Interview mit Völler "Wir haben nicht das heiße Wasser erfunden"

Nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien ist Rudi Völler zwar erleichtert. Der Teamchef möchte den Auftaktsieg aber auch nicht überbewertet wissen.


Hätten Sie in Ihrem ersten WM-Spiel als Teamchef mit solch einem Ergebnis gerechnet?

Völler:

Nein, das konnte man beim besten Willen nicht, aber ich war davon überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen würden. Insgesamt war es natürlich ein Auftakt nach Maß für uns. Vor allem freue ich mich darüber, dass meine Mannschaft nahezu alles umgesetzt hat, was wir vor dem Spiel besprochen haben. Die Art und Weise, wie wir das Ergebnis herausgespielt haben, war schon toll.

Vor dem Spiel haben Sie gesagt, dass das erste Spiel immer sehr wichtig ist und auf das 4:1 im ersten Gruppenspiel 1990 gegen Jugoslawien verwiesen, als Deutschland anschließend Weltmeister wurde. Welche Signalwirkung geht von dem 8:0 gegen Saudi-Arabien aus?

Völler: Das Spiel kann man nicht mit 1990 vergleichen, denn der Gegner war nicht so stark wie damals Jugoslawien. Aber es ist immer wichtig, wenn man das erste Spiel gewinnt. Es wäre aber vermessen, den Sieg gegen die Saudis überzubewerten. Dennoch war das Ergebnis gut für unser Selbstbewusstsein. Man hat gesehen, dass wir eine Einheit hat. Mit Sicherheit haben wir in den nächsten Tagen jetzt etwas Ruhe.

Die Mannschaft ist von Beginn an aggressiv zur Sache gegangen und es fiel auf, dass jeder Spieler permanent den Ball gefordert hat...

Völler: So muss man auch spielen, wenn man bestehen will. Vor allem gegen stärkere Gegner wird diese Verantwortung und dieses Engagement gefragt sein. Wir müssen jetzt aber zunächst mal den Ball flach halten und ich bin sicher, dass wir mit dem Erfolg gut umgehen können. Denn wir haben nicht das heiße Wasser erfunden.

Miroslav Klose hat zum dritten Mal innerhalb diesen Jahres einen Dreierpack abgeliefert und Carsten Jancker nicht nur wegen seines Tores ebenfalls überzeugt. Mit dem Sturm müssen Sie doch total zufrieden sein, zumal Oliver Bierhoff ebenfalls noch getroffen hat?

Völler: Für Klose gilt 'von alleine kommt nichts'. Er ist immer mit ganzem Herzblut dabei und wirft alles in die Waagschale. Auch wenn er heute alle seine Tore mit dem Kopf erzielt hat, hat man gesehen, was er alles drauf hat. Janckers Qualitäten kenne ich genauso wie die von Bierhoff, aber Carsten kann der Mannschaft im Moment mehr helfen. Alle Stürmer sind aber wichtig für uns.

Gab es denn trotz des Erfolges noch irgendeine Kritik Ihrerseits?

Völler: Eigentlich nur, dass wir uns zwei unnötige Gelbe Karten eingehandelt haben. Vor allem die Karte für Didi Hamann tat weh. Ich hebe ja ungern einen Spieler heraus, aber Hamann hat heute überragend gespielt. Er hat wohl einen Rekord aufgestellt, was Ballkontakte angeht. Umso mehr tut die blöde Gelbe Karte weh.

Aufgezeichnet von Jürgen Zelustek, sid



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