Oliver Kahns verlor der FC Bayern das Spiel gegen Juventus Turin. Doch der Münchner Manager Uli Hoeneß nahm seinen Torwart in Schutz. Kahn trage keine Schuld.


Bayern-Manager Hoeneß: "Dass wir gegen Juve nicht gepunktet haben, ist schade, aber keine Katastrophe"
DDP

Bayern-Manager Hoeneß: "Dass wir gegen Juve nicht gepunktet haben, ist schade, aber keine Katastrophe"

Frage:

Herr Hoeneß, wie bewerten Sie die Leistung Ihrer Mannschaft?

Hoeneß: Ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit ein sehr gutes Spiel gemacht haben. In der zweiten Hälfte waren wir nicht mehr ganz so konzentriert. Aber Juve ist natürlich eine absolute Spitzenmannschaft, die die Räume sehr eng macht und kein gutes Spiel zulässt. Und trotzdem haben wir gute Chancen herausgearbeitet, die wir leider nicht verwertet haben. Das ist bitter.

Frage: Hatte die Mannschaft zu viel Respekt vor Juventus?

Hoeneß: Wenn das Spiel Unentschieden ausgeht, kann man gar nichts sagen. Wir haben eben nur unsere Torchancen nicht verwertet. Wenn Roy Makaay in der letzten Minute das Ding macht, was er normalerweise immer macht, dann sind alle zufrieden.

Frage: Oliver Kahn hat vor dem Tor gepatzt. Wie haben Sie die entscheidende Szene gesehen?

Hoeneß: Man kann Olli keinen Vorwurf machen. Das war ein unglaublich scharfer Schuss von Ibrahimovic. Da braucht er sich keine Gedanken zu machen.

Frage: Trotz der Niederlage liegt der FC Bayern weiter auf Achtelfinal-Kurs. Müssen Sie sich nicht bei Tel Aviv bedanken, das Ajax Amsterdam geschlagen hat?

Hoeneß: Tel Aviv hat uns einen Riesen-Gefallen getan. Durch einen Heimsieg in zwei Wochen gegen Tel Aviv können wir nun alles klar machen, wenn Ajax in Turin nicht gewinnt. Das lässt uns alle Chancen. Dass wir gegen Juve nicht gepunktet haben, ist deshalb zwar schade, aber keine Katastrophe.

Frage: Unter dem Strich stehen aber in den letzten Wochen insgesamt vier Niederlagen.

Hoeneß: Aber diese Niederlage gegen Juve ist ja nicht so einzuordnen wie eine Niederlage in Gladbach. Die ist ja ganz anders zustande gekommen.

Frage: Dennoch ist die Situation im Moment für den FC Bayern nicht gerade befriedigend?

Hoeneß: Natürlich sind wir insgesamt mit der Situation nicht zufrieden. Wir müssen aufpassen, dass wir wieder besser spielen. Gegen Juve muss ich die Mannschaft allerdings in Schutz nehmen. Wir haben gegen eine Klassemannschaft eine Stunde dominiert. Mehr ist im Moment nicht drin.

Frage: Ist dies für die Ansprüche eines FC Bayern aber nicht zu wenig?

Hoeneß: Juve ist derzeit die vielleicht beste Mannschaft in Europa. Da ist es schwierig zu sagen, die musst du unbedingt schlagen.

Frage: Wie werden Sie nun reagieren?

Hoeneß: Man kann nach diesem Spiel nicht auf die Mannschaft draufhauen. Es gibt keine Begründung. Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen, das wäre nicht berechtigt. Dazu hätte man am Samstag in Gladbach Gelegenheit gehabt.

Aufgezeichnet von Thomas Niklaus, sid



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